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Basler Zeitung; 08.01.2011; Seite bazab17
Wirtschaft

Die Basler Kinos suchen ihr Publikum
Mit Kampfpreisen wollen sie gegenüber den deutschen Kinos wieder Boden gutmachen

Michael Heim
Die Schweizer Kinos haben 2010 etwa drei Prozent weniger Eintritte verbucht als im Vorjahr. Mit einem Minus von fünf Prozent fällt der Standort Basel erneut ab.

Er war der Film des Jahres, auch wenn er noch 2009 gestartet ist: Mit bis heute 1,2 Millionen verkauften Billetts dürfte James Camerons «Avatar» so manchem Kinobetreiber das Geschäft gerettet haben. Damit hat das 3-D-Spektakel in der Schweizer Allzeit-Hitparade den zweiten Rang hinter «Titanic» erobert – auch das übrigens ein Film von Cameron.

Erste Zahlen des Branchenverbandes Pro Cinema zeigen, dass 2010 ingesamt etwas weniger Leute die Schweizer Kinos besucht haben. Die grossen Veranstalter in den Schlüsselstädten haben ein halbes Prozent weniger Billette verkauft, sagt Pro-Cinema-Geschäftsführer René Gerber auf Anfrage der BaZ. Die Landkinos, deren Zahlen noch nicht vollständig ausgewertet sind, dürften sogar noch etwas tiefer liegen, da sie weniger von der starken Nachfrage nach 3-D-Vorführungen profitiert haben. Viele Landkinos sind noch nicht umgerüstet. Und so rechnet Gerber für die ganze Schweiz mit einem Rückgang von «zwischen drei und vier Prozent».

Höhere Preise. Die Umsätze in Franken hingegen stiegen in den Schlüsselstädten um gut zwei Prozent an. Die teureren 3-D-Vorstellungen liessen den durchschnittlichen Eintrittspreis von 15.05 Franken auf 15.49 Franken ansteigen.

Die Basler Kinos stehen im Schweizer Vergleich erneut schlecht da, auch wenn die Distanz dieses Jahr nicht ganz so gross ist. Pro Cinema weist ein Minus von 4,7 Prozent aus, 810 838 Karten wurden in den regulären Vorstellungen der Firmen Pathé, Kitag und Kultkino verkauft. Noch nicht erfasst sind Spezialkinos wie das Stadtkino und Open-Air-Kinos.

Der Kinoplatz Basel ist mittlerweile fest in der Hand der französischen Pathé-Gruppe (Kinos Küchlin, Eldorado, Plaza). Sie hat im vergangenen Jahr zwei Drittel aller Karten verkauft, wie der BaZ vorliegende Zahlen zeigen. Auf dem zweiten Rang liegen die Kultkinos (Camera, Atelier, Club) mit gut zwanzig Prozent und auf dem dritten Platz die Kitag (Capitol, Rex, Studio Central) mit rund zwölf Prozent.

Kultkino mit Verlust. Pathé-Geschäftsführer Brian Jones spricht von einem guten Geschäftsjahr, auch wenn man mit besseren Zahlen für den Schweizer Markt gerechnet habe. In Basel habe Pathé fünf Prozent mehr Besucher gehabt. Die Studiokinos der Kultkino AG verloren hingegen etwa sieben Prozent. Erstmals sei man unter 200 000 Eintritte gefallen, sagt Geschäftsführerin Romy Gysin. Im vergangenen Sommer mussten die Kultkinos mit dem Kino Movie gar einen Saal schliessen. Die Sparmassnahmen hätten dazu geführt, dass der Geschäftsabschluss «nicht ganz so rot» wurde.

Pathé-Chef Jones vermutet, dass der nun schon seit Jahren schlechtere Geschäftsgang in Basel in der deutschen Konkurrenz begründet ist. In Lörrach und Weil locken Kinos mit deutlich tieferen Preisen. «Verglichen mit ähnlich grossen Städten in der Schweiz haben die Basler Kinos klar weniger Zuschauer», sagt Jones. Er schätzt, dass sie 150 000 bis 250 000 Eintritte pro Jahr an Deutschland verlieren.

Die Basler Kinos versuchen derweil, den Abwanderungen mit Rabatten entgegenzuwirken. So werben die Kultkinos mit einem Studentenabonnement und Pathé verkauft Dreierpacks für neun Franken pro Eintritt (siehe Text "Vom AHV-Rabatt..."). Diese «Promo» gebe es bei Pathé nur in Basel, sagt Jones. «Wir wollen Kunden zurückgewinnen. Wenn das sinkende Durchschnittserträge bedeutet, nehmen wir das in Kauf.»

Noch aber steigen die Preise in Basel. 2010 verteuerte sich der durchschnittliche Eintritt um 20 Rappen auf 16 Franken. Auch bei Pathé, die den Normalpreis auf 19 Franken angehoben hat, sind die Preise gestiegen. Pathé profitiere überdurchschnittlich vom 3-D-Boom, sagt Jones. Fast ein Viertel der Karten seien für 3-D-Vorstellungen verkauft worden. Die Basler Konkurrenz von Pathé hat ihre Säle bisher erst zögerlich (Kitag) oder gar nicht (Kultkino) umgerüstet.

Die Kitag hat denn auch wieder deutlich an Umsatz verloren. Statistiken zeigen einen Rückgang von fast zwanzig Prozent. Bei der Zürcher Firma, an der auch die Swisscom beteiligt ist, war bis gestern keine Stellungnahme zu den Zahlen zu erhalten.