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Quelle: Basler Zeitung 29.07.2003; Seite
11, Wirtschaft Zu den Kästchen: Popcorn
lässt die Kasse Klingeln Kinoprojekte in Basel
Kinos in Basel: Viele Besucher, hohe Preise
Die Besucherzahlen sind trotz immer höherer Eintrittspreise
kontinuierlich gewachsen. Die Kinos agieren unabhängig von Konjunktur und
Wettbewerb - ihr einziger Gegner ist das schöne Wetter. 
Basel.
Seit ein paar Jahren geistert ein Wort durch die Kinowelt: «Multiplex».
Mehrere Kinosäle unter einem Dach sollen helfen, die Gewinne zu steigern.
Gleichzeitig löst die neue Technologie meist auch veraltete Kinosäle
ab, weshalb die Multiplexe bei den Liebhabern alter Kinos keinen guten Stand haben.
Auch Basel soll ein solches Superkino bekommen. Die Firma Walch Kinobetriebe,
Küchlin-Besitzer Enrico Ceppi und der französische Kinokonzern Pathé
sind Bauherren des nicht unumstrittenen Projekts auf der Heuwaage. Von
Michael Heim Auch andere Kinounternehmer suchen höhere Umsätze.
Die Studiokino-Gesellschaft «kult.kino ag» erweitert ihr Kino «Altelier»
um zwei Säle mit insgesamt 300 Plätzen. Die Kitag hat die Kinos Capitol
und Rex im Jahr 2002 teuer renoviert, eigentlich wollte sie sogar ein eigenes
Multiplex bauen. Inzwischen drei verschiedene Open Airs (Münsterplatz, Gartenbad
St. Jakob, Siloterrasse am Rheinhafen) bieten ein zusätzliches Angebot im
Sommer. Und das Publikum macht mit. In den letzten Jahren stiegen die Umsätze
kontinuierlich an. Die Kinobesuche in Basel (erfasst in der Statistik von ProCinema
sind nur die traditionellen Kinos) stiegen von 11,1 Mio. im Jahr 1999 auf 12,5
Mio. im vergangenen Jahr. Gleichzeitig stiegen auch die Eintrittspreise. Im Jahr
2000 nahmen die Kinos im Durchschnitt noch 13.35 Fr. pro Besucher ein, letztes
Jahr waren es schon 14.52 Fr. Aus der Wochenstatistik vom 17. Juli gehen gar noch
höhere Durchschnittseinnahmen hervor. Insgesamt wurden in Basel letztes Jahr
rund 18 Mio. Fr. für Kinoeintritte ausgegeben. Viel
Umsatz in wenig Kinos Die Kinos sind voll. Wer am Samstag eine Hauptvorstellung
besuchen will, muss sein Billett frühzeitig kaufen. «Basel ist ein
sehr guter Kinoplatz», meint denn auch Leo Baumgartner, Managing Director
des Filmverleihers Warner Bros. (Schweiz). Wegen zusätzlicher Kinos hat er
keine grossen Bedenken. «Es hat sich gezeigt, dass Multiplex-Kinos in der
Regel sogar Mehrumsatz generieren», sagt er. Allerdings könne schon
eine Verlagerung stattfinden. «Die anderen Kinos müssen sich gegenüber
dem Multiplex klar positionieren, um ihren Platz zu behaupten.» Für
den Zürcher Verleiher Filmcooperation dagegen ist der Basler Standort problematisch.
«Basel ist tendenziell am schwierigsten für uns. Es hat am wenigsten
Kinos pro Kopf», sagt Felix Hächler, Verantwortlicher für Programmierung.
Er begrüsst jede zusätzliche Leinwand. Auch die Basler Kinos haben
keine Angst vor zusätzlichen Sälen. Philipp Fink vom Kino Royal hält
ein Multiplex mit bis zu zehn Sälen in Basel für verkraftbar. Für
zwei neue Grosskinos - auch in Pratteln gibt es Pläne für ein Multiplex
(siehe Kasten) - sei der Markt dann aber doch zu klein.
Weniger optimistisch ist Suzanne Schweizer von den «kult.kinos». Immerhin
hält auch sie drei bis vier zusätzliche Säle für problemlos.
Ihre Sorge besteht mehr darin, dass das Multiplex dereinst auch Filme aus ihrem
Bereich spielen könnte. Somit sei es auch ein wenig eine Vorbereitung auf
die zunehmende Konkurrenz, wenn das Atelier-Kino zurzeit auf drei Säle erweitert
wird. Heute hält sich die Konkurrenz in Basel in Grenzen. Die Felder sind
abgesteckt. Walch spielt die «Blockbuster», die Kultkinos spielen
Studiofilme und die Kinos der Firma Kitag spielen zwar vermehrt auch kleinere
Produktionen, konzentrieren sich aber wie Walch stark auf Filme aus Hollywood.
