Im November letzten Jahres brach beinahe das ganze E-mail-System
zusammen, weil bei einem Rundschreiben an die Studierenden alle
6128 E-mail-Adressen mitverschickt wurden. Da die Datenmenge so
auf ein vielfaches anstieg und fast alle mails auf dem gleichen
internen Computer landeten, brach dieser zusammen. Die Mitarbeiter
vom Unirechenzentrum (URZ) mussten während eines Tages sämtliche
mails von Hand wieder löschen, da der mailserver sonst nicht
mehr funktioniert hätte. Im ganzen blockierten etwa zwei
Gigabyte an Daten den Computer, was etwa 1500 voll beschriebenen
3,5-Zoll-Disketten entspricht.
Eine Datei namens "Student"
Nebenbei erwähnt würde diese E-mail-Datenbank einer Direktmarketing-Agentur
erlauben, gezielt Studenten mit elektronischer Post zu bewerben.
Es ist zwar auch ohne diese Datenbank möglich, die Adressen
der Studierenden zu bekommen. Mit einem Sniffer-Programm könnte
man die Daten aus dem Internet heraus filtrieren. So gelangt im
übrigen auch die Adresse des AZ-Lesers auf den Briefkopf zahlreicher
Werbebriefe, die er über E-mail zugeschickt bekommt. Am beliebtesten
bei Werbern sind Gästebücher, Foren und Newsgroups auf
dem Internet, wo die Besucher ihre Adresse oft (fahrlässig)
offen hinterlassen. Als Beispiel für die Möglichkeiten
dieser Datenbank schickte ein Unbekannter ein fiktives mail des
Beate-Uhse-Versandes an alle Uniangehörigen. Darin wurde dem
Zuständigen für die Öffentlichkeitsarbeit, Beat Münch,
für die Adressen gedankt. Es hiess weiter, als Dank sei ein
kleines Präsent aus dem Katalog unterwegs.
Fritz Rösel vom URZ betont zwar, dass es sich bei diesem
Vorfall nicht um eine Verletzung des Datenschutzes handle. Laut
Dieter Glantz, ebenfalls vom URZ, gab es aber dennoch unzufriedene
Briefe von Studenten und Studentinnen.
Eine weitere Panne passierte im Januar an einem öffentlichen
Computer im Wirtschaftswissenschaftlichen Zentrum (WWZ), über
den sich die Studierenden zu vielen Prüfungen anmelden müssen.
Nur die (Vor-)Lizentitatsprüfungen werden noch mit Papier
und Kugelschreiber angemeldet. Ein Student wollte sich zu den
Prüfungen anmelden, als ihm das nichts Gutes verheissende
Wort "Komprimierungsfehler" begegnete: das Programm war abgestürzt.
Mit einigen Standardeingaben versuchte er das Programm zu schliessen.
Über den Start-Knopf startete er dann das Betriebssystem
neu, worauf eine unbekannte Benutzeroberfläche erschien,
auf der es unter anderem eine Verknüpfung zu einer Datei
gab, deren Name die Wörter "Admin" und "Student" enthielt.
Er öffnete die Datei, weil er glaubte, sich so wieder zu
den Prüfungen anmelden zu können. Statt des Anmeldeformulars
entdeckte er aber eine Datenbank, die ihm alle Daten der Wirtschaftsstudierenden
offenlegte. Selbst Informationen über Personen, die das Studium
längst beendet hatten, fand er darin. Allerdings konnte er
mit den Daten nicht eben viel anfangen: Sie konnten weder verändert
noch extern abgespeichert werden.
Nur ein Zufall?
Nachdem dieser Fehler der Prüfungskommission gemeldet worden
war, wurde auch das URZ aktiv, das zuvor gar nicht wusste, dass
es solche öffentlichen Terminals überhaupt gab. Der Computer
wäre problemlos auch einer unifremden Person zugänglich
gewesen. Nun wurde schnell gehandelt; der Computer wurde ausser
Betrieb gesetzt, und das URZ machte sich daran, eine neue Lösung
zu finden. In einer Stellungnahme behauptete Fritz Rösel zwar,
es sei ganz und gar unmöglich, dass der Student per Zufall
an die Daten gekommen sei. Immerhin interessierte sich das URZ nun
für genauere Daten, damit bei einem zukünftigen System
auf diese Schwachstellen genügend Rücksicht genommen werden
kann.
Einen fahlen Nachgeschmack hinterlässt die Geschichte jedoch
schon. Während der Student gebeten wurde, aktiv an der Fehlersuche
teilzunehmen und dem URZ genauere Informationen zuzustellen, kocht
die interne Gerüchteküche am WWZ schon über. Zwei
Tage, nachdem der Vorgang dieses Systemfehlers auf das genaueste
besprochen worden war, wurde während einer Vorlesung in Datenverarbeitung
nämlich behauptet, am WWZ sei ein "Hacker" ins System eingebrochen,
um geschützte Daten einzusehen. Jedenfalls setzt die Universität
Basel alles daran, dass solche Fälle künftig nicht mehr
passieren. Soeben wurde nämlich eine Stelle für Datensicherheit
geschaffen, die dafür sorgen soll, dass die Daten in Zukunft
bleiben sollen, wo sie hingehören.
Anmerkung: Dies ist der erste Artikel von Michael
Heim, der an eine Zeitung eingereicht und gedruckt wurde.