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Quelle: Basler Zeitung
14.01.2004; Seite 13, Wirtschaft

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Kommentar
Die Player im Schweizer Markt

Schweizer Kreditkarten sind die teuersten

In Deutschland und in England werden Kreditkarten zuweilen gratis abgegeben. In der Schweiz kosten sie in der Regel über 100 Franken pro Jahr. Die Schweizer wollten eben Luxuskarten, sagen die Anbieter. Falsch, hierzulande fehle der Wettbewerb, entgegnen die Kritiker.

Basel. Gratis Mastercard von Denner, Visa ohne Jahresgebühr von Manor? Was hierzulande noch exotisch tönt, ist andernorts schon real. In Deutschland bei Karstadt und in England bei Marks & Spencer bekommt der Kunde statt der Kundenkarte gleich eine weltweit gültige Kreditkarte.

Von Michael Heim

Auch die Banken verlangen im Ausland weniger von ihren Kunden: In Italien bekommt man die Visa bei der Postbank für 23 Euro (rund 36 Fr.), der Anbieter CartaSi verlangt 21 Euro. In Österreich bezahlt man für Visa und Mastercard je 18,17 Euro pro Jahr (28.30 Fr.) und in Deutschland gibt es die Kreditkarte vielerorts - wie bei Karstadt - gar gratis. Insgesamt nennt die Internetseite www.metafinanzen.de 52 deutsche Angebote, die weniger als 50 Fr. kosten. Und die Briten kennen bei Kreditkarten grundsätzlich keine Jahresgebühren.

Vergleichbar dem schweizerischen ist das Angebot im Ausland dennoch: In all diesen Ländern bezahlt der Kunde während der normalen Zahlungsfrist keine Zinsen auf die Ausstände. Und in all diesen Ländern gibt es Bonusprogramme und andere Zusatzdienstleistungen. Wieso aber legen wir für die gleiche Karte so viel mehr auf den Tisch? Hierzulande wäre die Liste mit den Angeboten unter 50 Fr. sehr kurz.

Die stolzen Schweizer Preise begründet Urs Knapp, Swisscard-Mediensprecher, mit der «hohen Dienstleistungsqualität» der Kartenherausgeber. Beim Preisleistungsverhältnis könnten diese gut mit dem Ausland mithalten, meint er. Hohe Kartenlimiten, Zusatzdienstleistungen und eine weltweite Verfügbarkeit hätten halt ihren Preis.

Schweizer wollen Luxus

Andere Gründe nennt Karin Wüthrich von Konkurrentin Viseca: «Der deutsche Kartenmarkt ist mit dem schweizerischen nicht vergleichbar», sagt sie. So seien Kreditkarten dort weniger verbreitet. Die Anbieter stehen daher in einem stärkeren Wettbewerb um Neukunden und bieten deshalb ihre Kreditkarten günstiger an. Ein zweiter Grund finde sich in der Tatsache, dass Teilzahlung in Deutschland eine stärkere Verbreitung geniesse und deshalb mehr Rechnungen in Raten abgezahlt werden. «Die so entstehenden Zinserträge bilden eine wesentliche Einnahmequelle, wodurch die Jahresgebühren tiefer gehalten werden», so Wüthrich.

Knapp spricht zwar das hohe Dienstleistungsniveau der Schweizer Anbieter an, er glaubt aber nicht, dass es auch Leute gibt, die mit einem einfacheren Angebot zufrieden wären. Für ein billigeres Angebot bestehe schlicht «keine Nachfrage», meint Knapp. «Wenn es einen Markt dafür gäbe, würden wir es auch anbieten», sagt er.

Andere Stimmen sehen aber weniger in der Nachfrage als im Angebot das Problem. Der Wettbewerb zwischen den Kartenherausgebern ist ein zahmer - für Visa und Mastercard gibt es vier Anbieter (siehe Kasten), die Preise sind beinahe identisch. Bruno Keller von der schweizerischen Wettbewerbskommission (Weko) bestätigt denn auch gegenüber der BaZ, dass derzeit die Marktverhältnisse im Bereich der Kreditkartenherausgabe untersucht würden. «Tatsächlich haben sich in den letzten Monaten zahlreiche Konsumenten bei der Wettbewerbskommission über die Konditionen der Kartenherausgeber beschwert», so Keller. Gleichzeitig untersucht die Weko, ob Visa und Mastercard unerlaubterweise Gebühren («Interchange Fees») gemeinsam festgesetzt haben.

Im Ausland tut sich was

Im Gegensatz zur Schweiz, wo die Kreditkarten noch immer fast nur über Banken vertrieben werden, steigt im Ausland immer mehr der Detailhandel ins Kartengeschäft ein. Der Vorteil: Viele Händler betreiben schon heute Kundenkarten, verfügen also über einen direkten Draht zu den potenziellen Abnehmern einer Kreditkarte.