Im Gegensatz zu anderen Schweizer Städten werden in Basel die Filme auch
immer nur bei einem der Anbieter gezeigt, da die Kinobetreiber lieber ganz auf
den Film verzichten als ihn der Konkurrenz auszusetzen. Auch bei den Eintrittspreisen
herrscht kaum Wettbewerb. Bei den Sitzungen des Verbandes der Basler Lichtspieltheater
seien die Preise oft ein Thema, sagte der Vertreter eines Basler Kinos zur BaZ.
«Es ist logisch, dass man sich da vereinheitlicht», umschreibt er
die Absprachen. So stark wie früher sind die kartellistischen Züge des
Verbandes allerdings nicht mehr. Als das Kino «Eldorado» geplant wurde,
waren eigentlich zwei grosse Säle vorgesehen. Dies sei vom Verband verboten
worden, erzählt Manfred Thurow, bei der Firma Walch zuständig für
Programm und Werbung. Man habe darauf nur einen Saal und ein Café im Zwischengeschoss
gebaut. Weil dieses nicht vermietet werden konnte, wurde es später in einen
Kinosaal umgewandelt. Diese Notlösung merkt man dem kleinen «Eldorado
2» noch heute an. Selbstbeherrschung angebracht Die
Absprachen erleichtern es den Kinobetreibern, die Preise beliebig anzuheben, und
sie haben auch kein Problem, so Umsatz zu generieren. Die Kunden reagieren nämlich
kaum auf die Teuerung. Am ehesten spürten die Studiokinos Widerstand, sagt
Suzanne Schweizer. Baumgartner relativiert: «Wenn Sie am Wochenende bis
zu 300 Franken für Partys ausgeben, spielt der Preisunterschied von 15 oder
17 Fr. bei der Kinokarte keine Rolle mehr.» Heute gehört Basel
zu den teuersten Gebieten der Schweiz. Nur Zürich und Luzern kennen höhere
Durchschnittspreise. Pro Besucher erlösen dabei die Mainstream-Kinos in der
Steinenvorstadt die höchsten Billetteinnahmen (Walch: 15.18 Fr., Kitag: 15.06
Fr., kult.kino: 13.62 Fr., Royal: 14.70 Fr., Beispielszahlen der mittleren Juli-Woche).
Suzanne Schweizer warnt denn auch vor Exzessen: «Wir müssen langsam
aufpassen.» Die Preise seien heute eher am oberen Ende des Sinnvollen. Auch
Philipp Fink warnt davor, die Preise gemäss den bisherigen Erfahrungen leichtfertig
anzuheben. Heute scheinen die (günstigeren) Kinos im nahen Ausland noch keine
Konkurrenz zu sein. Dies könne sich aber ändern, vor allem, wenn im
Dezember der «Kinopalast» mit fünf Sälen im Weiler «Rhein
Center» eröffnet wird. Kino ist konjunkturresistent Noch
aber strömen die Leute in die Basler Kinos. Noch nicht einmal die Konjunktur
hinterlässt Spuren in den Verkäufen. «Die Kinos sind eher sogar
antizyklisch», sagt Suzanne Schweizer. In Krisenzeiten suchten die Leute
die Flucht aus dem Alltag. Auch am Kiosk wird nicht gespart. Bei den Walch-Kinos
sei keine Umsatzveränderung feststellbar, sagt Kiosk-Chefin Patricia Maleki.
Einzig das schöne Wetter macht den Kinos zu schaffen. In den Kultkinos sei
der Umsatz teilweise um bis zu 60% eingebrochen. Normalerweise kämen die
Zuschauer nach ein paar Sonnenwochen auch wieder zurück, sagt Schweizer.
Darauf warte man heuer aber noch immer. Projekte
in Basel Basel. hec. In Basel und Umgebung
gibt es drei grosse Multiplex-Projekte. Am weitesten vorgeschritten ist der «Kino-Palast»
im Weiler «Rhein-Center». Er wird im kommenden Herbst eröffnet
und umfasst fünf Säle. Das Projekt, das derzeit am meisten zu
reden gibt, ist das gemeinsame von Enrico Ceppi, der Firma Walch Kinobetriebe
und der französischen Kinokette Pathé. Das von Herzog & de Meuron
entworfene Kino mit etwa 10 Sälen soll auf der Heuwaage zu stehen kommen.
Da es auf öffentlichem Grund gebaut wird, musste das Projekt vom Grossen
Rat verabschiedet werden. Nun droht ein Referendum. Am fragwürdigsten
sind derzeit die Chancen des Kinoprojekts in Pratteln. Es sieht 14 Säle vor.
Ursprünglich hätten im Frühling 2002 die Bauarbeiten beginnen sollen.
Die im Vorkaufsvertrag vereinbarte Frist für die definitive Übernahme
des Geländes sei verstrichen, heisst es bei der Besitzerin Buss Immobilien
und Services AG. Sie hat das Gelände deshalb neu zum Verkauf ausgeschrieben.
