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Quelle: Aargauer Zeitung, Fricktaler Regionalteil
20.02.2001

Wehende Renaissance in den Gassen Kleinbasels

Autonom. Zwei Kleinbasler geben dem «minderen Basel» ein eigenes Wappen, welches das Stadtbild bereits prägt

Wer zurzeit durch die Strassen im Herzen Kleinbasels geht, dem fallen bald die Fahnen mit dem bunten Baselstab auf. Es sind nicht die gewöhnlichen Fahnen mit dem Basler Kantonswappen, denn sie sind speziell dem Kleinbasel gewidmet. Der «Stadt Kleinbasel», um genau zu sein.

Michael Heim

Lange Zeit war das Gebiet rechts des Rheins von Grossbasel getrennt gewesen. Als das «Dorf» im Jahre 1285 vom habsburgischen König mit weitergehenden Rechten ausgestattet wurde, war es für 107 Jahre so etwas wie eine eigenständige Stadt. Auch aus dieser Zeit stammen die drei Ehrengesellschaften «zum Gryffen», «zum Hären» und «zum Rebhaus», die damals für Ruhe, Ordnung und Sicherheit sorgten. Allerdings sind aus dieser Zeit der Unabhängigkeit keine Wappen überliefert. Lediglich ein Siegel hat überlebt.


rechts: Die Fahne der "Stadt Kleinbasel"

Somit war das Kleinbasel in der Region die einzige ehemalige Gemeinde, die über kein eigenes Wappen verfügte. «Dies müsste man ändern», dachte wohl Niggi Zeindler vor zehn Jahren und beschloss, ein Wappen zu entwerfen. Das Emblem zeigt den schwarzen Baselstab, der nach rechts blickt - schliesslich liegt doch das Kleinbasel rechts vom Rhein. Auch am Basler Rathaus kann man bereits solche Stäbe sehen, sie sind also keine neue Erfindung. Die drei Bauchringe des Baselstabes tragen die Farben der drei Ehrengesellschaften: Rot, Grün und Blau. Angedeutet wird ferner das Rheinknie und die erste Rheinbrücke, die in der damaligen Zeit gebaut wurde.

Zwar hat dieses Wappen keine offizielle Funktion, da das Kleinbasel heute über keinerlei Autonomie mehr verfügt. Es solle aber als Mittel dienen, die symbolische Eigenständigkeit des «minderen Basel» zu betonen. Schliesslich ist dieses - so wird mit zwinkerndem Auge betont - im Jahre 1392 keineswegs freiwillig zur grösseren Stadt gestossen. Die Stadt wurde ganz einfach über eine Pfandablösung an die grosse Schwesterstadt verkauft.
Dass die Kleinbasler Eigenständigkeit ein Stück weit überlebt hat, sieht man jedes Jahr im Januar, wenn die Ehrengesellschaften den Tag des «Vogel Gryff» feiern. Zu Trommelmärschen tanzen die drei Vertreter - der «Vogel Gryff», der «Leu» und der «Wild Maa» - in den Strassen und die Ueli sammeln mit ihren Blechbüchsen Geld, welches dann durch die drei Gesellschaften zugunsten armer Kleinbasler verteilt wird. An diesem Tag schmücken alle Gesellschaftsbrüder ihre Häuser feierlich mit den Bannern ihrer Gesellschaft.

Seit einem Jahr lässt sich nun auch während des restlichen Jahres ein Aufblühen der «Stadt Kleinbasel» beobachten. Das von Niggi Zeindler geschaffene Wappen weht nun vielerorts öffentlich im Wind. Eine der ersten Fahnen hing und weht auch heute über dem Eingang zum Restaurant Ysebähnli an der Utengasse. Charles Businger, der Beizer dieses kleinen Lokals, ist einer der wichtigen Förderer des Projekts. Ein Freund von ihm lässt die Fahnen in der Karibik produzieren. Und es herrscht eine rege Nachfrage. Man entdeckt an immer mehr Orten das bunte Wappen, so trifft man es auch an der Riehentorstrasse beim «Torstübli» oder in der Rheingasse an. Charly betont, dass ihm das Kleinbasel sehr am Herzen liege. Seit 43 Jahren wohne er schon hier, und das wolle er auch so belassen. Mit den Fahnen versucht er nun auch aktiv etwas an seine Heimatstadt zurückzugeben.

Auch wenn mit der grafischen Gestaltung ein direkter Bezug zu den drei Ehrengesellschaften hergestellt wird, betonen die Schöpfer der Fahne, sollen diese auch und gerade den Nichtmitgliedern zur Verfügung stehen, um am Vogel Gryff und anderswo feierlich Flagge zu zeigen: «Wer sich zu Kleinbasel bekennen will, zeigt es mit diesem Wappen - sei es am Schrebergarten, Weekendhaus oder an allen Kleinbasler Festlichkeiten», schreiben sie in ihrer Informationsbroschüre. Im Zeitalter der weltweiten Vernetzung spielt nicht nur das «Global Village» sondern auch das lokale Dorf wieder eine Rolle. Gegensätze ziehen sich eben an.