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Quelle: Basler Zeitung
© Basler Zeitung; 2003-09-26; Seite 18
Es ist Safari und keiner geht hin
In den vergangenen anderthalb Jahren ist Kenias Tourismus
eingebrochen. Vielfältige Gründe sind die Ursache. Aus
Angst vor Terrorismus meiden vor allem die zahlungskräftigen
Amerikaner und Engländer das Land. Die Kenianer fühlen
sich ungerecht behandelt.

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Urs Bellmont hätte eigentlich keinen Grund zu klagen. Der
Vizedirektor von Kuoni war kürzlich mit ein paar Journalisten
in Kenia unterwegs und hat ihnen dort die Tierwelt Afrikas gezeigt.
Er hatte Glück. Es ist «Migration»: Tausende von
Gnus und Zebras sind derzeit in Kenia auf Wanderung. Er habe das
so intensiv noch nie zuvor erlebt, sagt er. Beste Voraussetzungen
also für die Tourismusbranche.
Von Michael Heim, Mombasa
Der Anlass der Reise aber war nicht die Migration. Und auch nicht
der gute Zustand von Kenias Tourismus, sondern im Gegenteil dessen
Krise. Denn Kenia leidet. In den letzten zwei Jahren haben die Einnahmen
um etwa 40% abgenommen. Angst vor Terrorismus, eine abgewirtschaftete
Infrastruktur und Vernachlässigung der Vermarktung im Ausland
haben zu diesem Rückgang geführt. Hinzu kommt die weltweite
Wirtschaftsflaute. Ein Freudenfest haben derzeit nur die Löwen
in der Wildnis, denen die Tierherden ein Schlaraffenleben bescheren.
John Mugo ist Direktor des Flughafens von Mombasa. Hier landen
die meisten Charterflieger. Noch vor ein paar Jahren waren es 25
pro Woche, heute sind es noch 15. Es ist ruhig am Flughafen, obwohl
der Montag eigentlich der Hauptreisetag wäre.
Mugo ist stolz auf seinen Flughafen. In den letzten Monaten wurde
viel investiert. Das war auch nötig, denn Grossbritannien und
die USA hielten die Reisesicherheit in Kenia für so bedenklich,
dass sie ihren Bürgern im Mai von Reisen abrieten. Denn Kenia
gilt als ein vom Terrorismus gefährdetes Land. 1998 wurden
bei einem Anschlag auf die US-Botschaft in Nairobi 213 Menschen
getötet und im November 2002 kamen bei einem gegen israelische
Touristen gerichteten Attentat 15 Menschen ums Leben. Ein Raketenangriff
auf ein israelisches Flugzeug, der gleichzeitig verübt wurde,
verfehlte nur knapp sein Ziel.
Neue Geräte für mehr Sicherheit
Die Flughäfen in Kenia haben deshalb ihre Sicherheitsmassnahmen
verstärkt, so auch in Mombasa, wo die meisten Touristen landen.
Passagiere, die zum Flughafen kommen, müssen die letzten Meter
zum Gebäude zu Fuss gehen, denn Autos müssen aus Sicherheitsgründen
hundert Meter vor dem Terminal umkehren. Ins Flughafengebäude
kommt nur noch, wer ein gültiges Ticket vorweisen kann.

Chef in Mombasa. John Mugo ist Direktor des für den Tourismus
wichtigen Flughafens von Mombasa. Foto hec |
Gleich am Eingang wird das ganze Gepäck der Reisenden durchleuchtet
und die Passagiere selber werden vom Sicherheitsdienst abgetastet.
Stolz zeigt Mugo auch einen Sprengstoff-Detektor, den der Flughafen
von den Engländern bekommen hat. Bevor die Touristen ihr Flugzeug
betreten können, durchlaufen sie noch weitere ein bis zwei
«Screenings». Dasselbe gilt fürs Gepäck. Besonders
vorsichtig ist die Flughafenpolizei bei Flügen in «sensitive
Gebiete» wie Israel oder die USA.
Die augenfälligste Neuerung am Flughafen von Mombasa sind
aber die vier Wachtürme, die an den Ecken des Flughafengeländes
stehen. Darauf schieben Polizisten rund um die Uhr Wache. Für
Mugo steht fest, dass es eine hundertprozentige Sicherheit nie geben
kann. «Mombasa ist aber sicherer als viele andere Flughäfen»,
sagt er.