Angeblich gibt es zahlreiche Kaufinteressierte. Wird der Bau nicht bis Ende Jahr
begonnen, erlischt die Baubewilligung für das Kino. Nachtrag,
Januar 2004: Im Dezember wurde nach einem emotional geführten Wahlkampf
über das Kinoprojekt abgestimmt. Eine Alianz aus Bürgerlichen Sparern
und Grünen Waldbefürwortern (sie wollten statt des Kinos einen Wald
anpflanzen) errang eine Mehrheit und bodigte das Multiplex-Projekt. Zwei Tage
danach reichte Ceppi ein Baugesuch ein für ein neues Multiplex-Projekt in
den Räumen der alten Komödie und des Kino Küchlin (es bleib erhalten)
ein. Es wird keine Abstimmung benötigen und ziemlich sicher verwirklicht
werden. |
Popcorn
lässt die Kasse klingeln Basel. hec.
Die Kinos sehen in der Öffentlichkeit vor allem potenzielles Publikum. Fragen
über den Geschäftsgang hingegen werden nur ungern beantwortet, Zahlen
kaum herausgegeben. Unsere Recherchen zeigen, wie die Kinos Geld verdienen. Von
den Billetteinnahmen gehen, wenn der Film neu ins Kino kommt, 50% an den Filmverleiher.
Nach ein paar Wochen senkt sich dieser Satz schrittweise auf 30 bis 35%. Jedes
Kino hat eine eigene «Staffel», die das Ausmass der Reduktion definiert.
Der Zeitpunkt, ab dem reduziert wird, wird bei jedem Film individuell ausgehandelt.
Dabei könne es durchaus vorkommen, dass ein Disney-Film acht Wochen lang
auf 50% bleibe, sagt Manfred Thurow vom Kinobetreiber Walch. Versuche,
die Preise zu erhöhen Die Sätze für diese Umsatzbeteiligung
liegen schon lange auf diesem Niveau. Zwar versuchen die Verleiher immer wieder,
den Startsatz für besonders viel versprechende Filme auf 55% zu erhöhen.
Sie sind damit aber immer gescheitert. Erst kürzlich habe der Verleiher UIP
versucht, in Deutschland den Film «Hulk» zu 55% zu vermieten, sagt
Thurow. Die grossen Kinoketten hätten aber gedroht, den Film gar nicht zu
zeigen, worauf UIP nachgegeben habe. Manchmal komme es auch vor, dass Verleiher
eine Mindestabgabe von einigen hundert Franken verlangten, sagt Suzanne Schweizer
von den «kult.kinos». Dies betreffe vor allem Filme, die nur wenige
Male an Spezialveranstaltungen gezeigt würden. Die
Pause als Gewinntreiber Weil die Kinobetreiber nur den halben Umsatzfranken
behalten können, spielen die Kioskverkäufe eine entscheidende Rolle.
Es heisst, die «Steinen-Kinos» würden bis zu 50% ihrer Einnahmen
aus den Verkäufen an der Bar erzielen. Patricia Maleki, bei den Walch-Kinos
für die Kioske verantwortlich, will diese Zahl zwar nicht bestätigen,
betont aber die Bedeutung des Kiosks. Zu den wichtigsten Produkten gehören
bei ihr nach wie vor Popcorn, Glace und Nachos. Als Renner hätten sich auch
die gerösteten Sonnenblumenkerne herausgestellt. Mit zwiespältigen
Gefühlen schauen die Studiokinos auf die grossen Kioskumsätze, die vor
allem in der Pause erzielt werden. Bei den «kult.kinos» gibt es nämlich
grundsätzlich keine Unterbrechung, im Kino «Royal» nur, wenn
der Film länger als zwei Stunden dauert. «Die Pause zerstört die
Einheit des Films», findet Royal-Programmierer Philipp Fink. Und Suzanne
Schweizer sagt, man werde erst über die Einführung einer Pause diskutieren,
wenn sich die Kinos in den roten Zahlen befänden. Ihre Kinos setzten denn
auch nur «zwischen null und drei Franken pro Kunde» mit Kioskverkäufen
um. Eine weitere Einnahmequelle stellt die Kinowerbung dar. Im Schnitt,
so Schätzungen aus der Branche, verdienen die Kinos pro Besucher zirka einen
Franken mit Werbefilmen. Weitere Einnahmequellen sind spezielle Werbeaktionen.
Filmsponsoren - ihre Produkte erscheinen als Product Placement in den Filmen -
legen oft Promotionsmaterial in den Kinos auf, für das der Kinobesitzer dann
extra bezahlt wird. Ein Problem dürfte dereinst der hohe Anteil an
Alkohol- und Tabakwerbung werden. Sollte die nämlich - wie heute schon in
Radio und Fernsehen - verboten werden, drohen Einnahmeausfälle. Wenigstens
beim Tabak ist ein generelles Werbeverbot das erklärte Ziel des Bundesamtes
für Gesundheit. Unklar ist vorerst, welche Chancen eine entsprechende Gesetzesänderung
vor dem Parlament hat. |
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