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© Basler Zeitung; 22.01.2009; Seite bazab23
stadt

Die IWB wollen den Baslern «grünere» Energie verkaufen
Bald gibt es jedes Produkt auch in einer ökologischen Variante

Michael Heim
Seit Januar trägt der gesamte Basler Strommix das Prädikat «erneuerbar». Nun lancieren die IWB neue Alternativen und klimapolitisch korrektes Erdgas.

«Öko-Strom?», rätselt die Kollegin. «Bringt mir dann ein IWB-Mitarbeiter den Strom mit dem Handkarren vorbei?» Sie habe im Leben schon genug Entscheidungen zu treffen, da müsse sie nicht auch noch beim Strom wählen können, spottet sie. Und auch der Kollege neben ihr bekundet Mühe mit der Vorstellung, dass es besseren und schlechteren Strom gebe. Strom sei Strom, findet er.

IWB-Chef David Thiel kennt das Problem. Das Elektron in der Steckdose sehe schliesslich nicht anders aus, wenn der Kunde Solar- statt Atomstrom kaufe, erklärt er. Und doch versuchen es die IWB nun mit einem neuen Set «sortenreiner» Stromangebote. Ab dem 1. April wird der Kunde gegen einen Aufpreis etwa reinen Windstrom kaufen können. Oder Solarstrom. Oder Strom, der mithilfe von Holz produziert wurde. Diese Produkte ersetzen die heutigen «eco»-Angebote der IWB, denen nach Aussage der IWB-Exponenten kein allzu grosser Erfolg beschieden war.

Auch der normale Basler Strom – die gewöhnungsbedürftige Marke «Bâlectris» haben die IWB wieder heimlich abgeschafft – ist seit Anfang Jahr auf dem Papier etwas grüner. Vier Fünftel der Elektrizität beziehen die IWB aus Wasserkraftwerken, ein Fünftel über die Strombörse. Dieses letzte Fünftel stammt mehrheitlich aus Kohle- und Atomkraftwerken und gilt als «Strom ohne Herkunftsnachweis».

Mit einem Trick wird nun auch der graue Reststrom zu Wasserstrom: Die IWB kaufen Stromhändlern, die darauf verzichten können, das Recht ab, Strom als Wasserstrom zu bezeichnen. So wird gegen Bezahlung von jährlich 500 000 Franken aus dreckigem Strom sauberer Strom. Und dort, wo es den Leuten egal ist, aus sauberem Strom dreckiger.

Gas ohne Gas. Mit einem ähnlichen Deal adeln die IWB auch andere Energieformen. So können Erdgaskunden künftig Gas beziehen, dem der Makel des CO2-Ausstosses wegzertifiziert wurde. Das « IWB Erdgas Klima» verursacht zwar noch immer gleich viel Kohlendioxid und kommt auch aus den gleichen Leitungen wie normales IWB Erdgas. Im Auftrag des Kunden investiert die IWB-Tochtergesellschaft Compensate jedoch Geld in Projekte, die den globalen CO2-Ausstoss senken. Das schont die Umwelt und gibt dem Gasbezüger für einen Aufpreis von zehn Prozent ein gutes Gewissen.

Wärme für die Bilanz. Auch Fernwärmekunden müssen künftig entscheiden, ob sie «gute» oder «dreckige» Energie beziehen wollen. Ein Teil der unter anderem mit verbranntem Abfall hergestellten Wärme gilt als erneuerbar und wird von den IWB künftig als «IWB Wärme Klima» zu einem höheren Preis verkauft. Den Aufpreis wollen die IWB in Umweltprojekte investieren. Das Angebot dürfte vor allem für Firmen interessant sein, die im Geschäftsbericht eine möglichst ausgeglichene Klimabilanz präsentieren wollen.

An der gestrigen Pressekonferenz wurde viel über Produkte gesprochen, weniger dagegen über Preise. Und so ist noch immer nicht bekannt, wie viel der Basler Strom im laufenden Jahr kostet. Klar ist: Es wird mehr sein als 2008 und weniger als das, was für 2009 angekündigt wurde. Man sei noch immer am Rechnen, sagt IWB-Chef Thiel.