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© Basler Zeitung; 25.07.2011; Seite bazab14
wirtschaft
Wenig Licht an der Solarstrombörse
Zum Stadtbasler Sonnenstrom-Förderinstrument gibt es nur dürftiges Datenmaterial
Von Michael Heim
Basel. Die Logistikerin Rhenus Alpina hat Grosses vor. Am Rheinhafen will sie mit einem Solardach Strom für 520 Haushalte produzieren (siehe BaZ vom Donnerstag). Möglich wird eine solche Investition dank Subventionen: Der Staat kauft den privaten Produzenten den Solarstrom zu kostendeckenden Preisen ab. Nach 25 Jahren ist die Anlage abgeschrieben und der Besitzer hat Aussicht auf einen Gewinn.
Eine Subventionsform ist die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) des Bundes. Weil es für eine Teilnahme an der KEV derzeit aber mehr Anträge als Subventionsgelder gibt, existieren beim Bund lange Wartelisten. Der Kanton Basel-Stadt, der sich als besonders ökologisch sieht, hat daher ein eigenes Solarstrom-Förderprogramm: Er kauft Solarstrom, der nicht vom Bund abgenommen wird, über die Basler Solarstrombörse an.
Die Förderung funktioniert bei Bund und Kanton gleich: Zur Finanzierung schlägt der Staat eine Zusatzabgabe auf jede normale, verkaufte Kilowattstunde Strom. Beim Bund beträgt diese KEV-Abgabe 0,45 Rappen – so ist das auch auf dem Tarifblatt der Industriellen Werke Basel (IWB) vermerkt. Damit finanziert er den Ankauf von Strom, der nicht zu kostendeckenden Preisen als Solarstrom verkauft werden kann.
Doch was bezahlt der Basler Stromkunde für die kantonale Solarförderung? Hier sucht man lange nach einer Deklaration. Bis auf einen Verweis darauf, dass so etwas wie eine «Solarstromabgabe KEV Basel» existiert, findet sich auf dem IWB-Tarifblatt keine Angabe.
Mehr Fragen als Antworten
Die Solarstrombörse, die immerhin schon mehr als zehn Jahre existiert, ist schlecht dokumentiert. Zwar verpflichtet die kantonale Verordnung über Solarstrom das Wirtschaftsdepartement (WSD), jährlich über den Ankauf des Solarstroms zu berichten. Faktisch aber beschränkt sich dieser Bericht auf ein paar Zeilen in der Energiestatistik des Kantons, die seit Jahren nur noch unregelmässig publiziert wird. Zu Umsatz und Gewinn gibt es gar keine Angaben. Auch im Jahresbericht der IWB, die den Solarstromhandel für den Kanton abwickeln, werden keine Zahlen genannt.
Auf Anfrage der BaZ legen die IWB ausgewählte Werte offen: So seien im vergangenen Jahr 2,85 GWh Strom über die Solarstrombörse gekauft worden. Bei einem geschätzten Preis von 61 Rappen pro Kilowattstunde resultiert daraus ein Förderbetrag von 1,74 Millionen Franken. Die genaue Summe fürs Kalenderjahr 2010 nennt IWB-Sprecher Erik Rummer nicht. Von Oktober 2009 bis September 2010 habe sie 1,76 Millionen Franken betragen, sagt er nur.
Erstmals sagen die IWB auch, wie viel die Basler Stromkunden für diese Förderung bezahlen müssen. Im Jahr 2009 habe der «Netzkostenzuschlag» für den Ankauf von Solarstrom 0,05 Rappen pro kWh betragen, im Jahr 2010 waren es 0,09 Rappen. Im vergangenen Jahr betrugen die Einnahmen aus dieser Abgabe gut 1,4 Millionen Franken. Die Kosten für einen Haushalt mit einem 4000-kWh-Verbrauch betrugen somit rund vier Franken.
Daneben erzielt die Solarstrombörse Einnahmen, indem die IWB Solarstrom zum Vollkostenpreis von rund 60 Rappen an ihre Kunden verkaufen. 2010 seien so 465 MWh abgesetzt worden, sagt Rummer.
Die Solarstrombörse hat weitere Einnahmen und Ausgaben. So zahlen die IWB als Netzbetreiber einen kleinen Beitrag für Solaranlagen ein, die vor 2006 gebaut wurden. Wie viel genau das 2010 war, kann IWB-Sprecher Rummer nicht sagen. 2009 lag der Betrag bei rund 100 000 Franken, ein Jahr zuvor war es mit einer halben Million noch deutlich mehr. Gleichzeitig bezahlt die Solarstrombörse für jede Kilowattstunde verkauften Solarstroms einen Rappen in den Ökoenergiefonds der IWB ein, mit dem Ökostromprojekte finanziert werden.
Nur wenige kaufen Solarstrom
Die Statistik zeigt: Der Basler Solarstrom ist recht teuer und trägt nur unwesentlich zum Solarstromverbrauch bei. Von den 1588 GWh Strom, die 2010 verbraucht wurden, stammten nur 0,18 Prozent aus der Solarstrombörse. Die Solarstrombörse kauft derzeit sechsmal so viel an wie das, was sie zum vollen Preis als Solarstrom verkaufen kann. Die IWB investieren selber denn auch kaum in Solarstrom, sondern erwerben Beteiligungen an Windkraftwerken, um den Anteil der erneuerbaren Energie im Strommix zu erhöhen.
Dass die Berichterstattung zur Solarstromförderung etwas zu rudimentär sein könnte, haben inzwischen auch die Behörden erkannt. Man arbeite an einer neuen Energiestatistik, sagt Jürg Hofer, Chef des Amts für Umwelt und Energie. Kommendes Jahr solle diese zum ersten Mal zusammen mit dem Kanton Basel-Landschaft publiziert werden. Und IWB-Sprecher Rummer räumt ein: «Die Solarstrombörse verträgt sicher noch etwas mehr Transparenz.» Man sei daran, das Tarifblatt zu überarbeiten.
Fast schon symptomatisch ist, dass eine der wenigen Zahlen zur Solarstrombörse im Geschäftsbericht 2010 der IWB falsch ist. Die dort ausgewiesene Menge an angekauftem Solarstrom ist um neun Prozent zu tief geraten. |