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Quelle: Basler Zeitung
04.02.2006; Kulturmagazin Seite 4
Und immer wieder Mozarts kleine Nachtmusik
Viele Kulturveranstalter hoffen bei der Geldsuche auf Sponsoren - doch was, wenn diese nicht interessiert sind?
Michael Heim
Wenn sich der Staat aus der Kulturfinanzierung verabschiedet, hoffen die Künstler auf private Sponsoren. Doch diese Hoffnungen erfüllen sich nicht immer.
Das Theater Basel bestreitet zwei Prozent seines Budgets mit Sponsorengeldern. Das Opernhaus Zürich knapp fünf mal so viel. Das Literaturfestival der «Buchbasel» hat keine Sponsoren, das Openair «Im Fluss» finanziert sich zu drei Vierteln mit privaten Geldern.
Fast immer, wenn über Sparvorlagen in der Kultur debattiert wird, landen die Beteiligten früher oder später beim Thema Sponsoring. Es scheint die Lösung aller Probleme zu sein: Wo der Staat spart, springen Private ein und sprechen Geld.
Doch was einfach tönt, ist in Wirklichkeit kompliziert. Viele Kulturveranstalter klagen über fehlende Sponsoren. Manche - wie «Atlantis»-Geschäftsführer Jürg Wartmann - haben die Suche ganz aufgegeben. Mit 150 bis 200 Kunden pro Abend sei das «-tis» zu klein, vermutet Wartmann. Auch das wesentlich grössere Literaturfestival von Matthyas Jenny hat keine Sponsoren. Jenny ortet ein mangelndes Interesse der Unternehmen an seiner Kulturform. Rosinenpickerei wirft er ihnen vor: «Es kann doch nichts Neues entstehen, wenn alle immer nur Mozarts kleine Nachtmusik unterstützen», sagt er. Firmen dürften nicht nur das Kommerzielle im Auge behalten. Doch genau dies zeichnet das Sponsoring aus. Ein Geben und Nehmen. Und das meiste Nehmen erhoffen sich die Sponsoren von namhaften Veranstaltungen wie dem Montreux Jazz Festival, der AVO Session oder Ausstellungen wie «Tutanchamun».
Wirkung erzielen. Den Trend zum Grossen bestätigt Toni J. Krein, der bei der Credit Suisse fürs Kultursponsoring verantwortlich ist. Klar, unterstütze man nur grosse Anlässe, sagt er. «Wir müssen ja Wirkung erzielen.» Ebenso einleuchtend ist für ihn, dass dabei viele Kulturveranstalter nicht zum Zuge kommen. Er ortet ein Marktversagen. «Weil es die Sponsoren in die Hochkultur zieht, ist es am Staat, die anderen Bereiche zu unterstützen.»
Viele Kulturveranstalter gingen falsch vor, meint Krein, der früher selber Kultur managte - so etwa den Europäischen Musikmonat 2001 in Basel. «Sie überlegen sich zu wenig, welche gemeinsamen Werte Sponsor und Unterstützer verbinden», sagt er. Ohne Gemeinsamkeiten mache Sponsoring aber keinen Sinn, denn letztlich gehe es darum, dass der Sponsor sich mit der Veranstaltung profilieren könne. Stattdessen gingen die Kulturschaffenden mit «Massensendungen» auf Geldsuche. Pro Jahr erhalte die Credit Suisse bis zu zweitausend Anfragen. «Teilweise in solch schlechter Qualität, dass man gar nicht antworten sollte.»
Einer, der sich erfolgreich sponsern lässt, ist Tino Krattiger. Im siebten Jahr führt er sein Open-Air-Festival «Im Fluss» durch. Seit dem zweiten Jahr wird er massgeblich vom Internet-Dienstleister Bluewin gesponsert. Da er keine Eintritte verlangt, ist er auf solche Gelder angewiesen. Drei Viertel seines Budgets stammen von Privaten, der Rest vom Kanton.
