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© Basler Zeitung; 13.01.2011; Seite bazab13
Wirtschaft

Bits und Bytes statt Silberscheiben
Neue Fernsehgeräte beziehen Filme übers Internet und machen die DVD überflüssig

Michael Heim
Dieses Jahr könnte dem digitalen Vertrieb von Film- und Fernsehinhalten zum Durchbruch verhelfen. Nun lanciert auch das Telekom-Unternehmen Orange eine eigene Medienplattform.

Die simplen Zeiten sind vorbei. Früher kam das Fernsehen durch die Luft und Filme liefen im Kino. Später löste das Kabel die Luft ab und Filme wurden auf Kassetten und DVDs vertrieben. Eigentlich bis heute.

Doch der Markt für Filme und Fernsehsendungen wird durchgeschüttelt. Die Kabelnetzbetreiber rüsten mit Digitalangeboten auf und werden dabei vom Internetfernsehen der Swisscom konkurrenziert. Im Web strahlen Internetseiten wie «Zattoo» oder «Wilmaa» Fernsehsendungen live aus und Kinoplattformen wie «Cineman» bieten gegen Gebühr Spielfilme an. Auch der Elektronikhersteller Apple versucht sein Glück noch einmal mit «Apple TV», nachdem er in einem ersten Anlauf hierzulande wenig Erfolg hatte.

Gestern nun kündigte die Mobilnetz-Betreiberin Orange ein weiteres Angebot für die Schweiz an. Über ein ans Internet angeschlossenes Gerät – der Anbieter spielt dabei keine Rolle – kann der Kunde Filme und Fernsehsendungen online abrufen. Die Grundgebühr von «Orange CineHome» enthält eine Auswahl von Filmen und Serien des Studios Warner Brothers und Sendungen des Schweizer Fernsehens. Andere Inhalte kosten zusätzlich.

Noch ist der Direktvertrieb von Filmen ohne physische Datenträger für die Studios ein kleines Geschäft. Im Vergleich zum DVD-Business mit einem Schweizer Jahresumsatz von dreihundert Millionen Franken sei Video on Demand (VoD), wie der Online-Vertrieb genannt wird, noch eine Nische, sagt Roland Wiederkehr, Verkaufsleiter bei Warner Brothers Schweiz. Er schätzt den Umsatz auf zwanzig Millionen Franken. Derzeit seien es noch fast ausschliesslich Technologiefans, sogenannte «early Adopters», welche die neuen Angebote nutzen.

Neue Fernseher. Doch Wiederkehr rechnet mit starken Wachstumsraten. Ein Grund dafür sei auch die neue Generation von Fernsehgeräten. Diese sind meist für einen direkten Anschluss ans Internet ausgerüstet und erlauben den Bezug von Filmen über vorinstallierte VoD-Portale.

Ein Zulieferer für solche Portale ist die Schweizer Firma Acetrax. Sie bereitet Inhalte für sieben europäische Länder auf und hat Verträge mit den Herstellern Samsung, Panasonic und LG. Derzeit seien über die Acetrax-Plattform 2000 Filme im Angebot, sagt Finanzchef Walter Jucker. Zum Umsatz macht er nur grobe Angaben – die Firma hat private Aktionäre. Für 2010 rechnet Jucker mit einer Zahl im «siebenstelligen Bereich», etwa 22 000 registrierte Nutzer habe Acetrax.

Für die Fernsehhersteller könnte das integrierte VoD zu einem guten Geschäft werden, denn erstmals verdienen sie an den ausgestrahlten Inhalten mit. Seine Verträge sehen einen «Revenue Share» vor, sagt Jucker. Die Produzenten bekommen Provision.

«DVD ist tot.» Klar ist schon heute: Die neuen Umsätze werden dem Vertrieb von DVDs zusetzen. «DVD und Video sind tot», sagt Jucker und auch der Warner-Vertriebschef rechnet mit einer Verdrängung. Noch finde diese hierzulande nicht statt, sagt Wiederkehr, denn Video on Demand aktiviere neue Zielgruppen. Doch in den USA sei eine Kannibalisierung der DVD-Umsätze zu beobachten .

Anders als die Musikindustrie rechnen die Filmstudios aber damit, dass Downloads ihre Gewinne nicht beeinträchtigen werden. «Unser Ziel ist es, mit den neuen Umsätzen den Rückgang bei den DVDs zu kompensieren», sagt Wiederkehr. «Wenn das klappt, verdienen wir aufgrund der wegfallenden Vertriebskosten sogar mehr.» Im Moment sehe es danach aus, dass diese Rechnung aufgehen könnte.