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© Basler Zeitung; 27.11.2009; Seite bazab19
wirtschaft

Das Glasfasernetz ohne Netz
CATV bewirbt sich als Juniorpartner im geplanten Basler Glasfaserprojekt

Michael Heim
Die Firma CATV spricht von einem Ausbau ihres Basler Glasfasernetzes. Gleichzeitig sucht sie die Nähe zum Grossinvestor Swisscom.

Patrick Portmann, Geschäftsführer der Firma CATV, steht auf dem Dach des Swisscom-Gebäudes an der Grosspeterstrasse. Um ihn ein Wald von Satellitenschüsseln. Eine Etage tiefer, in Räumen, die von Swisscom nicht mehr gebraucht werden, hat CATV eine Kopfstation für den Fernsehempfang eingerichtet. Von hier aus verbreitet sie die Signale über Glasfaserleitungen in zahlreiche Haushalte der näheren Region.

CATV hat sich in Basel einen Namen mit Satellitenschüsseln gemacht. Firmengründer Werner Zimmermann setzte auf die Konkurrenz aus der Luft, nachdem in den Achtzigerjahren Pläne für ein Kabelnetz gescheitert waren.

Vernetzt. Aus einzelnen Anschlüssen wurden Gemeinschaftsanlagen und daraus entstanden schliesslich Pläne für ein Basler Glasfasernetz. Diesem ist CATV nun offenbar etwas nähergekommen. Man habe die einzelnen Gemeinschaftsanlagen über eine Zentrale im Telehouse der Industriellen Werke Basel (IWB) vernetzt, sagt Portmann. Rund tausend Haushalte seien derzeit an das «Basel City Netz» angeschlossen. Es dient ihnen nicht nur für den Fernsehempfang, sondern auch als Anschluss für Telefon und Internetverbindungen.

CATV betreibt nicht wirklich ein eigenes Glasfasernetz. Die Leitungen, welche die einzelnen Überbauungen miteinander verbinden, sind gemietet, etwa von den IWB.

Firmengründer Zimmermann hat mit alldem nichts mehr zu tun. Vor anderthalb Jahren wurde er überraschend von seinen Partnern abgesetzt, die sich anschliessend einen neuen Investor ins Boot holten. Seither gehört die Firma zu 65 Prozent der Atrya Holding von Johannes Heinrich Tryba und zu 35 Prozent der RH Inter AG des Treuhänders Roland Harzenmoser, wie Portmann erklärt.

Nebst Portmann ist seit April 2008 zudem Beat Hans Gomes Rocha Alder als Geschäftsführer im Handelsregister eingetragen. Alder war zuvor als Medienunternehmer, etwa beim eingegangenen Lokalfernsehsender NW1, tätig.

Neues Kapital. Nun soll das Aktienkapital der CATV um drei Millionen Franken aufgestockt werden, sagt Portmann. Mit dem Geld werde die Expansion im kommenden Jahr finanziert. Bis Ende 2010 will CATV über ihre Abteilung Swissfibertech 5000 zusätzliche Haushalte mit Fernsehsignalen beliefern.

Die Ziele sind ambitioniert, denn gleichzeitig planen auch Swisscom und IWB mit einem Mehrfachen des Kapitals ein Glasfasernetz. Sollten sich die beiden demnächst über die Finanzierung einigen, steht der kleine Nischenplayer CATV schnell im Offside. Zwar könnte er seine Signale auch über das Netz der IWB verbreiten. Für die selbst entwickelten Hausanschlüsse der CATV dürfte sich dann aber wohl niemand mehr interessieren.

Swisscom. Nun sucht CATV die Nähe zum Riesen aus Bern. Man habe der Swisscom eine Offerte für eine finanzielle Beteiligung am Glasfaserprojekt gemacht, sagt Portmann. Swisscom bestätigt auf Anfrage der BaZ, es habe erste Gespräche mit CATV gegeben. Von einem konkreten Angebot könne aber nicht die Rede sein, sagt Pressesprecher Olaf Schulze. Keine Kenntnis von diesen Avancen haben die IWB. Im Zusammenhang mit dem Basler Glasfasernetz hätten bisher keine Gespräche mit CATV stattgefunden, sagt Presseprecher Dietmar Küther.