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© Basler Zeitung; 12.01.2010; Seite bazab11
wirtschaft

2009 blieb ohne Happy-End
Verglichen mit der restlichen Schweiz weisen die Basler Kinos schlechte Zahlen aus

IMichael Heim
Für die Schweizer Kinos war 2009 ein gutes Jahr, in Basel hingegen können sich die Kinobetreiber weniger freuen.

Der eine oder andere Kinobetreiber hat an Silvester wohl eine zweite Flasche Champagner geöffnet, denn mit dem Jahreswechsel ging ein gutes Kinojahr zu Ende. In den grossen Städten verzeichnet die Branchenorganisation Pro Cinema einen Zuwachs von 8,3 Prozent bei den Eintritten, sagt Direktor Roger Gerber auf Anfrage der BaZ. Schweizweit rechnet er sogar mit einer Zunahme von gegen zehn Prozent. «Es sind 15,6 bis 15,7 Millionen Karten verkauft worden», schätzt Gerber. Derzeit werden die letzten Meldungen erfasst.

 

3-D – eine teure Sache

Digital. In der Schweiz können in 53 Kinosälen Filme in 3-D gezeigt werden. Das entspricht einem Anteil von zehn Prozent. Die Kinos haben dafür viel Geld in die Hand genommen: Alleine die 3-D-Technik koste rund 40 000 bis 70 000 Franken pro Saal, sagt Pro-Cinema-Direktor Roger Gerber. Voraussetzung ist jedoch, dass ein Kino einen digitalen Projektor besitzt. Dieser spult keine analogen Filme ab, sondern generiert das Bild digital ab Festplatte – ähnlich wie bei einem Heimkino-Beamer, nur teurer: Eine digitale Projektionsanlage koste derzeit etwa 100 000 Franken, so Gerber.

Die Investitionen amortisieren die Kinos, indem sie für 3-D-Filme einen Aufpreis verlangen. Bei Pathé in Basel sind das vier Franken.

Für das Betrachten eines 3-D-Filmes braucht es eine Brille, und die unterscheiden sich je nach Projektionstechnik: Die in Basel eingesetzten Brillen von «XpanD» sind die teuersten – und klobigsten. hec

   

Etwas verzerrt werde das Resultat durch das neue Pathé-Multiplex-Kino in Bern, sagt Pathé-Manager Brian Jones. In Bern seien bis kurz vor Jahresende 46 Prozent mehr Eintritte verbucht worden. Pathé halte nun einen Marktanteil von 41 Prozent. In anderen Schweizer Städten wie Luzern oder Zürich liegt die Zunahme laut Pro Cinema im Bereich von acht Prozent.

Ein gutes Jahr hatte auch das Multiplex-Kino Filmpalast im Weiler Rhein-Center. Aufgrund der attraktiven Filme und schlechter Umsätze im Vorjahr seien rund zwanzig Prozent mehr Eintritte verkauft worden, sagt Kinodirektor Bernd Gschöpf. «Im vergangenen Jahr gab es so viele gute Filme, dass wir Mühe hatten, sie alle im Programm unterzubringen.»

Basel am schluss. Wenig Freude herrscht dagegen in Basel. Keine Stadt in der Schweiz weist für das letzte Jahr so schlechte Zahlen aus: Um gerade mal 1,9 Prozent stiegen die Billettverkäufe. Er könne sich das nicht erklären, sagt Pro-Cinema-Direktor Gerber, er beobachte jedoch, dass die Stadt dem Schweizer Schnitt schon lange hinterherhinke (siehe Grafik). Nur gerade im Jahr 2007, als das Pathé-Multiplex in der Steinenvorstadt eröffnet wurde, konnten die Basler Kinos ein besseres Ergebnis vorweisen.

In der Stadt herrscht ein harter Verdrängungeskampf, der zunehmend von Pathé gewonnen wird. Im vergangenen Jahr habe Pathé in Basel knapp fünf Prozent mehr Tickets verkauft als im Vorjahr, sagt Jones. Mittlerweile hält die französische Gesellschaft mit den Kinos Küchlin, Plaza und Eldorado bei den kommerziellen Kinos einen Marktanteil von fast zwei Dritteln.

3-d-Effekt. Weniger rosig sieht die Bilanz für die Konkurrenten aus. Gemäss der BaZ vorliegenden Zahlen liegt die Kitag (Capitol, Rex, Studio Central) mit rund 116 000 Eintritten im 2009 etwa drei Prozent unter dem Vorjahr. Bei den Studiokinos der Kultkino-Gruppe endet das Jahr sogar mit einem klaren Minus: Während das Atelier bis kurz vor Jahresende leicht über dem Vorjahr lag, mussten die Kinos Camera, Club und Movie Einbussen zwischen 9 und 16 Prozent verbuchen. Kultkino-Mitarbeiter Tobias Faust spricht von einem Minus von sechs Prozent und verweist auf ein allgemein schlechtes Jahr im Studiofilm-Bereich. Die Kitag wollte auf Anfrage der BaZ keine Zahlen nennen.

Pathé hat im vergangenen Jahr davon profitiert, dass sie in Basel als einzige Betreiberin Filme in 3-D zeigen kann und diese haben 2009 viel Publikum angezogen. Insgesamt seien in der Schweiz mehr als eine Million Eintritte mit 3-D-Filmen verbucht worden, sagt Gerber. Bezüglich des Umsatzes war ihr Einfluss noch grösser, verlangen die Kinos doch einen Zuschlag. Und so stiegen die Umsätze in der Schweiz um zwölf und in Basel um sechs Prozent.

«über budget». Jones bestätigt, dass 3-D Pathé geholfen habe, die Umsätze zu steigern, und auch die Konkurrenz sieht einen Einfluss: Der Umstand, dass man keine 3-D-Filme zeigen konnte, habe sich «selbstredend» bemerkbar gemacht, sagt Kitag-Verwaltungsrat Willy Heinzelmann, der sich ansonsten zufrieden zeigt und darauf verweist, dass man in Basel «über Budget» abgeschlossen habe. Auch den Kultkinos – in den vergangenen zwei Jahren in den roten Zahlen – gehe es finanziell wieder besser, sagt Faust. Das allerdings, weil den Kinos ein drastisches Sparprogramm verordnet wurde.

Dafür, dass die Umsätze in Basel insgesamt weniger stark steigen als in der restlichen Schweiz, sieht Pathé-Manager Jones nebst dem 3-D-Rückstand vor allem einen Grund: die Konkurrenz aus Deutschland. Viele Leute gingen aufgrund der Preise nach Weil ins Kino, sagt er. Auch Filmpalast-Betreiber Gschöpf sieht im Preis eine seiner Stärken. Vor allem dank Päckli-Angeboten ist der Kinobesuch im deutschen Multiplex günstiger als in Basel.

Pathé-Manager Jones will darauf reagieren und kündigt an, demnächst neue Angebote für Familien einzuführen. Nur mässigen Erfolg hatte Pathé hingegen mit dem neu lancierten Generalabonnement. Im Gegensatz etwa zu Luzern werde es in Basel wenig genutzt, sagt Jones. Das liege daran, dass Pathé in Luzern auch den Arthouse-Bereich abdecke, in Basel jedoch nicht. Auch die Kultkino AG hat 2009 einen Passepartout eingeführt. Sie bezeichnet ihn jedoch als «Publikumserfolg».

Reagieren will auch die Kitag. So soll Pathé in Basel das Monopol auf 3-D-Filme verlieren, wie Heinzelmann ankündigt. «Wir haben vorgesehen, im laufenden Jahr die entsprechenden Investitionen in Basel vorzunehmen.»