Sitemap Links kontakt


BaZ-News:
txt@michaelheim

Navigation

Web-Exklusiv
Bali nach den Bomben

Dossiers:
Dossier Kinos/Filmwirtschaft
Recherchen über die Suisa
Recherchen zu White Plaza
Alles zum Thema Swift/CIA

Basler Zeitung:
Die UBS will nicht mehr gratis...
Immer wieder Mozarts kleine Nachtmusik
Heidi, komm raus (WEF 06)
Manager, aufs Glatteis geführt (WEF 06)
Kinobaustelle Basel
Die Fasnacht abschaffen
Mehr Easy für Basel
"Kein offizieller Empfang"
Der UBS-Tunnel
0.5 Promille sind zu viel
Klein, unscharf und unterbelichtet
Staatliche Börsenspekulanten
Als die Frauen noch... (Glosse)
Interview mit Franz Humer
Unser Bier in der Regierung
Kreditkarten sind zu teuer
Der Voltaren-Trick
Es ist Safari und keiner geht...
Interview mit Harald Nedwed
Kinos in Basel: Viele Besucher, hohe Preise
Graumarkt bedroht WIR-System
Gemeinschaft der Steigerer
Doppelwandige Öltanker
Interview mit Heinz Zimmermann

Fotomagazin zum JKF 2000
Editorial

Aargauer Zeitung:
Hacker und Abstürze
Kino Royal
S isch im Fluss
Fahne der Stadt Kleinbasel

Pepperoni:
Rumänien (Metareportage)
Stierkampf
Basel Chiasso retour*
Ein Engel für Basel

Gezetera online:
Expedition in die Welt der schwarzen Brillen
Wir haben die Swissair herunter geholt
Diskriminierung - was ist das?

Unveröffentlichte Arbeiten:
Gelbe Folklore

Reportagen und Berichte (nur online)
Herbstmesse Basel (Bilder)
Tunesien (Story)
Schottland (Reisführer)
Wales (Reisführer)
Kreta (Story)
New Orleans (Reiseführer)
New York (Reiseführer)
Basel (Reiseführer)
Gurnigel (Reportage)


 

Quelle: Basler Zeitung
16.07.2005 ; heute Seite 3

«0,5 Promille sind noch immer zu viel»
Ein Experiment des Brauerei-Verbandes zeigt: 0,5 Promille sind deutlich mehr als nur eine Stange Bier

Michael Heim , Zürich

Was machen 50 Bierbrauer und Journalisten bei 30 Grad im Schatten? Bier trinken, natürlich. Unter professoraler Überwachung nahm die baz an einem Alkoholexperiment teil.

Es gibt unangenehme Pressetermine und angenehme. Dieser klang nach einem angenehmen. Ich bin unterwegs zum Brauerei-Verband, der in Zürich zu einem wissenschaftlich begleiteten Umtrunk geladen hat. Fünfzig Personen sollen gemeinsam Bier trinken und nachweisen, dass man eben doch mehr trinken darf, als das Bundesamt für Gesundheit in seiner Ein-Glas-geht-Kampagne behauptet. Seit Anfang Jahr gilt auf Schweizer Strassen ein Maximalwert von 0,5 Promille.

Es ist kurz vor 14 Uhr. Seit mindestens 24 Stunden bin ich nüchtern, und seit 6 Stunden durfte ich nichts mehr essen. Das waren die Voraussetzungen für die Teilnahme. Das Frühstück ist längst verdaut, das Wetter ist heiss. Das Bier dürfte also gut einfahren - wenn es denn «echtes» Bier ist. Denn nur die Hälfte der Teilnehmer bekommt normales Lagerbier. Die anderen trinken Leichtbier mit 2,4 Prozent Alkohol. 1,5 Liter, streng nach Fahrplan.

Professor Manfred Walzl von der Landesnervenklinik Graz erklärt noch einmal den Zweck der Übung: Es gehe darum, die eigenen Grenzen kennen zu lernen und die Unterschiede zwischen Normal- und Leichtbier zu zeigen. In Österreich wurde der Test bereits mehrere Male durchgeführt. Im Schnitt hatten die Teilnehmer dort nach 1,5 Litern Lagerbier (5,5% Alkohol) 0,68 Promille Alkohol im Blut.

Nachdem von allen Teilnehmern Bodymass- und Körperfettindex ermittelt worden sind (bei mir: 22,2 bzw. 11,7), werden die Flaschen verteilt. Etiketten haben sie keine. Etwa eine Viertelstunde haben wir jeweils Zeit, um die fünf Deziliter zu trinken. Danach gibt es zwanzig Minuten Pause, bevor wir ins Röhrchen blasen müssen.

Ich bin beruhigt. Nach dem ersten Bier zeigt das Messgerät 0,15 Promille an. Es beruhigt mich, zu wissen, dass ich zur Leichtbier-Gruppe gehöre. Am Morgen stellte ich mir vor, wie ich betrunken in die Redaktion torkeln würde. Ob ich dann noch schreiben könnte?

Etwas später die zweite Zwischenwertung. Nach einem Liter Schwachstrombier bin ich bei 0,19 Promille angekommen. Wie exakt ist überhaupt die Messung mit einem Blasgerät? Franz Dussy, Chemiker vom Institut für Rechtsmedizin der Uni Basel, hat mich aufgeklärt: Die Geräte müssen geeicht sein, und zwischen dem letzten Schluck und dem Blasen sollten mindestens 20 Minuten vergehen. Wird früher gemessen, sind die Werte aufgrund des Restalkohols im Mund zu hoch. Diese Voraussetzungen scheinen erfüllt.

Auf zum Dritten. «Meines ist sicher Leichtbier», meint eine Frau. «Das Bier, das ich sonst trinke, schmeckt anders.» Konrad Studerus, Direktor des Brauerei-Verbandes, meint: «Man braucht nur die Leute anzuschauen und weiss sofort, wer welche Sorte trinkt.»

Am Ende lautet meine Bilanz: 0,29 Promille nach 1,5 Litern Bier. Interessant sind die Extremwerte: Ein stämmiger Mitarbeiter von Cardinal hat lediglich 0,1 Promille Alkohol (Leichtbier), eine schlanke Feldschlösschen-Angestellte dagegen 1,19 Promille (Lager).

Wir rätseln über den Einfluss des Trinkverhaltens. Vertragen regelmässige Biertrinker mehr? Professor Oswald Oelz vom Zürcher Triemli-Spital, der auch am Test teilnimmt, verneint. Zwar baue sich der Alkohol bei regelmässigen Trinkern schneller ab (sofern die Leber nicht geschädigt ist!). Aufgenommen werde er aber gleich schnell, sagt Oelz.

Schön beschwipst. Nach der letzten Messung staunen die meisten über ihre tiefen Promillewerte. Und sie kommen ins Grübeln. «Eigentlich müsste man die Alkohollimite weiter senken», meint ein Journalist. Denn dafür, dass er nach 1,5 Litern Lagerbier «nur» 0,81 Promille habe, fühle er sich ganz schön beschwipst. «Wenn ich daran denke, dass ich so bis vor kurzem noch hätte Auto fahren dürfen, bin ich froh, dass die Limite gesenkt wurde.» Und die Frau neben mir, Mitglied im «Verein zur Förderung der Biervielfalt», meint gar: «0,5 Promille sind immer noch zu viel.»

Ob es am Alkohol liegt? Plötzlich fordern zahlreiche Bierliebhaber eine weitere Senkung der Promillegrenze.