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Quelle: Basler Zeitung
24.12.2004;
Seite 19
Klein, unscharf und unterbelichtet
Vom schnellen Ende des Traums, ein grosser Hollywood-Star zu werden

Die beiden Statisten Christoph und Tanja Widmer (hinten rechts) beim Dreh mit
Viktor Giaccobo (vorne)
Michael Heim (Text und Fotos)
Wenn Viktor Giaccobo ruft, kommen die Statisten.
Die baz hat ein Paar aus Frenkendorf zum Filmdreh nach Italien begleitet.
«Attenzione! Siamo pronti per girare!», ruft die Regieassistentin über
den Platz. Ton? Läuft! Klappe.
Konzentriert beobachtet Regisseurin Sabine Boss die Szene. Ein junger Mann
fährt auf einer Vespa über den Platz vor dem Hotel Villa Domizia.
Die Kamera schwenkt mit und filmt die Bar. «Aus!», ruft Boss. «Cut!»,
befiehlt die Assistentin. «Sehr schön. Aber das machen wir noch
einmal.»
Gedreht wird in Orbetello, einem malerischen Ort in der Toscana. Hier entsteht
ein Teil des neuen Films von und mit Viktor Giaccobo. In «Undercover» spielt
er einen Fahnder, der verdeckt in Italien ermittelt.

Neben Giaccobo und den Jungschauspielern Anna Schinz und David Pietroni haben
heute sechs Personen einen Auftritt, die noch nie vor einer Kamera standen.
Sie haben in einem Wettbewerb des «Blick» eine Statistenrolle gewonnen.
Gespannt beobachten sie das Geschehen auf dem Set.
Auf Ferien verzichtet. An der Hotelbar, vor Papp-Marmor und Plastik-Efeu,
sitzen auch Tanja und Christoph Widmer aus Frenkendorf. Um sich den Traum vom
Film zu erfüllen, haben sie sogar auf ihre Feien in Montreux verzichtet.
Dass sie ausgesucht wurden, wissen sie erst seit ein paar Tagen. Dabei hatte
Christoph seine Frau noch nicht einmal gefragt, als er die Bewerbung einschickte. «Ich
sah den Wettbewerb und hatte zum Glück gerade zwei Fotos zu Hand»,
sagt er.
Der Film ist für sie ein Ausflug in eine andere Welt. «Wir haben
zwar nur eine kleine Statistenrolle», sagt Tanja. «Aber immerhin
hat man uns eingeflogen.»
Auftritt Kellner. Der Dreh geht weiter.
Statist Valentin Kälin hat als
einziger eine etwas grössere Rolle. Er darf einen Kellner mimen. Auch
Valentin sagt nichts, wie die anderen wird man ihn im fertigen Film kaum erkennen.
Nun aber blicken alle auf ihn. Er soll im Hintergrund durch die Szene laufen,
doch schon zwei Mal hat das Timing nicht geklappt. «Das machen wir noch
einmal. Facciamo un'altra!» ruft Regisseurin Boss. Das wird sie noch
oft sagen.

Valentin Kälin als Kellner
Rund dreissig Leute stehen am Drehort. Für Schweizer Verhältnisse
ist «Undercover» eine mittelgrosse Produktion: 3,8 Millionen Franken
kostet der Film, 40 Prozent davon stammen aus der Filmförderung. Mit 10
Prozent wird auch das Sponsoring immer wichtiger. So zahlt eine Airline die
Flüge nach Rom. Im Gegenzug dazu blättern Tanja und Christoph in
einem Prospekt der Gesellschaft.
Viel mehr haben sie auch nicht zu tun. «Man hat uns gebeten, das verliebte
Paar zu spielen», sagt Tanja. Und Christoph ergänzt: «Ich
glaube, ich habe schon lange nicht mehr so lange so verliebt geschaut.» Ob
es die Zuschauer merken werden?
Aus der Arbeit eines Tages werden am Ende ein bis zwei Minuten Film. Die Statisten sind
Kulisse. «Hintergrundaktionen», korrigiert die Regieassistentin.
Unscharf, unterbelichtet und klein nimmt man die Statisten kaum
wahr. «Wenn die Regie alles richtig macht, wird sie niemand beachten»,
sagt Sabine Boss. Aus der Traum von der Hollywood-Karriere.

Regisseurin Sabine Boss
Hinschauen verboten. Und dennoch ist Chrisoph begeistert. «Auch wenn
wir nur Statisten sind, kümmert sich die Crew bestens
um uns», sagt er in einer der vielen Drehpausen, in denen Kamera und
Licht neu gerichtet werden. Obwohl die Komparsen mittendrin sind, bekommen
sie von den Details der Dreharbeit wenig mit. Der Blick zur Kamera ist streng
verboten.
Die Regisseurin ist zufrieden. «Die Statisten machen
das super», sagt Boss. So gut, dass Kellner Kählin zu besonderen
Ehren kommt: Für einmal richtet sich die Kamera voll auf ihn. Wenn er
zum Tisch läuft, um die Bestellung aufzunehmen, schwenkt sie mit. Erst
dann filmt sie die beiden Schauspieler. Ob das so bleiben wird, ist offen. «Wir
drehen alles doppelt bis dreifach», sagt Boss. «Vielleicht fällt
das später wieder raus.»

Normalerweise unscharf. Im Hintergrund die Statisten Christoph und Tanja, im
Vordergrund die Schauspieler Anna Schinz und David Pietroni
«Undercover». Vega Film. Regie: Sabine Boss. Mit Viktor Giaccobo,
Mike Müller, Birgit Steinegger, Tanja Widmer*, Christoph Widmer*, Valentin
Kählin*, Karin Strebel*, Daniela Artho* und Kurt May* (* Statisten).
Premiere: 27.10.05, Filmstart: 3.11.05.
Statist werden? In der Schweiz gibt es keine auf Statisten spezialisierten
Casting-Agenturen. Oft suchen die Produktionsgesellschaften direkt auf ihren
Websites nach Statisten. Eine gute Link-Liste finden
Sie unter www.swissfilms.ch/links.asp
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