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Quelle: Basler Zeitung
05.09.2005, Seite 15

(Link zur Folgegeschichte vom April 2005)

Deutscher will Fasnacht abschaffen
Petition gegen den «Lärm» der Cliquen gestartet

Michael Heim
Eine an den Grossen Rat gerichtete Petition verlangt Lärmmessungen an den drei Fasnachtstagen. Werden die Grenzwerte überschritten, soll die Fasnacht abgeschafft oder eingegrenzt werden.

«Das meint ihr doch nicht wirklich ernst?» Die meisten Passanten trauen ihren Augen nicht, wenn sie Dominique Reber sehen. Auf einem Schild, das er umgehängt hat, steht gross: «Lärm und Dreck - Petition zur Abschaffung der Basler Fasnacht.» «Wenn du so durch die Stadt läufst, wirst du hier nicht mehr alt», rät ihm ein Beobachter. Reber stochert mit seiner Forderung tief in der Basler Seele.

Zusammen mit fünf Kollegen war er am Samstag in der Stadt unterwegs, um für sein Anliegen zu werben. Rund zweihundert Unterschriften kamen bis zum Abend zusammen.

Reber und seine Freunde wollen für jene die Stimme erheben, die während der Fasnacht unter der «massiven Lärmbelästigung» leiden. Die Petition - getragen vom Verein «Schöner Basel, dank Abschaffung der Fasnacht» - fordert, dass während der Fasnacht Lärmmessungen durchgeführt werden. «Sollten die Lärm-Emissionen die Grenzwerte überschreiten, wovon wir ausgehen, ist die Fasnacht per sofort abzuschaffen», heisst es im Text der Petition. Als Teil-Massnahme sehen die Petitions-Führer auch «nur» das Verbot von Trommeln und Pfeifen vor.

Bös beschimpft. Reber erlebte die unterschiedlichsten Reaktionen. «In der Steinenvorstadt wurden wir angepöbelt und bös beschimpft», erzählt er. Die meisten Leute aber hätten sich eher amüsiert. Selbst in der Fasnächtler-Hochburg im «Braunen Mutz» am Barfi stiessen sie nur auf freundliche Reaktionen. «Wir wurden sogar auf ein Bier eingeladen.» Allerdings hätten es die Gäste dort lieber gesehen, wenn in der Petition vom Verbot der Guggenmusiken die Rede gewesen wäre, erzählt Reber.

Die sechs Männer provozieren nicht nur mit ihrem Anliegen, sondern auch mit ihren Dialekten. «Ja hör ich denn richtig?», fragt ein Passant am Barfüsserplatz. Reber ist Deutscher und in Weil aufgewachsen, ein anderes Mitglied der Truppe kommt aus der Ostschweiz. Während des Geschichtsstudiums lernten sie sich kennen und die Fasnacht - mehr oder weniger - lieben. Jetzt, ein paar Jahre nach ihrem Abschluss, haben sie sich wieder getroffen und die Petition gestartet.

Kritik an der Aktion nimmt Reber gelassen. «Wenn wir damit nicht durchkommen, schaffen wir es vielleicht wenigstens als Sujet an die Fasnacht», sagt er mit einem Augenzwinkern. «Wir haben ja keine politischen Ambitionen, das ganze ist mehr als Spass gedacht.» Leute, die ihm ihre Unterschrift geben, findet er trotzdem.

*Endnote. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass Dominique Reber zwar in Weil aufgewachsen ist und den dorigen Dialekt spricht. Als Inhaber eines Schweizer Passes trifft die Beschreibung "Deutscher" jedoch nur "bedingt" zu... Sorry.

Folgegeschichte

© Basler Zeitung; 03.03.2006; Seite 13 region

«Über die Fasnacht darf man keine Witze machen»
Basel. Fasnachtsabschaffer Dominique Reber blickt zurück auf eine Zeit der Missverständnisse

Interview: Michael Heim

Die Petition sorgte für Aufruhr in der Stadt. Dominique Reber sammelte im vergangenen September Unterschriften für ein Ende der Fasnacht.