Als die englische Kette Marks & Spencer ihren Kunden anbot, von der normalen Kundenkarte zur kostenlosen «&more»-Karte mit Mastercard-Funktion zu wechseln, haben 97% der Kunden dieses Angebot angenommen, wie eine Studie von PricewaterhouseCoopers (PWC) aufzeigt. PWC sagt eine grössere Veränderung des britischen Markts voraus, wenn andere Händler diesem Vorbild folgen. Auch in der Schweiz könnte ein solcher Wandel für frischen Wind im Markt sorgen. Bisher gibt es aber noch keinen Detailhändler mit einer eigenen Kreditkarte. Indirekt sind Coop und Migros über ihre Banken im Kreditkartengeschäft tätig. Beide vertreiben aber die Karten der Viseca, und diese schreibt den Banken auch die Jahresgebühr vor.

Konkurrenz durch Detailhändler?

Die Kundenkarten aber erfreuen sich grosser Beliebtheit. Wenn es nach Daniel Zimmermann, CEO der myOne Services AG mit Sitz in Basel, geht, sollen sie dereinst zu einer inländischen Konkurrenz der internationalen Kreditkarten werden. Die myOne Card - sie ist aus der Manor-Kundenkarte entstanden - will er zu einer händlerübergreifenden Kreditkarte ausbauen.

«Der Markt für Kundenkarten ist gesättigt», sagt er. Es mache keinen Sinn mehr, dass jeder sein eigenes Kartenprogramm betreibe. «Wir sind mit einigen grösseren Partnern in Verhandlungen. Resultate werden sich wohl bald sehen lassen.» Ob Manor dereinst eine eigene Kreditkarte herausgibt steht noch in den Sternen. Zurzeit sei dies, so Zimmermann, nicht geplant.

Kommentar

Ein Hunderter ist zu viel!

Bekommen wir für unsere 100 Franken wirklich so viel mehr geboten als unsere deutschen Nachbarn für ihre 25 Euro? Nein. Der Service sieht überall etwa gleich aus. Auch das Argument der höheren Schweizer Löhne gilt nur bedingt. So viel mehr verdienen wir nun auch wieder nicht.

Dass eine Visa-Karte schweizweit 100 Franken kostet, ist vielmehr auf den mangelnden Wettbewerb zurückzuführen. Stünden die Schweizer Banken mit den deutschen in Konkurrenz, würden die Preise schnell purzeln. So aber tut keiner dem anderen weh. Es ist kein Zufall, dass die Wettbewerbskommission immer wieder im Kreditkarten-Umfeld ermittelt.

Die Kartenanbieter verdienen auch so genug. Bei jedem Einkauf werden den Läden etwa zwei Prozent Kommission verrechnet. Einkäufe im Ausland bezahlen wir zusätzlich mit Devisentausch-Gebühren und die Zinsen für Ratenzahlungen sind mit bis zu 15% auch nicht gerade tief.

Es ist an der Zeit, dass auch in der Schweiz eine Bank oder ein Grossverteiler eine günstige Karte anbietet. Heute bleibt uns nichts anderes übrig, als den «Hunderter» zu bezahlen - oder zu verzichten.

Michael Heim


Die Player im Schweizer Markt

hec. In den letzten Jahren hat sich der Kreditkartenmarkt in der Schweiz verändert. Früher hatte jede Marke (Visa, Mastercard, American Express...) eine Tochtergesellschaft in der Schweiz. Heute gibt es eigenständige Schweizer Gesellschaften, welche das «Issuing» - die Herausgabe der Karten - in Lizenz betreiben und die jeweils mit mehreren Marken zusammenarbeiten. Wo sich früher die Marken konkurrenzierten, stehen heute mehr die Herausgeber in gegenseitigem Wettbewerb. Es sind das UBS Card Center, die Swisscard (eine Tochter von Credit Suisse und American Express), die Cornèr Bank und die Viseca (sie ist im Besitz diverser Banken). Diners Club vertreibt nur die eigene Karte und hat einen Marktanteil von etwa 1,5 Prozent.

Daneben gibt es Firmen, welche sich auf die Akquirierung der Handelspartner konzentrieren. Sie versuchen, das Akzeptanzstellennetz der jeweiligen Marke zu erweitern, und erstellen die Abrechnungen der Einkäufe. Von den Händlern bekommen sie eine Kommission von zwischen 1,5 und 3%. Diese Gebühreneinnahmen teilen sich die Akquirierer und die Herausgeber.