| txt@michaelheim
Navigation
Schwerpunkte
Glossen
Kommentare
IWB
Film
Suisa
Dr. Amann AG
Archiv
|
|
© Basler Zeitung; 25.01.2010; Seite bazab20
wirtschaft
Zwei Partner, zwei Netze, ein Vertrag
IWB und Swisscom haben endlich definiert, wie sie das Glasfasernetz bauen wollen
IMichael Heim
Die Kosten für die Nutzung des neuen Netzes sollten für alle gleich sein, sagte IWB-Chef Thiel immer. Das sei gewährleistet, sagt er jetzt. Doch die Lösung hat einen Haken.
| |
«Wir wollen einen Einheitstarif»
Swisscom-Chef Carsten Schloter über das neue Netz
IMichael Heim
Basel sei für ein Glasfasernetz attraktiv, sagt Schloter. Pro Anschluss koste es weniger als anderswo.
BaZ: Herr Schloter, die Verhandlungen gingen lange. Worüber haben Sie zuletzt noch mit den IWB gestritten?
Carsten Schloter: Die Annäherung war in allen Städten ein Findungsprozess. Nachdem dieses Modell aber in sechs oder sieben Städten verhandelt war, war es auch in Basel einfacher, eine Einigung zu finden.
Sie konnten bei den IWB ganz einfach irgendwann auf eine Variante verweisen, die sich anderswo bewährt hatte?
Ja, wobei wir nicht mit diesem Modell in Basel eingestiegen waren.
Wo gibt es in Basel Unterschiede zu den Modellen in anderen Städten?
Die Grundzüge sind gleich. Die Baukosten pro Wohnung sind aber von Stadt zu Stadt sehr unterschiedlich. Es sind die Städte im Vorteil, in denen man die meisten Wohnungen pro Haus erschliessen kann.
Und da ist Basel attraktiv?
Ja. In anderen Städten ist dieses Verhältnis weniger günstig.
Spürt der Kunde diese Struktur? Wird Ihr Angebot in Basel günstiger sein?
Die Swisscom strebt einen nationalen Einheitstarif an. Wir sind aber nicht alleine. Wenn andere Anbieter lokale Preise machen, müssen wir da unter Umständen mitziehen.
Noch ist nicht klar, wer die Leitungen in den Häusern bezahlt. Ist es nicht gefährlich, diese Kosten nicht zu übernehmen und zu riskieren, dass die Leute nicht auf die neue Technologie umsteigen?
Dieses Thema wird heisser gekocht, als es später gegessen wird. Es kann sein, dass die Inhouse-Erschliessung schon in ein paar Jahren sehr viel günstiger sein wird. Aber irgendjemand muss diese Kosten am Ende tragen.
Im Mobilfunk finanzieren Sie die Handys und holen sich das Geld später zurück.
Das muss auch so sein. Wunder gab es auf dieser Welt noch selten.
|
| |
|
Gestern stellten die Industriellen Werke Basel (IWB) und Swisscom ihr Projekt für ein gemeinsames Glasfaser-Datennetz vor. Es entscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von dem, was die IWB lange wünschten: Das Netz wird nicht von einer Gesellschaft betrieben, sondern von zweien. Während die Hausanschlüsse einer Tochtergesellschaft der IWB gehören sollen, werden die Leitungen, die alles verbinden, der Swisscom gehören. Ohne dieses Entgegenkommen wäre der gestern vorgestellte Vorvertrag nicht zustande gekommen, sagt IWB-Chef David Thiel.
Von den vier Glasfasern, die in jedes Haus gezogen werden, steht eine exklusiv Swisscom zur Verfügung. Die Übrigen wollen die IWB an Dritte wie Sunrise oder VTX vermieten.
60 zu 40. Die Kosten von 170 Millionen Franken teilen sich die beiden Partner im Verhältnis 60 zu 40, wobei Swisscom den grösseren Anteil übernimmt. Die 60 Prozent entsprechen dem Marktanteil, den sich Swisscom mittelfristig mit dem schnellen Internet verspricht. Heute liege dieser mit 38 Prozent in Basel klar tiefer, sagt Swisscom-Chef Carsten Schloter.
Dass die Kostenbeteiligung gleich hoch sei wie der Marktanteil, war für die IWB immer Bedingung. Nur wenn alle Nutzer des neuen Netzes pro Kunde gleich hohe Kosten hätten, werde niemand diskriminiert. Das war auch der Grund dafür, dass die IWB noch bis vor Kurzem ein einheitliches Netz für alle betreiben wollten. An diesem sollte sich Swisscom lediglich indirekt, über einen Kredit, beteiligen. Danach hätte sich Swisscom Kapazität gemietet, wie alle anderen auch.
Stattdessen soll nun eine Formel sicherstellen, dass Swisscom einen ihrer Grösse entsprechenden Teil der Investitionen trägt. Steige der Marktanteil über 60 Prozent, könne die Kostenbeteiligung «periodisch überprüft werden», sagt Edwin van Velzen, der im November das Ressort Telecom bei den IWB übernommen hat. Was «periodisch» heisst, wurde offenbar aber noch nicht definiert.
Aktiv oder Passiv? Die Formel hat einen Haken. So berechnet sich der Marktanteil von Swisscom als Zahl der Swisscom-Kunden, geteilt durch die Anzahl insgesamt angeschlossener Haushalte. Während bei Erstem nur aktive Kunden gemeint sind, umfasst Zweites auch die zwar verkabelten, aber inaktiven Haushalte.
Das sei problematisch, gibt Thiel im Gespräch mit der BaZ zu. Dann nämlich, wenn an den Fasern der IWB viele passive Kunden hängen. Die IWB tragen dann trotzdem 40 Prozent der Kosten, müssen diese aber auf weit weniger Kunden abwälzen als Swisscom. Genau das wollten die IWB einst mit dem Einheitsnetz verhindern.
Vermeiden könne man das nur über einen taktisch geschickten Ausbau des Netzes. Nur dort, wo die IWB mit aktiven Kunden rechnen können, werde man auch Leitungen in die Häuser ziehen, sagt Thiel. Viel wichtiger sei nun, Partner wie Orange oder die Cablecom zu finden, die künftig ihre Dienste über das neue Netz anbieten. Das Verhandeln geht also weiter. > Tageskommentar Seite 2
|