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Quelle: Basler Zeitung
5.8.2005; Seite 15; region

«Das ist kein offizieller Empfang»
Wie ein Geschäftsmann die Stadt Basel dazu brachte, Zimbabwes Botschafter zu empfangen

Im Rathaus: Christoph Immos, Hafis Rüefli, Regierungsrat Guy Morin, Botschafter Chitsaka Chipaziwa, Staatsschreiber Robert Heuss. Foto M. Heim
Im Rathaus: Christoph Immos, Hafis Rüefli, Regierungsrat Guy Morin, Botschafter Chitsaka Chipaziwa, Staatsschreiber Robert Heuss (v. l. n. r.). Foto M. Heim

Michael Heim

Hafis Rüefli - halb Schweizer, halb Kameruner - engagiert sich für Zimbabwe. Es stört ihn nicht, dabei auch mit Vertretern der umstrittenen Regierung zu verkehren.

Es ist kurz vor elf Uhr morgens und Regierungsrat Guy Morin tigert im rathäuslichen Regierungsratszimmer auf und ab. Gleich bekommt er Besuch, etwas heiklen Besuch. Morin - zusammen mit Staatsschreiber Robert Heuss - empfängt den in Genf stationierten UNO-Botschafter des afrikanischen Staats Zimbabwe.

Ob er sich nicht doch noch eine Krawatte umbinden soll, fragt sich Morin. Er entscheidet sich dagegen, er will nicht zu förmlich wirken. Nein, beteuert Morin, das sei kein offizieller Empfang. Auch wenn er im Rathaus stattfindet. Auch wenn den Gästen im Anschluss ein Geschenk überreicht wird. «Die Herren sind hier zu einer Besichtigung. Wir wollen einfach gute Gastgeber sein.» Es scheint ihm nicht ganz wohl dabei.

Und dann treffen sie ein. Botschafter Chitsaka Chipaziwa und sein Vertreter Samuel Mhango - Abgesandte des zimbabwischen Herrschers Robert Mugabe. Dieser selber hätte Mühe, das Basler Rathaus zu besuchen, denn gegen ihn und 94 Personen aus Zimbabwe hat die Eidgenossenschaft ein Einreiseverbot ausgesprochen. Nicht nur die Schweiz. Auch die EU hat rund hundert Zimbabwern die Einreise verboten und ihnen die Bankkonten gesperrt.

Chitsaka Chipaziwa, Uno-Botschafter Zimbabwes in Genf. Foto M. Heim
Chitsaka Chipaziwa, Uno-Botschafter Zimbabwes in Genf. Foto M. Heim

Grund sind die Zustände im südlichen Afrika. Im Jahr 2000 liess die Regierung Grossgrundbesitzer - vorwiegend Weisse - in einer Landreform enteignen. Die Folge: Die Getreideproduktion brach ein, die Wirtschaft erlitt einen Kollaps.

Im Mai dieses Jahres dann die Operation «Murambatsvina»: Die Regierung in Harare liess illegale Wohnungen und Ladenlokale niederreissen. 700 000 Menschen hätten dadurch ihr Heim oder ihre Lebensgrundlage verloren, heisst es in einem kürzlich veröffentlichten Bericht der UNO. Hunderttausende von Obdachlosen haben seither keinen Zugang mehr zu Wasser oder Gesundheitsversorgung.

Die Propaganda bekÄmpfen. Im Gespräch mit der baz versucht Botschafter Chipaziwa den UNO-Bericht zu diskreditieren. Dieser sei ein propagandistisches Machwerk, das von Verbündeten des früheren Kolonialherren England in die richtige Richtung «gedreht» worden sei. «Wir haben illegale Siedlungen entfernt, weil sie zu einem Hort des Schwarzhandels geworden sind, in dessen Folge überall im Land die Artikel des täglichen Lebens knapp wurden.» Nachdem das Land mühsam seine Unabhängigkeit habe erkämpfen müssen, wolle es sich heute nicht mehr von der internationalen Staatengemeinschaft vorschreiben lassen, was es zu tun habe. «Schon gar nicht von früheren Kolonialherren.» Mit den beiden Diplomaten unterwegs ist auch Hafis Rüefli. Dass der Botschafter hier seine Ansicht darlegen kann, ist sein Verdienst. Er hat die Diplomaten nach Basel eingeladen, hat den Termin im Rathaus eingefädelt und - nicht zuletzt - die Zeitung eingespannt.

Apero im Basler Rthaus. Foto M. Heim
Apero im Basler Rthaus. Foto M. Heim

Rüefli ist ein Strippenzieher, der irgendwie überall jemanden kennt. Als Sohn einer Kamerunerin und eines Schweizers wuchs er in Garoua im Norden Kameruns auf. Heute lebt er in Basel, besucht seine Heimat aber mehrere Male im Jahr. Rüefli, der in Kamerun viel Einfluss zu haben scheint, besitzt dort eine Spedition, die Baumwolle und Zubehör für die Erdölindustrie transportiert. Aus diesem Verdienst finanziert er auch ein Hilfswerk, das derzeit im Aufbau ist: die «Ruuefli Foundation for Africa».

Weshalb er sich für Zimbabwe einsetzt, wollen wir wissen. «Ich möchte den Menschen in diesem Land zeigen, dass nicht die ganze Welt gegen sie ist», sagt er. Geschäftliche Interessen habe er dabei keine. Und mit seiner Stiftung will er frühestens in zehn Jahren in Zimbabwe aktiv werden.

Ein falsches Bild. Die Öffentlichkeit habe ein falsches Bild von Zimbabwe, ist sich Rüefli sicher. Indem der «Westen» versuche, das Land an den Standards der etablierten Industrienationen zu messen, tue er ihm Unrecht. Man könne nicht erwarten, dass ein Land, das vor zwanzig Jahren erst die Kolonialisten vertrieben habe, schon die gleichen demokratischen Rechte kenne wie jahrhundertealte Rechtsstaaten.

Wenn Rüefli von sich und seinen Vorhaben erzählt, nennt er nie Zahlen und zeigt keine Belege. Man muss ihm glauben - oder sich von ihm nach Afrika einladen lassen. Wenn er sagt: «Ich habe meine Stiftung nicht in der Schweiz angemeldet, weil ich mit dem so gesparten Geld in Kamerun ein Schulhaus bauen kann», tönt das glaubwürdig. Wenn er sagt, er ziehe sein Ding mit oder ohne Unterstützung der Schweizer (oder der Medien) durch, ebenfalls.

Hafis Rüefli (l.) und Regierungsrat Guy Morin.
Hafis Rüefli (l.) und Regierungsrat Guy Morin.
Foto M. Heim

Rüefli streckt einem die Hand hin und sagt: «Ich möchte Ihr Freund sein.» Und im gleichen Zug fragt er, und es scheint ihm ernst zu sein: «Können Sie den Bericht über mich auf der Frontseite bringen?»

Dass wir das nicht konnten, dürfte ihm wenig ausmachen. Immerhin hat er es geschafft, dass die beiden Diplomaten - mehr oder weniger offiziell - vom Basler Aussenminister empfangen wurden. Läckerli inklusive.