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© Basler Zeitung; 13.02.2010; Seite bazab2
heute - Leitartikel

Die Boni sind nicht das Problem
Die hohen Löhne der Banker sind nur ein Symptom

Michael Heim
Derzeit legen die Banken die Löhne offen, die sie ihren Mitarbeitern bezahlen. Nicht selten wird ein grosser Teil als Bonus ausgerichtet. Bei der UBS sind das für 2009 insgesamt drei Milliarden Franken, bei der Credit Suisse 4,1 Milliarden. Im Schnitt erhält ein Angestellter der Credit Suisse fast 150 000 Franken Bonus. Das ist mehr als das gesamte Jahressalär der meisten Schweizer.

Für Empörung sorgen vor allem die Löhne im spekulativen Investment Banking – auch weil dieses als Mitverursacher der Finanzkrise gilt. Der Credit Suisse ist ein durchschnittlicher Mitarbeiter in dieser Sparte 446 000 Franken wert (Lohn und Bonus), die UBS bezahlt mit 355 000 Franken zwar weniger, aber auch nicht gerade schlecht. Am anderen Ende der Skala stehen die einfachen Bankangestellten, deren Bonus in etwa dem 13. Monatslohn in anderen Branchen entspricht. Auch das sei gesagt: Bonus ist nicht gleich Bonus.

Heikle Anreize. Doch worin liegt das Problem? Aus volkswirtschaftlicher Sicht sind Boni dann heikel, wenn sie falsche Anreize setzen. Verleiten sie etwa einen Kreditsachbearbeiter dazu, möglichst viele Kredite abzuschliessen, ungeachtet dessen, wie gut die Schuldner sind, so sitzt die Bank vielleicht plötzlich auf faulen Krediten. Werden Privatkundenberater an den Kommissionen gemessen, die sie generieren, schieben sie das Geld ihrer Kunden so lange hin und hier, bis der Bonus stimmt.

Doch nicht die Höhe der Boni ist hier das Problem, sondern die Anreize. Und in dieser Hinsicht hat sich bereits etwas getan. Die Finanzmarktaufsicht hat neue Regeln erlassen und auch im Rahmen von OECD und BIZ werden die Auswirkungen von Boni untersucht. Diese Eingriffe machen Sinn.

In der Öffentlichkeit aber wird fast ausschliesslich über die Höhe der Boni gesprochen und diese Diskussion zielt am Kern des Problems vorbei. Zwar ist es problematisch, wenn Banken hohe Boni bezahlen, solange ihre Reserven zu mager sind. Doch das gilt auch für andere Kosten, die von der Bank beeinflusst werden können; etwa die Basislöhne, die Informatik oder die Werbeausgaben. Letztlich wird am Ende des Geschäftsjahrs, wenn die Boni bezahlt werden, vor allem einer geschädigt: der Aktionär. Er würde das Geld ansonsten als Dividende ausbezahlt bekommen. Ist es wirklich das, was uns stört? Nein.

Die Frage ist denn auch weniger, wie viel die Banken an wen ausschütten, sondern, wie sie überhaupt an dieses Geld gekommen sind. Wie schaffen sie es, selbst in Krisenzeiten aus dem Wirtschaftskreislauf so viel Geld abzuschöpfen? Also etwa bei den Anlegern, deren Geld sie verwalten oder bei den Firmen, denen sie Kredite geben. Oder im Geschäft mit spekulativen und komplizierten Finanzderivaten. Das sollte uns bewegen.

Argumente der Moral sollten wir realistischerweise gleich beiseitelassen, denn diese haben die Bankiers bisher kaum berührt. Auf das Geschäft mit Betrügern und Despoten haben die Banken dann verzichtet, als man es verboten hat – nicht als man sich daran gestört hat. «Banker werden immer versuchen, ihre Profite zu maximieren», sagte kürzlich der amerikanische Intellektuelle Fareed Zakaria. Ihnen moralisch beizukommen sei schlecht möglich. Vielmehr müsse man ein System kreieren, in dem sich die Banker austoben können, ohne die Welt an den Rand des Zusammenbruchs zu führen.

Marktversagen. Irgend etwas aber stimmt nicht an diesem System, in dem die Banker geschäften. Denn gemäss der ökonomischen Theorie sollten hohe Gewinne, wie sie die Banken machen, in einem effizienten Markt gar nicht möglich sein. Anders gesagt: Die hohen Erträge, welche die exorbitanten Löhne der Banker möglich machen, sind ein Zeichen eines Marktversagens. Dieses erstens zu analysieren und zweitens zu bekämpfen würden deutlich mehr bringen, als im Rahmen der stattfindenden Boni-Begrenzungs-Debatte Symptombekämpfung zu betreiben.

michael.heim @baz.ch