Als Gegenleistung darf Bluewin das Logo gross und exklusiv auf der Bühne präsentieren. Alle Sponsoren tauchen in der Werbung auf und jeder von ihnen ist Gastgeber eines eigens nach ihm benannten Abends. Zudem bietet Krattiger ein «Abendsponsoring» an: Wenn eine Firma die gesamten Kosten eines Tages übernimmt, darf sie zusätzlich mitbestimmen, wer an diesem Abend auf dem Floss auftritt.
Was auf dem Rhein funktioniert, scheint in anderen Bereichen der Kultur undenkbar. So betont Ivo Reichlin, Verwaltungsdirektor des Theaters Basel, stolz, dass die Theater weitgehend «werbefreie Oasen» geblieben seien. Die Basellandschaftliche Kantonalbank darf zwar als Hauptsponsor des Theaters auftreten, muss aber im Hintergrund bleiben. Ihr Name wird genannt und einmal im Jahr kann sie eine Vorstellung für ihre Kunden durchführen. Zudem «dürfe» die Kantonalbank Billette des Theaters in ihrer Filiale verkaufen, sagt Reichlin.
Bis vor Kurzem wurde die Bank noch nicht einmal auf der Website des Theaters erwähnt. Nun weist ein kleines Logo auf den Sponsor hin. Ganz anders die Situation beim Konkurrenten aus Zürich: Das Opernhaus verweist an prominenter Stelle auf den Bereich «Sponsoring». Dort finden sich nicht nur eine Liste aller Geber und ein Verweis auf die zwei Gönner-Organisationen, Firmen erfahren auch, wie sie «Partner» des Hauses werden können.
Öffentlicher Charakter. Was finden die Sponsoren in Zürich, was Basel nicht bieten kann? «Das Opernhaus holt sich Spitzenkräfte wie Cecilia Bartoli», sagt Reichlin. Da könne Basel nicht mitziehen. Sicher könnte man mit einem populäreren Programm mehr Sponsoren anziehen, gibt er zu. «Aber wir betreiben das Theater ja nicht nur für die Sponsoren.» Der Staat sei noch immer der grösste Geldgeber des Hauses. Deshalb habe der Steuerzahler auch einen Anspruch darauf, dass das Theater einen öffentlichen Charakter behalte.
Trotz allem ist das Theater auf Sponsorensuche, denn Reichlin weiss, was der Steuerzahler von ihm verlangt. Vor drei Jahren habe man sogar eine «Task Force Sponsoring» gegründet, sagt er. Das Ergebnis war eher knapp. Rund 45 000 Franken trieben die Theaterverwalter damals bei Basler Firmen auf.
Dass viele kleine Veranstalter bei der Sponsorensuche scheitern, hat für Elisa Bortoluzzi, Beraterin und Sponsoring-Dozentin an der Uni Basel, auch andere Gründe. «Warum sprechen alle immer nur die grossen Firmen an?», fragt sie. Alle gingen auf Firmen los, die schon als Sponsoren bekannt seien. «Als kleiner Kulturveranstalter muss man die lokalen Gewerbebetriebe ansprechen.»
Bortoluzzi findet, dass jeder Sponsoren finde, wenn er die rechten Firmen kontaktiere. Davon ist auch Krattiger überzeugt. «Unsponserbare Kultur gibt es nicht», sagt er. «Wer keine Sponsoren findet, verkauft sich ganz einfach zu schlecht.» Mit diesem Zitat konfrontiert, platzt Matthyas Jenny der Kragen. «Das ist eine Frechheit! Die übliche Überheblichkeit derer, die es haben.» Das sei, wie wenn man einem Arbeitslosen sage, er müsse nur suchen. Dann finde er auch einen Job.
Ganz Unrecht hat Jenny nicht. Denn für alle werden die Sponsorengelder nie reichen. Laut einer Studie des Marktforschungs-Unternehmens GfS ist der Schweizer Sponsoring-Markt 350 bis 400 Millionen Franken schwer. Das Magazin «Werbewoche» schätzt, dass davon ein Viertel in die Kultur fliesst - gleich viel, wie alleine Basel-Stadt für Kultursubventionen ausgibt. Zöge sich dieser von seinen Subventionen zurück, lautete der Ausweg wohl nicht Sponsoring, sondern Ende der Vorstellung.
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