Basler Zeitung; 08.01.2011; Seite bazab17
Wirtschaft
Vom AHV-Rabatt bis zum Generalabonnement
Der Tarifdschungel der Kinos birgt teure Standardpreise und günstige Sonderangebote
Michael Heim
Seit dem Ende des Kinokartells mit seinen einheitlichen Preisen bieten die Kinos eine Vielzahl von Rabatten und Kundenkarten an. Der Vergleich lohnt sich, ist aber aufwendig.
Der Kinoeintritt ist teuer. 19 Franken kostet der Normaleintritt bei Pathé, 18 Franken bei der Kitag und 17 Franken in den Kultkinos. Das schenkt ein.
Doch der Kinobesuch wurde nicht nur teurer, sondern auch komplizierter. Die Tarifmodelle der Kinobetreiber können längst mit den Preisplänen der Mobilfunkanbieter oder den Tarifen der Fluggesellschaften mithalten.
Da gibt es Rabatte für Kinder, Jugendliche, AHV- und IV-Rentner oder für Arbeitslose. Es gibt Rabatte für Inhaber eines «Colour Key» (Pathé) oder für Kunden eines Pannendienstes (Pathé), Rabatte am Montag (Kitag, Kultkinos) und Rabatte am Dienstag – dies aber nur für Studenten (Kultkinos). Es gibt luxuriöse Plätze, bei denen das Cüpli inbegriffen ist (Pathé, Kultkinos) und es gibt die billigen Plätze direkt an der Leinwand für 13 Franken (Kitag).
Noch günstiger wird es für Kinogänger, die das Land verlassen: In Lörrach (Cineplex) und Weil (Filmpalast) kostet der Eintritt am Dienstag gerade mal 4.50 Euro. Beim heutigen Wechselkurs ein Schnäppchen. Die deutsche Synchronisierung gibts in der Regel gratis dazu, Originalton dagegen nicht.
Wer einen Film in dreidimensionaler Projektion (3-D) schauen will, bezahlt einen Aufpreis von zwei (Kitag) bis drei Franken (Pathé) und muss eine spezielle Brille erstehen. Die Masche mit dem Aufpreis für einzelne Filme ist übrigens nicht neu. Früher verlangten die Kinos ein paar Franken mehr für Filme mit «Überlänge».
Abos und Päckli. Nebst den verschiedenen Einzelpreisen locken Abos und Kundenkarten. Die Basler Studiokinos verkaufen das «Kultkino Abo» für 80 Franken. Seitdem es als Plastikkarte daherkommt, sind zusätzlich zehn Franken für die Karte fällig. Ein Multipack bietet seit Kurzem auch Pathé an: Drei Eintritte für 27 Franken, im Schnitt macht das neun Franken. Doch Vorsicht: die «Pathé Card» ist nur einen Monat lang gültig.
Kundenkarten. Grosse Verwirrung herrscht bei den Mitgliedschaften. Die Kitag hat im Herbst ihre «Cinecard» abgeschafft und bittet die Kundschaft zum Umstieg auf die «Carte Bleue» der Swisscom. Nebst einer einmaligen Gebühr (50 Franken) kostet diese Karte jährlich 20 Franken. Im Gegenzug gibts zur Begrüssung zwei Gratiseintritte und einen Rabatt auf den Normaltarif. Gemessen am Standardpreis lohnt sich die Karte ab vier Eintritten pro Jahr oder sieben Eintritten insgesamt. Etwas Ähnliches gab es mit dem «Ciné Club Pathé» bis vor Kurzem auch bei der gelben Konkurrenz. Im Dezember wurde dieser jedoch wieder abgeschafft. Man habe das Angebot «etwas bereinigen wollen», sagt Pathé-Chef Brian Jones.
Für Kinosüchtige bieten Pathé und Kultkino auch Generalabonnements für 420 Franken pro Jahr an. Diese rechnen sich – verglichen mit dem Normalpreis – ab jährlich gut zwanzig Kinobesuchen. Ein etwas ausgefallenes Angebot finden bei den Kultkinos zudem Studenten und Auszubildende: Das «Studi Abo» für 220 Franken ermöglicht einer Gruppe von bis zu fünf Studenten sechs kollektive Eintritte pro Jahr. Wer es, wie die Kinobetreiber, mit dem Runden nicht so genau nimmt, kommt auf einen Eintrittspreis von 7.30 Franken. Da soll noch einer sagen, der Kinobesuch sei teuer. |