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© Basler Zeitung; 29.06.2011 wirtschaft

Teuer, aber lukrativ
Für Investoren lohnt sich Solarstrom – dank staatlicher Unterstützung

Von Michael Heim

Basel. Hans-Ulrich Stauffer steht auf dem Dach eines Hauses an der Güterstrasse und blickt aufs Hinterhaus hinunter. Die von ihm geführte Pensionskasse Abendrot hat auf den beiden Gebäuden eine Solarstrom-Anlage gebaut. Stauffer ist stolz. Und zufrieden. Denn die Anlage dürfte eines der besten Investments seiner Pensionskasse werden. «Das ist doch verreckt!», sagt er. «Wir haben eine Nettorendite von fünf Prozent. Wo kriegen wir das denn sonst?»

Die drei Solarstromanlagen sollen jährlich 80 000 Kilowattstunden Strom produzieren – genug für zwanzig durchschnittliche Haushalte. 515 000 Franken hat die Anlagestiftung investiert, über 25 Jahre soll die Anlage amortisiert werden und dabei Renditen zwischen 5,0 und 5,7 Prozent abwerfen, wie Stauffer vorrechnet.

Speziell ist die Anlage auf dem Hinterhaus. Erstmals in der Region wurde hier ein Dach komplett mit Photovoltaik-Panels gedeckt. Es gibt keine Ziegel mehr, den Wetterschutz übernehmen die dunkelgrau schimmernden Solarzellen. Das freut Architektin Barbara Buser, weil das Dach so ästhetischer sei.

Die Integration dient auch der Rendite. Denn obwohl die Solarpanels in Massarbeit hergestellt werden mussten, sprächen die Kosten für ein integriertes Dach, sagt Stauffer. Zwar habe man einen Minderertrag, weil die beiden Seiten des Dachs eigentlich nicht optimal zur Sonne ausgerichtet sind – sie zeigen nach Osten und Westen. «Aber wir sparen 122 000 Franken, weil wir darunter kein Dach bauen mussten.» Diese Ersparnis sei Teil der Rendite.

Stichwort Einspeisevergütung

Ein schönes Dach, sauberer Strom und dann auch noch eine sichere Rendite. Wie funktioniert das? Die Lösung heisst kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) – oder schlicht: Subvention. Abendrot kann den Strom nämlich für gut 60 Rappen pro Kilowattstunde an den Kanton Basel-Stadt verkaufen. Das ist etwa fünf Mal so viel wie ein Kleinkunde für normalen Strom bezahlt. Und noch immer vier Mal so viel wie das, was vom Staat für Windstrom bezahlt wird, der etwa an der Atlantikküste hergestellt wird. Solarstrom ist teuer.

Käuferin des Stroms ist die Basler Solarstrombörse. Diese verkauft den Strom unter anderem an Kunden der Industriellen Werke Basel (IWB) weiter, die bereit sind, 50 Rappen mehr als den normalen Preis zu bezahlen.

Oft aber muss dieser Strom subventioniert werden. In einem begrenzten Umfang tut das der Bund über seine KEV, die von einer Abgabe auf dem Strompreis (0,45 Rappen pro kWh) finanziert wird. Meist ist in Basel aber der Kanton Abnehmer des Stroms. Immer dann, wenn es keine KEV vom Bund gibt – so regelt es das grosszügige Gesetz. Der Kanton Basel-Stadt zieht daher zusätzliche Förderabgaben ein.

Von Fördergeldern lebt auch die Firma Adev mit Sitz in Liestal, die schweizweit rund vierzig Photovoltaik-Anlagen betreibt. Anders als Abendrot nutzt sie nicht eigene Liegenschaften, sondern sie pachtet im Rahmen eines «Contractings» geeignete Standorte. Diesen Frühling wurde auf dem Hauptsitz der Bank Coop am Aeschenplatz eine solche Anlage eingeweiht. Dabei finanziert und betreibt Adev die Solarmodule, die Bank erhält lediglich eine einmalige Vergütung sowie die Aussicht, nach Ablauf der Vertragszeit von 25 Jahren Eigentümerin der Anlage zu werden und diese noch ein paar Jahre weiter nutzen zu können.

Die Bank selber hätte keine Anlage gebaut, sagt deren Nachhaltigkeits-Beauftragter Hansjörg Ruf. «Das ist eine grosse Fläche und der Ertrag ist eher gering», erklärt er. «Mit dem gleichen Kapital können wir woanders mehr erreichen.» Interesse hatte die Adev. Und ihr kauft die Bank den Solarstrom am Ende wieder ab – über die IWB.

Abhängig von Unterstützung

Dächer zu finden sei nicht so schwer, sagt Adev-Projektleiter Heinrich Studer. Zumindest nicht anfänglich. Wenn dann die Hausbesitzer sehen, dass sie sich verpflichten müssen, das Dach während 25 Jahren zur Verfügung zu stellen, nehme die Begeisterung aber meist ab. Klar ist aber auch: Ohne Einspeisevergütung gibt es keine Solardächer. Das grösste Hindernis sei die Begrenzung der KEV, sagt Studer.

Und so ist der Ausbau der Solarenergie noch immer von Unterstützung abhängig. Zunehmend weniger, immerhin. Denn die Kosten für Solarzellen sinken und mit ihnen die KEV. Doch von den Herstellungskosten in amortisierten Wasser- oder Atomkraftwerken von wenigen Rappen pro Kilowattstunde sind Solaranlagen noch weit entfernt.