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Quelle: Basler Zeitung
07.5.2004, Seite 19 , Wirtschaft

Unser Bier «übernimmt» Regierung

An der Generalversammlung der Brauerei Unser Bier kündigte Regierungsrat Ralph Lewin an, seinem Kollegen Jörg Schild eine Bier-Aktie zu schenken. Damit sitzt die Mehrheit der Regierung im Aktionariat.


Realdividende. Die 730 Besucher der Unser-Bier-GV liessen sich 1240 Liter Bier ausschenken. Foto hec

Basel. Wer Herren in dunklen Anzügen und Krawatten sehen will, muss an der Generalversammlung der Brauerei Unser Bier lange suchen. Die GV ähnelt mehr einem Volksfest als einer Veranstaltung von Kapitalisten. Und dennoch, die meisten dürften am Mittwoch wegen der Dividende aufs Gundeldinger Feld gekommen sein.

Von Michael Heim

Diese kann die Brauerei aus ihren flüssigen Mitteln ausschütten. Die 730 Aktionäre und Gäste konsumierten nämlich 1240 Liter Bier auf Rechnung des Hauses, sagt Geschäftsführer Istvan Akos. Bewertet man diese durchschnittlich 5,7 «Stangen» Bier mit einem Beizenpreis von 4 Fr., so resultiert bei einem momentanen Aktienpreis von 285 Fr. eine (Natural-)Dividendenrendite von lukrativen 8%.

«Bitte kommen Sie nach vorne, es wird während der Statements kein Bier mehr ausgeschenkt.» Mit diesen Worten lockt Verwaltungsratspräsident Hans Ulrich Stauffer die Aktionäre weg vom Zapfhahn hin zum Podium. Denn es gilt, das vergangene Jahr zu resümieren. Und dieses hätte besser ausfallen können. Unter dem Strich resultiert ein Verlust von 38 000 Fr. Während das helle Bier leicht zulegen konnte, sank der Absatz beim dunkleren «Amber». Grund dafür sei, das viele Leute Hemmungen hätten, ein «Dunkles» zu bestellen.

Verlust wegen Wetter und FCB

Für das enttäuschende Ergebnis macht Istvan Akos auch das schöne Wetter verantwortlich. Denn der Sommer war so heiss, dass die Leute zwar Durst gehabt haben, diesen aber lieber mit Wasser stillten. Auch beliefere Unser Bier vor allem Restaurants ohne Garten, die vom schönen Wetter ebenfalls nicht profitieren können.

«Es ist zwar unfair, anderen die Schuld zuzuschieben», fährt Akos fort. «Aber letztes Jahr ist der FCB nicht Meister geworden.» Deshalb konnte die Brauerei kein Meisterbier verkaufen, und dieses habe im Jahr zuvor einige zehntausend Franken in die Kassen gespült. «Das neue Meisterbier ist aber schon lanciert», beruhigt Akos.

Für Lacher sorgen Seitenhiebe auf die Kleinbasler Brauerei Fischerstube. Genüsslich liest Akos aus einem Bericht des Magazins «Salz und Pfeffer» vor, in dem das Ueli-Bier als «proletarische Alternative zum trendigen Unser Bier» bezeichnet wird. Akos lässt es sich aber nicht nehmen, der anwesenden Geschäftsführerin der Fischerstube, Anita Treml, zum Erfolg mit dem Bier «Tut Anch Ueli» zu gratulieren.

«Unser Bier ist auch mein Bier», sagt Regierungsrat Ralph Lewin und macht sich seine Gedanken zu Wirtschaft. «Wo macht es schon so viel Freude, etwas zu besitzen, wie hier? Meine Combinos? Mein Flughafen? Meine Poststellen? Nirgends kommt so viel Freude auf.» Lewin warnt, man müsse aufpassen, dass einem «dieses Ueli-Tut-Anch-Amun» nicht noch einen Strich durch die Rechnung mache. Eines stört ihn besonders am Ueli-Bier: «Wo steht denn geschrieben, dass nur mein Finanzministerkollege Anrecht auf ein eigenes Bier hat?»

«Schon drei Basler Regierungsräte sind Aktionäre unserer Brauerei», verkündet Geschäftsführer Akos stolz. «Wenn noch einer mehr einsteigt, haben wir die Mehrheit in der Regierung.» Er bittet deshalb Lewin, einem der verbleibenden Kollegen (Vischer, Tschudi und Schild) eine Aktie zu schenken. Dieser entscheidet sich für Jörg Schild.

Die Kriegskasse ausbauen

Mit vielen Sprüchen und weiteren Seitenhieben (Akos: «Zwai Komma vier, das isch doch kai Bier!») führt Istvan Akos zur Freude der Anwesenden durch die GV, die nur sporadisch durch Formalien unterbrochen wird. So beantragt der Verwaltungsrat eine bedingte Kapitalerhöhung um 1000 Aktien. Beim heutigen Kurs würden somit zusätzlich 285 000 Fr. zur Verfügung stehen, die man hauptsächlich in Restaurationsbetriebe investieren werde. Heute sei es üblich, dass die Brauereien den Beizen Schankanlagen zur Verfügung stellten oder gar zinslose Darlehen gewährten, sagt Präsident Stauffer. «Wir wären froh, wenn wir da etwas Geld in der Kriegskasse hätten.»

Bei der Präsentation der neuen Produkte stieg die Aufmerksamkeit in der Halle. Nebst einem «Six-Pack» gibt es neu das schwarze Bier «Pech Schwarz» («wie Guinness, nur besser»), ein Meisterbier und das Biermutschli - ein mit Bier behandelter Käse. Die 180 Laibe, die im Anschluss feilgeboten werden, sind im Nu verkauft.

Mit dem Ende der Vorträge ist die GV noch lange nicht abgeschlossen. Denn Zuhören macht durstig und kostenloses Bier ist noch immer die schönste Rendite. So geniessen die Aktionäre denn noch bis um Mitternacht die Ergüsse ihres Kapitals.