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© Basler Zeitung; 11.11.2009; Seite bazab20
stadt

Madörin macht Druck auf Thiel
Verwaltungsrat fordert Begründung für die Reorganisation der IWB-Geschäftsleitung

valentin kressler, MICHAEL HEIM
Ex-SVP-Vize Bernhard Madörin macht die überraschende Umstrukturierung der IWB-Geschäftsleitung an der ersten Sitzung des neuen Verwaltungsrats zum Thema.

Die erste Runde ging an David Thiel (43). Die Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rats (GPK) stellte sich an ihrer Sitzung vom 29. Oktober nach einem Hearing mit dem verantwortlichen Regierungsrat Christoph Brutschin (SP) hinter den in die Kritik geratenen Chef der Industriellen Werke Basel ( IWB). Die Kommission verzichtete jedenfalls darauf, eine spezielle Untersuchung einzuleiten. Und auch Regierungsrat Brutschin stellte verschiedentlich klar, dass er hinter Thiel stehe.

Dabei gibt es viele Vorwürfe von Kadermitarbeitern und Politikern an die Adresse des IWB-Chefs: Thiel, der im März 2008 die Nachfolge des langjährigen Amtsinhabers Eduard Schumacher antrat, steht seit Wochen wegen seines Führungsstils, Abgängen von Kadermitarbeitern sowie einer überraschenden Reorganisation der Geschäftsleitung in der Kritik (die BaZ berichtete).

«informationsdefizit». Insbesondere die Reorganisation stösst auch dem Treuhänder Bernhard Madörin (50) sauer auf. Madörin ist eines von sieben Mitgliedern des neuen IWB-Verwaltungsrats, der Anfang 2010 im Zuge der Verselbstständigung des Unternehmens die Werkkommission als oberstes Führungsorgan ablösen wird. Der ehemalige Grossrat und Vizepräsident der SVP Basel-Stadt hat deshalb im Hinblick auf die erste Sitzung des Verwaltungsrats, der von Ex-Swisscom-Chef Jens Alder präsidiert wird, gemäss Informationen der BaZ bereits mehrere Anträge deponiert. «Der Verwaltungsrat hat ein totales Informationsdefizit», kritisiert Madörin. «Die Situation ist unbefriedigend.» Konkret fordert er insbesondere Informationen über die Reorganisation der Geschäftsleitung, in der neu Personalchef Urs Gschwind (53) nicht mehr vertreten ist, dafür aber die Bereiche Unternehmensentwicklung und Telekom. Der Grund für Madörins Kritik: Der Verwaltungsrat ist bei dieser Umstrukturierung nicht involviert worden. «Ich habe von den Medien davon erfahren», beklagt er sich. In der Privatwirtschaft würde der Verwaltungsrat bei solchen Veränderungen in der Regel «begrüsst». Madörins Anträge kommen nicht unerwartet: Bereits im Oktober hatte er sich auf «Telebasel» kritisch zu Thiels Umstrukturierung geäussert.

Treuhänder Madörin bezweifelt zudem, ob die Reorganisation zum jetzigen Zeitpunkt – nur wenige Wochen bevor der neue Verwaltungsrat seine Arbeit aufnimmt – überhaupt notwendig war. «Solche Veränderungen sollte man nur bei absoluter Notwendigkeit machen», sagt er. «Die IWB sind ein relativ statischer Betrieb, weshalb ich diese absolute Notwendigkeit zurzeit nicht sehe.» Und wie geht es weiter, falls die Antworten an der ersten Verwaltungsratssitzung für Madörin nicht zufriedenstellend ausfallen? «Dann werde ich meine kritische Stimme im Verwaltungsrat weiter aufrechterhalten», kündigt er an. «Die IWB haben eine grosse Bedeutung für den Kanton.»

Kommt hinzu, dass die Konflikte in der IWB-Chefetage offenbar schon seit geraumer Zeit schwelen. Die Differenzen seien bald nach dem Amtsantritt von Thiel im März 2008 aufgetreten, berichtet ein Kadermitarbeiter, der nicht namentlich zitiert werden will, der BaZ. Mitglieder der Geschäftsleitung hätten gegenüber Thiel mehrfach Kritik geübt. Weitere Abgänge im Kader seien deshalb nicht auszuschliessen.

kein kommentar. Ein Vorwurf scheint sich unterdessen jedenfalls zu bestätigen. Jener, wonach Thiel die Personalmitteilung zur überraschenden Reorganisation der Geschäftsleitung zusätzlich mit der Unterschrift seines Vize Beat Huber (36) versehen hat – ohne dass dieser das besagte Papier zuvor gesehen und damit eingewilligt hatte. Dies berichten jedenfalls mehrere, voneinander unabhängige Quellen übereinstimmend. Wie schon Thiel möchte sich aber auch Huber nicht öffentlich dazu äussern, womit Spekulationen über Meinungsverschiedenheiten an der IWB-Spitze zusätzliche Nahrung erhalten. Es sei ihm «leider momentan nicht möglich, dazu eine Stellungnahme abzugeben», schreibt er auf eine Anfrage der BaZ. «Ich hoffe sehr auf Ihr Verständnis.»

Licht ins Dunkel bringen möchte auch FDP-Präsident Daniel Stolz mit einem Vorstoss im Grossen Rat (BaZ von gestern). Es wäre allerdings eine Überraschung, wenn Regierungsrat Brutschin heute im Parlament plötzlich ausführlicher zu den Geschehnissen in der IWB-Chefetage Stellung nehmen würde als bis anhin – respektive Thiel nicht mehr den Rücken stärken würde.