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Quelle: Basler Zeitung
24.12.2004; Seite 19

Staatliche Börsenspekulanten
Gelder der Basler Pensionskasse waren schlecht verwaltet, urteilt Experte Heinz Zimmermann

MICHAEL HEIM

Der Finanzmarktexperte Heinz Zimmermann kritisiert in seinem Bericht zur Untersuchung über die Pensionskasse des Basler Staatspersonals die zuständigen Stellen scharf.

«Alarmierend», «besorgniserregend», «unprofessionell», «unzulässig». Professor Heinz Zimmermann geht in seiner Analyse zum am Mittwoch vorgelegten Bericht der Parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) über die Pensionskasse des Basler Staatspersonals (PKBS) mit den zuständigen Stellen hart ins Gericht. Zimmermann ist Finanzmarktexperte an der Universität Basel.

Die Vorwürfe: Der Vermögensverwaltung seien mangelhafte Vorgaben gemacht worden, es habe keine Risikokontrolle bestanden, die Anlagen seien zu spekulativ gewesen, und es hätten immense Klumpenrisiken bestanden.

Nebst börsenbedingter Anlageverluste ist es laut PUK-Bericht auch zu Unregelmässigkeiten beim Verbuchen einzelner Transaktionen gekommen. Die Finanzverwaltung (Fiwa) arbeitete nicht nur mit den Geldern der PKBS, sondern auch mit denen anderer Betriebe, Fonds und Stiftungen. Dabei spekulierte sie auch extrem kurzfristig an der Börse. Als Beispiel nennt der PUK-Bericht ein Geschäft mit Swatch-Aktien im März 2001.

Spekulation. Für 4,3 Millionen Franken wurden Titel gekauft und gleichentags wieder zu einem höheren Kurs abgestossen. Es resultierte ein Gewinn von 170 000 Franken, die der kantonseigenen Firma Rimas AG gutgeschrieben wurden. Mit ihren Eigenmitteln von 872 000 Franken hätte die Rimas diesen Deal aber gar nicht finanzieren können. Der Handel wurde deshalb über Konten der PKBS abgewickelt, die Aktien gleich nach dem Kauf umgebucht. Selbst die Spesen wurden der Pensionskasse belastet.

Bei mehreren Börsengängen (IPOs) scheint die PKBS systematisch zu Gunsten kleinerer Firmen benachteiligt worden zu sein. Seit 1996 hatte die Fiwa bei 15 Börsengängen investiert und damit einen Gewinn von 48,7 Millionen Franken erzielt. Verteilt wurde das Geld auf fragwürdige Weise. So erhielt die Rimas AG im Jahr 2000 sechs Prozent der IPO-Gewinne, obwohl sie nur 0,008 Prozent des Kapitals gestellt hatte. Auch der Jubiläumsfonds des Gymnasiums am Münsterplatz (ehemals HG) profitierte von solchen Ausschüttungen.

Unter Berücksichtigung dieser Tatsache seien der Pensionskasse im Jahr 2000 2,5 Millionen Franken aus den Börsengängen von Actelion und Jomed entgangen, heisst es im Bericht. Diese Unregelmässigkeiten sollen gemäss Antrag der PUK strafrechtlich untersucht werden.

Nur ein Mann. Verwaltet wurden die Gelder in der Fiwa teilweise von nur gerade einem Portfoliomanager. Im März 2000 forderte der externe Berater PPCmetrics erstmals einen zweiten Manager. Im Mai 2001 warnte zudem Wilhelm Hansen aus der Anlagekommission, der Personalmangel berge ein «enormes Risiko».

Der Chef der Fiwa, Urs Müller, habe aber den Ausbau des Portfoliomanagements «aktiv verhindert», schreibt die PUK. In einem Kommentar zur Forderung der PPCmetrics meinte er, ein weiterer Mitarbeiter bringe «nichts (ausser Kosten)». Zudem sei im Büro der Finanzverwaltung kein Platz für einen zweiten Mann.

Dabei ging es um grosse Beträge: Alleine die Unterdeckung der Pensionskasse - das fehlende Kapital - betrug zeitweise über zwei Milliarden Franken (2002: 2,26 Mrd. Fr.). Bei einem Deckungsgrad von 72 Prozent dürfte das Vermögen also noch immer rund acht Milliarden betragen haben.

Und mit denen wurde spekuliert. 1999 wurde der Aktienanteil des Portfolios auf 45 Prozent erhöht. Diese Wertschriften waren so volatil, dass die Wertschwankungen des ganzen Depots grösser waren, als die eines am Index orientierten Schweizer Aktienfonds.

Die Fiwa investierte nicht nur in spekulative Titel. Die in Aktien investierten Gelder konzentrierten sich oft auf wenige Werte. Im Februar 2002 vereinten alleine Roche, Novartis und Credit Suisse 50 Prozent der Schweizer Aktienanlagen auf sich.

Investitionen wurden auch gross in Optionen getätigt. Laut Protokoll der Anlagekommission wurde dabei im Herbst 1998 festgestellt, dass der «Portfoliowert wegen der Derivate schwer zu berechnen» sei. Dazu Zimmermann: «Aussagen wie diese sind äusserst bedenklich und verbieten eigentlich den Einsatz der Instrumente.»

«Rätselhaft». Ein Portfoliomanager sagte in einer Befragung durch die PUK, die Pensionskasse habe zwischen 1992 und 2002 eine Strategie absoluter Gewinne («absolute Return») verfolgt. Diese Aussage widerspreche aber sämtlichen Unterlagen und Protokollen, schreibt Zimmermann. Nicht an einer einzigen Stelle sei darin von einem absoluten Renditeziel die Rede gewesen. «Wie ein Portfoliomanager zu einer solchen Aussage kommt, ist rätselhaft und wirft ein bedenkliches Licht auf die Risikokultur innerhalb der Fiwa.» Der Professor spricht von einer «markanten Selbstüberschätzung der Portfoliomanager».