Es müsse gemessen werden, ob der Lärm an der Fasnacht (Trommeln, Piccolos und dergleichen) die Grenzwerte überschreite. Falls ja, müsse die Fasnacht entweder leiser gestaltet oder abgeschafft werden. Mit dieser Forderung erntete Fasnachtsabschaffer Reber nebst vielen Lachern auch ernst gemeinte Kritik. So schrieb ein Leserbriefautor an die baz: «Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen es ist der 1. April. Wird Basel schöner ohne Fasnacht? Wohl kaum ...»

baz: Herr Reber, Sie haben es mit Ihrer Petition bis an die Fasnacht geschafft. In einigen Vorfasnachtsveranstaltungen wurden Sie bereits erwähnt.

Dominique Reber: Ach ja? Das wäre ja super! Ich bekomme das nicht mit, denn ich lebe seit kurzem in Bern. Fernab der Fasnacht.

Die Fasnacht findet aber trotz Ihrer Petition statt. Haben Sie das Ziel verfehlt?

Nein, denn ich habe geheiratet. Das war das Ziel und ich habe es erreicht.

Dann räumen wir doch gleich ein paar Missverständnisse aus dem Weg. Welchen Zweck hatte die Petition?

Ich musste 300 Unterschriften sammeln, damit meine Freunde die Kosten der Junggesellenfeier übernahmen.

Und ist das gelungen?

Ja, das hat geklappt.

Wie viele Unterschriften bekamen Sie?

Etwa 350. Der Polterabend fand im Löwenzorn statt und wurde von den Kollegen finanziert. Am 30. September haben wir geheiratet und seit Ende Januar sind wir glückliche Eltern.

Gratulation!

Emilie ist jetzt seit vier Wochen auf der Welt und furchtbar herzig.

Weiter mit den Missverständnissen: Kommen Sie nun aus Deutschland, oder nicht?

Ich bin in Deutschland aufgewachsen, in Weil. Aber ich bin Schweizer. Ich bin mit 18 Jahren nach Basel umgezogen.

Hassen Sie die Fasnacht?

Nein. Auf keinen Fall! Das waren die St. Galler Kollegen, die unter der Fasnacht gelitten hatten. Ich war immer ein Verteidiger der Fasnacht und versuchte, meine Kollegen von ihr zu überzeugen. An der Hochzeit haben sie mich dann bestraft.

Eine harte Strafe.

Genau. Die St. Galler haben wohl sehr unter der Fasnacht gelitten - sie haben mitten in der Stadt gewohnt. Dafür musste ich büssen.

Was für Reaktionen erlebten Sie, nachdem über die Petition berichtet wurde?

Viele Leute glaubten tatsächlich, dass das ernst gemeint gewesen sei. Die haben sich furchtbar aufgeregt. Nachdem wir sie aufgeklärt hatten, fassten sie sich an den Kopf und fragten: «Warum hab ich das nur nicht gemerkt?»

Kann man in Basel keine Witze über die Fasnacht machen?

Das ist so, man darf es nicht. Die Fasnacht ist zwar sehr lustig, aber Witze über die Fasnacht werden gar nicht als lustig empfunden.

Hatten Sie auch Kontakt mit dem Fanachts-Comité?

Nein. Dazu kam es leider nicht.

Nächste Woche ist Fasnacht. Werden Sie mit dem Lärmmessgerät den Cliquen hinterherstiefeln?

Fasnacht ja, aber ohne Messgerät. Am Montagabend werde ich im Casino den Schnitzelbänken lauschen. Für meine Frau wird das die erste Basler Fasnacht werden. Sie ist eine Bernerin.

Sie leben seit kurzem in Bern. Mussten sie vor den wild gewordenen Basler Fasnächtlern fliehen?

Nein. Das hat nun gar nichts mit der Fasnacht zu tun! Es wäre aber noch schön, wenn ich erfah ren würde, welche Cliquen meine Initiative als Sujet aufgenommen haben. Das wäre dann für unser Hochzeitsalbum eine tolle Erinnerung. Vielleicht können sich diese ja bei der baz melden ...