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Quelle: Basler Zeitung
27.01.2006; Seite 3
Manager, aufs Glatteis geführt
«Additional Activity»: Ein Curling-Schnupperkurs für Führungskräfte beim WEF
Michael Heim, Davos
Raus aus dem Haus, sagten sich gestern zwei WEF-Teilnehmer. Auf der Eisbahn nahmen sie eine erste Lektion Curling.
Wo David Landau herkommt, gibt es normalerweise kein Eis. Landau ist Chefredaktor der Zeitung «Haaretz» in Tel Aviv. Unsicher macht er erste Schritte auf dem Eis der Davoser Kunsteisbahn. Etwas gefasster wirkt Magaly Bianchini, Präsidentin der Windenergie-Firma Leader Wind aus Toronto. Sie dürfte mehr Erfahrung mit Eis und Schnee haben.

Magaly Bianchini. Managerin aus Canada. Foto: Michael Heim
Die beiden nutzen den gestrigen Nachmittag, um einen Schnupperkurs des Davos Curling Clubs zu besuchen. Seit Jahren führt Spielleiter Hans Zimmermann diese Kurse für WEF-Besucher durch. Normalerweise nähmen 30 bis 40 Leute teil, sagt er. Warum es heute nur zwei sind, ist ihm ein Rätsel.

David Landau. Chefredaktor aus Israel. Foto Michael Heim |
Mit vorsichtigen Schritten wagen sich die beiden Neulinge aufs Eisfeld. Bald wird klar, dass nicht beide gleich schnell den Einstieg ins Spiel finden werden. «Machen Sie bitte keine peinlichen Bilder», bittet Landau. Er weiss nur zu gut, was Journalisten gerne sehen. Bianchini muss nicht darum bitten, denn sie bewegt sich auf dem Eis wie ein Profi. Oder beinahe. «Nein, ich habe das Spiel noch nie gespielt», versichert sie dem staunenden Landau. «Ich muss besser werden, das ist ja peinlich», sagt der leicht gereizt. Als Randprogramm will Landau, der auch auf dem Eis ab und zu zum Handy greifen muss, den Kurs übrigens nicht verstanden haben: «Das ist etwas vom Wichtigsten am WEF überhaupt.» Der Kurs ist Teil der «Additional Activities» des Wirtschaftsforums, die von der Schneeschuhwanderung bis zum Poloturnier reichen.
Unterschätztes Spiel. Bianchini und Landau machen Fortschritte. Sie zeigt ihm, wie er sich auf dem Eis bewegen muss, und er greift auf Armee-Erfahrungen zurück: «Schau», sagt er. «Bei der Artillerie feuert man drei Schüsse ab. Anschliessend wird kontrolliert und die Peilung angepasst.» Dann schiesst er. Vorbei. «Gut. Bei der Artillerie war ich auch immer zweihundert Meter daneben.» Nach eineinhalb Stunden bekommen die beiden das Spiel in den Griff. Die schweren Steine landen nicht selten im «Haus», dem angepeilten Ziel. Auch Trainer Zimmermann ist voll des Lobes. Viele Leute unterschätzten Curling, sagt Zimmermann. «Da kommen immer Vergleiche etwa mit Boccia.» Von Landau bestimmt nicht. «Meine Batterien sind leer, ich bin fertig», sagt er. Vorsichtig schleicht er zurück auf den sicheren Boden.
>www.davos-curling.ch
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