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Quelle: Basler Zeitung
30.01.2006; Seite 3
«Heidi, komm raus»
«Miss WEF», der Landammann und die schöne Polizistin: In Davos verlief die Demo sehr friedlich
Michael Heim, Davos
Die einzige Demonstration gegen das WEF verlief am Samstag absolut friedlich. Mit dabei: der Davoser Landammann Hans Peter Michel.

Sandrine als «Miss WEF». Foto Michael Heim |
Sandrine steht nicht im Mittelpunkt der rund 80 Demonstranten, die am Samstag in Davos gegen das WEF demonstrieren. Und dennoch fällt die 19-jährige Krankenschwester auf. Eine Schärpe bezeichnet sie als «Miss WEF 2006». Was sie leisten musste, um diesen Titel zu bekommen? «Eigentlich gar nichts», sagt sie. «Man hat sie mir einfach so umgehängt. Aber das ist eine längere Geschichte.» Wir hören zu.
Am Vorabend sei sie mit Freunden in ihrer Stammbar, dem «Walhalla», gewesen. Die Bar liegt direkt an der abgesperrten Zone im Herzen von Davos. Eine Verlockung. «Es gab dann einen kleinen Zusammenstoss mit der Polizei», erzählt sie. Etwas «gefoppt» habe man die Polizisten am Checkpoint. Der Abend endete für fünf der zwanzig Jugendlichen mit einer Übernachtung auf dem Polizeiposten. Von offizieller Seite heisst es später, die Jugendlichen hätten beschlossen, «die Polizei etwas zu testen».
TITELTRÄGERIN. Unter den Polizisten sei auch «Heidi» gewesen, die «schönste Polizistin von Davos». Ihr gebühre der Titel der «Miss WEF», und ihr wolle man auch die Schärpe überreichen, wenn man sie denn am Rande der Demonstration antreffe. «Heidi war immer freundlich zu uns, als es zum Zusammenstoss kam», sagt Sandrine. Das imponierte den Jugendlichen. - Es herrscht eine entspannte Atmosphäre an dieser einzigen Demonstration in Davos. Ab und zu ein «Internationale Solidarität!», gelegentlich ein «Wipe out WEF!» und immer wieder: Schneebälle gegen das WEF-Gelände. Mittendrin ist auch einer, der nicht nur optisch ein wenig fremd wirkt: FDP-Landammann Hans Peter Michel.
Schon vor Beginn der Demonstration suchte er den Kontakt zu den Jugendlichen. Nun marschiert er mit. «Wir müssen hier in Davos mit Kritik leben», sagt Michel. «Wir schreiben dem WEF ja auch nicht vor, was seine Mitglieder sagen und denken dürfen.» Und wenn er eine Demonstration bewillige, dann wolle er dabei sein und sich davon überzeugen, dass alles friedlich verläuft.
FAHNENTRÄGER. Bereits vor einem Jahr war er dabei und hatte dafür sogar ein Meeting mit einem prominenten Gast geschwänzt, dem chinesischen Vize-Premier. Und jetzt steht Michel wieder zuvorderst, als die Jugendlichen an der Absperrung zum Kongresszentrum rütteln. Plötzlich hat er eine Fahne über den Schultern, «Stop WEF» steht darauf - Michel reagiert gelassen und überreicht die Fahne mit einem Lächeln seinem Kollegen von der Grünen Partei.
Auch die Bitte, mit der jungen Miss WEF zu posieren, lehnt er nicht ab. «Wir können uns ja einfach mal zufällig nebeneinander befinden», schlägt er vor. Etwas später lächeln sie gemeinsam in die Kamera. Interesse bekundet er für Sandrines Plakat. «A propos Smartsourcing: Chinesische Polizisten sind billiger!» steht darauf. Kein allzu abwegiger Vorschlag, denn Davos beschäftigt während des WEF durchaus Polizisten aus dem Ausland. Und auch die Wasserwerfer, die noch am Samstagmorgen nach Basel aufgebrochen sind, stammen aus Deutschland. «Die Zusammenarbeit mit den Deutschen ist unkompliziert», erklärt Michel. Und er gibt zu: «Ja, sie sind auch billiger als die Schweizer.»
AMTSTRÄGER. «Heidi, komm raus!», rufen die Demonstranten immer wieder. «Kumm usa!» Doch die schönste Polizistin von Davos taucht nicht auf. Am Ende überreicht Sandrine die Schärpe den Polizisten vor dem Hotel Seehof. Mit der Bitte, sie doch weiterzureichen.
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