Dieser Meinung scheinen auch die Engländer zu sein. Sie haben
ihr Reiseverbot vorletzte Woche zwar wieder aufgehoben, die Reisewarnung
der Amerikaner ist aber noch immer in Kraft.
Zu wenig innovativ gewesen
Raymond Matiba kennt noch andere Probleme als die der Sicherheit.
Der 38-Jährige ist Direktor der staatlichen Tourismusagentur
Kenias. «Lange brauchten sich die Kenianer nicht um den Verkauf
ihres Produktes zu kümmern», sagt er. «Die Touristen
kamen einfach und das schien sich nicht zu ändern.» Deshalb
wurde die Infrastruktur vernachlässigt, dringende Renovationen
wurden aufgeschoben. «Veränderte Bedürfnisse der
Touristen wurden nicht erkannt.» In den letzten Jahren fand
man die Angebote aus Kenia immer mehr unter den Rabattangeboten
der Reiseveranstalter. Die zu Kuoni gehörende Chartergesellschaft
Edelweiss Air fliegt heute zu 50% Last-Minute-Touristen nach Kenia.
Beabsichtigt ist ein Anteil von etwa 20%.
Besonders schwer haben es heute die Safari-Anbieter. Nicht nur
buchen immer weniger Touristen die teuren Angebote in der Wildnis,
es sind ausgerechnet die von den Warnungen verschreckten Engländer
und Amerikaner, die normalerweise viel Geld für Safaris ausgeben.
Gewisse Hotels verzeichnen Umsatzeinbussen von bis zu 80%.
Matiba will den Tourismus mit einer Werbekampagne im Ausland anheizen,
der ersten seit Jahrzehnten. Ihm steht ein Budget von 8 Mio. Dollar
zur Verfügung, das zur Hälfte aus den Kassen der EU stammt.
Matiba ist von seinem Produkt überzeugt. «Kenia ist das
beste Land für Safaris», sagt er.
Mit dem Ballon über den Zebras
Andrew Peart lebt von den Safaritouristen. Im Nationalpark «Massai
Mara» zeigt er mit seinem Heissluftballon zahlungskräftigen
Touristen die Tiere von oben. Dass Leute aus Sicherheitsgründen
nicht nach Kenia kommen, versteht er nicht. Er selbst hat schon
fast alle afrikanischen Länder bereist. «Glaub es oder
nicht, aber die Leute weichen heute nach Südafrika aus»,
sagt er erstaunt und verärgert zugleich. «Aber in Südafrika
verlässt du dein Auto, und wenn du zurückkommst, sind
die Scheiben kaputt.» Normalerweise fliegen Peart und seine
Kollegen in der Hochsaison mit drei Ballonen gleichzeitig. Heute
kann er mit etwas Glück einen füllen. Der Umsatz ist auf
die Hälfte zusammengebrochen.
Nachdem Kenia in puncto Reisesicherheit einiges unternommen hat,
gilt es nun, die übrige Infrastruktur (Strom, Strassen, Hotels)
zu erneuern und für den kenianischen Tourismus zu werben. Dafür
aber braucht Kenia Kapital, und das kann nur aus dem Ausland kommen.
Ganz klar sind sich die Kenianer aber noch nicht über die Quellen.
Einige hoffen auf Kredite internationaler Organisationen wie der
Weltbank - vor allem für die öffentliche Infrastruktur.
Andere wünschen sich, dass vermehrt globale Hotelketten in
Kenia investieren. Den Tourismus zu retten, ist von grosser volkswirtschaftlicher
Bedeutung. Denn 5 Mio. von insgesamt 30 Mio. Kenianern leben von
den 500 000 Touristen, die jährlich das Land bereisen.
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EDA-Beurteilung
hec. Das Eidgenössische Departement für auswärtige
Angelegenheiten (EDA) führt eine Datenbank mit Reisehinweisen.
Bezüglich Kenia weist das EDA auf eine Befürchtung
hin, welche die kenianische Regierung im Mai geäussert
hat. Die Regierung hielt damals terroristische Anschläge
für möglich. Das EDA erwähnt auch politische
Konflikte im Norden und Nordosten des Landes und rät
von Reisen in diese - wenig touristischen - Gebiete ab. Um
sich vor Gewaltkriminalität zu schützen, rät
das Departement, keine Wertgegenstände und nur wenig
Geld auf sich zu tragen, einsame Gegenden am Abend zu meiden
und bei individuellen Reisen sehr vorsichtig zu sein.
http://www.eda.admin.ch
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Siehe auch die Fotos aus der Kenianischen
Massai Mara
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