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© Basler Zeitung; 22.04.2010; Seite bazab13
wirtschaft
IWB schreiten vorsichtig voran
Rückstellungen und Relativierungen prägen den Jahresabschluss der Basler Stadtwerke
Michael Heim
Die Industriellen Werke rechnen mit sinkenden Renditen im Stromhandel und haben viel Geld für anstehende Ausgaben zurückgelegt. Für 2009 verbuchen sie einen um 45 Prozent tieferen Reingewinn.
Die Industriellen Werke Basel (IWB) haben im vergangenen Jahr etwas weniger Umsatz gemacht. Das sei auf tiefere Preise und eine wegen der Wirtschaftskrise gesunkene Nachfrage nach Energie zurückzuführen, sagt IWB-Chef David Thiel. Gleichzeitig sanken jedoch auch die Kosten. Einerseits mussten die IWB wegen der tieferen Nachfrage weniger Strom beschaffen, andererseits produzierten die eigenen Wasserkraftwerke am Rhein und in den Alpen überdurchschnittlich viel günstige Energie. 89,5 Prozent des Stroms konnten die IWB aus eigenen Wasserkraftwerken beziehen. Der Betriebsgewinn liegt daher deutlich über dem Vorjahreswert.
Erstmals verkauften die IWB 2009 allen Strom als Energie aus erneuerbaren Quellen. Die Zertifikate, welche für die «Vergrünung» nicht ökologischen Stroms erworben werden mussten, hätten dabei gerade mal 200 000 Franken gekostet, erklärt Thiel.
GeothermieSchäden. Der Reingewinn der IWB liegt mit 30,3 Millionen Franken deutlich tiefer als im Vorjahr. Der Einbruch ist auf diverse Rückstellungen zurückzuführen. So haben die IWB etwa 8,3 Millionen Franken für Schäden aus dem missglückten Basler Geothermieprojekt zurückgestellt. Es handle sich dabei um die Erdbebenschäden, welche von der Versicherung der IWB-Tochter Geopower bereits bezahlt worden seien, erklärt Sprecher Erik Rummer. Es sei möglich, dass die Versicherung Axa Winterthur auf die IWB Regress nehmen wolle.
Eine Rückstellung haben die IWB im Zusammenhang mit einem Umbau auf dem Novartis Campus gebildet. Novartis habe den Abriss eines Teils des Unterwerks Volta eingefordert, das an das Campus-Areal angrenze, sagt Rummer. Der Vertrag zwischen dem Kanton und dem Pharmakonzern sichere dies zu. Offenbar rechnen die IWB damit, diese Kosten selber tragen zu müssen.
Weitere 35 Millionen Franken haben die IWB wegen der unsicheren Renditeaussichten des Ausbaus des Glasfasernetzes zurückgestellt. In den Äusserungen dazu ist die Handschrift des neuen IWB-Präsidenten Jens Alder deutlich zu spüren. Dieser hat bereits früher erwähnt, dass es unklar sei, wie und ab wann das neue Datennetz rentabel werde. «Heute kennen wir nur die Kosten, nicht aber die Erträge dieses Netzes», betont auch Thiel.
Weniger Handelsgewinne. Vorsichtig geben sich die IWB auch bezüglich der künftigen Einnahmen aus dem Stromhandel. Die Speicherkraftwerke, an denen die IWB beteiligt sind, kaufen in Randzeiten billig Strom ein und pumpen damit Wasser in ihre Stauseen. In Spitzenzeiten machen sie dieses wieder zu Strom. Die Preisdifferenz, aus der sich der Gewinn ergibt, sei jedoch deutlich gefallen, sagt Thiel.
In den kommenden Jahren werde der bereits 2009 um zwei Prozent auf 731 Stellen gewachsene Personalbestand noch weiter zunehmen, sagt Thiel. Das hat auch mit der Beseitigung einer unschönen Anstellungspraxis aus vergangenen Jahren zu tun. So gebe es mehrere Duzend Personen, die schon seit Langem – teilweise seit mehr als zwanzig Jahren – über Temporärverträge beschäftigt worden seien, erklärt Thiel. Diese Quasimitarbeiter würden jetzt fest angestellt.
Die neue Geschäftsleitung der IWB
Junges Team. Der Generationenwechsel bei den IWB schreitet voran. Künftig betrage das Durchschnittsalter in der Geschäftsleitung 42 Jahre, betont IWB-Chef David Thiel (Jahrgang 1966), der vor zwei Jahren Eduard Schumacher abgelöst hat. Schon bald wird erstmals auch eine Frau im Führungsgremium Einsitz haben: Ab August übernimmt Susanne Giehl (Jg. 1964, heute bei Bombardier) die Finanzen, die seit dem Abgang von Beat Huber im März 2010 von Marcel Schärer interimistisch geleitet werden. Bereits im Mai stösst Reto Mohr (Jg. 1970, heute Alpiq) zur IWB und übernimmt den Vertrieb, der bis Ende März von Heinrich Schwendener geleitet wurde und derzeit vorübergehend von dessen Stellverteter Marcel Fähndrich geführt wird.
Seit November 2009 ist Edwin van Velzen (Jg. 1969, zuvor Nortel) Leiter der Sparte Telekom. Sein Vorgänger Iwan Nussbaumer war noch nicht in der Geschäftsleitung vertreten. Zu dieser gehört seit Oktober auch Bernhard Brodbeck (Jg. 1968, zuvor Berater bei Oliver Wyman) als Leiter Unternehmensentwicklung. Der einzige langjährige IWBler in der Geschäftsleitung ist Markus Küng (1969). Er hat Daniel Moll im September 2008 als Leiter der Sparte Anlagen und Netze abgelöst. hec |
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