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© Basler Zeitung; 24.07.2010; Seite bazab2
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tageskommentar
Gefährliche Sicherheit

Michael Heim
  Kommentar zum Ergebnis der europäischen Banken-Stresstests
   

Im Vorfeld der Banken-Stresstests der EU wurde viel über die Frage diskutiert, ob die Ergebnisse offenzulegen seien oder nicht. Auch in der Schweiz wird darüber geredet. Bisher stellt sich die Finanzmarktaufsicht auf den Standpunkt, sie überwache die Banken und schreite dann ein, wenn es sein müsse. Details zu ihren Tests nennt sie nicht.

Dabei geht etwas anderes vergessen. Zwar ist es gut, dass mit den Stresstests eine neue Art der Analyse bei der Aufsicht von Banken Einzug gehalten hat. Gleichzeitig sollten wir uns wegen dieser Tests aber nicht blind in zu grosser Sicherheit wiegen. Klar, es ist beruhigend, wenn die Tests mithilfe von Simulationen aufzeigen, dass Banken gröbere Konjunktureinbrüche oder einen Crash etwa im Hypothekarmarkt überstehen würden. Auch kann es hilfreich sein zu wissen, welche Auswirkungen Zinsanstiege auf die Bilanz der Banken haben.

Die Tests geben aber immer nur über Ereignisse Auskunft, auf die sie ausgelegt sind. Jeder Ökonom weiss: Modelle sind so gut wie ihre Annahmen. Gerade die Finanzkrise aber hat gezeigt, dass Annahmen auch schnell über den Haufen geworfen werden können. Ein Stresstest vor der Finanzkrise hätte anders ausgesehen als einer danach. Denn erst durch die Krise wurden uns neue Risiken bewusst, welche die Banken auf sich genommen haben. Wer weiss, welches die nächsten Risiken sind, auf die wir nicht vorbereitet sind?

Stresstests sind eine gute Sache und gehören ins Risikomanagement jeder Bank oder Bankenaufsicht. Das Prädikat «bestanden» darf für die Bank jedoch keinen Freibrief für riskantes Verhalten darstellen.