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  Quelle: Aargauer Zeitung, Fricktaler Regionalteil
10.8.2001

Während gut sechs Wochen hat Basel eine Konzertbühne mehr. Ein schönere Kulisse könnte die Stadt gar nicht haben: Die Konzerte finden nämlich auf dem Rhein statt.

Michael Heim

Es ist schon ein besonderes Ereignis, wenn abends die Musiker mit dem Weidling zur Bühne raus fahren und die Zuschauer gespannt auf das Konzert warten. Seit dem 12. Juli ist in Basel nämlich wieder etwas ganz besonderes "im Fluss". Das vermutlich einzige Festival der Schweiz, bei dem die Besucher am Ufer und die Musiker mitten auf dem "Bach" sitzen. Auf einem Floss befindet sich die schwimmende Bühne, am Rheinweg die Bar und die Zuschauertribüne. Letztere musste noch nicht einmal aufgestellt werden, denn die Stufen am Rheinbord bestehen schon und sind jetzt einfach noch ein wenig besser besucht, als sie es sonst schon sind.

Absitzen und zuhören - gratis

Für viele Basler hat der Rhein eine ganz besondere Bedeutung, und so sind denn auch die sommerlichen Konzerte auf dem Rhein immer gut besucht. Wenn auch der Blick der Zuschauer in Richtung Grossbasel zeigt, betont der Veranstalter dennoch, dass mit dieser Veranstaltung der besondere Geist des Kleinbasels gelebt werden soll: "Das Aufeinandertreffen unterschiedlichster sozialer und kultureller Schichten auf kleinstem Raum; Bildungsbürger und Gastarbeiter, abwechselnd innerhalb von Strassenabschnitten zwischen Waisenhaus und Rotlichtviertel". Am Rhein treffen alle diese Menschen wieder aufeinander und hören zusammen zu den Klängen von Jazzbands, Rockern oder klassischer Musik.

Weil die meisten Konzerte keinen Eintritt kosten, kann man auch einmal spontan absitzen und ein paar Takte lang zuhören. Denn wo lässt es sich Musik besser geniessen, als unter freiem Himmel und vor der schönsten Kulisse Basels?

Sehr speziell ist die Konstruktion der Bar Veronica, denn sie ragt weit über den Rheinweg hinaus und ihre Stützen sind, so betont man, nirgends fest verankert. Auch wenn die Konstruktion ein wenig wie ein Baugerüst aussieht, so fühlt man sich dennoch sicher. Ins Schwanken kommt der Besucher höchstens dann, wenn er sich ein Ueli-Bier zu viel genehmigt hat, was bei heissen Sommerabenden schnell einmal vorkommen kann. Erst recht am Wochenende, wenn die Bar schon am frühen Nachmittag öffnet.

Für das Programm konnte Tino Krattinger viele tolle Namen verpflichten. Die dargebotene Musik geht quer durch alle Sparten, so treten regionale Bands wie Phébus (26.7.), Popmonster (9.8.) oder Stereotype (19.7.), aber auch altgediente Grössen wie Büne Huber (31.7.) oder Polo Hofer (4.8.) auf. Auch für Freunde von Jazz und Blues gibt es zahlreiche Angebote.

Boxen auf dem Floss

Ein spezieller Abend wird sicher der erste August, wenn die Musik einmal für andere Klänge Platz machen muss. An diesem Abend findet auf dem Floss nämlich ein Boxturnier statt, welches vom Boxclub Basel organisiert und vom Lokalsender Radio X live übertragen wird. Für ein schönes Schlussbouquet ist ebenfalls gesorgt: Die letzten Tage des Festivals fallen nämlich mit der grossen Jubiläumsfeier 500 Jahre keine Schweiz ohne Basel, dem Festival Em Bebby si Jazz, dem Rock- und Popfestival und der erstmals durchgeführten Riverparade zusammen. Ein spannender Sommer wartet auf die Basler - und nicht nur auf die aus dem minderen Basel.

Aktueller Nachtrag (3.2.2002): Auch heuer findet das Flossfestival statt. Allerdings ist es im Vorfeld zu vielen Einsprachen von Anwohnern gekommen, so dass das Festival unter dem Einfluss vieler Kompromisse etwas gelitten hat. Es wurde in seiner Länge etwas beschnitten und die Betriebszeiten (vor allem der Bar) wurden stärker eingeschränkt.

Die effektiv gedruckte Version unterscheidet sich in Details von dieser Version. Aus Gründen der Machbarkeit habe ich die von mir abgegebene Version verwendet. Interessierte können sich hier die gedruckte Version als Grafik herunterladen.