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White Plaza
«White Plaza» steht vor Besitzerwechsel
Swiss Life fordert 66 Millionen Franken zurück - dem Geschäftsführer der Immobilienfirma wird Betrug vorgeworfen (20.2.07)
White Plaza erhält neuen Vermarkter
Jürgen Amann hat eine Nachfolgegesellschaft für seine Dr. Amann AG gegründet (19.3.07)
Neues Kapitel in der Posse um das «White Plaza»
Harsche Kritik des Basler Appellationsgerichts am Immobilienmanager Jürgen Amann
White-Plaza-Anleger wehren sich
Über 40 Strafanzeigen gingen beim Untersuchungsrichter ein › zahlreiche sind unterwegs (18.4.2007)
«White Plaza» unter Vormundschaft
Die Bankenkommission entmachtet den Immobilienspekulanten Jürgen Amann
(24.1.08)

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Quelle: Basler Zeitung
20.02.2007 ;Region, Seite 13

«White Plaza» steht vor Besitzerwechsel
Basel. Swiss Life fordert 66 Millionen Franken zurück › dem Geschäftsführer der Immobilienfirma wird Betrug vorgeworfen

chronologie

Vom «Schlotterbeck» zum Spekulationsobjekt

> 28.6.1989. Die Schlotterbeck Automobile AG teilt mit, auf Ende Jahr den Betrieb einzustellen.

> 8.9.1989. Eintragung der Dr. Amann AG in Zug. Sie wird später die Vermarktung des neuen Gebäudes übernehmen.

> 5.6.1991. Das Projekt des Architekten Richard Meier wird vorgestellt.

> 11.3.1993. Die Aktionäre der Volksbank stimmen der Übernahme durch die Kreditanstalt (SKA) zu. Damit wird das Hauptsitz-Projekt hinfällig.

> Februar 1994. Abbruchbeginn.

> 7.2.1996. Grundsteinlegung.

> Frühling 1998. Die ersten Mieter ziehen ein.

> 1.8.1999. Eintragung der Dr. Amann & Co. VI Sachwert-Beteiligung Kommanditgesellschaft in Zug (Amann & Co. VI). Einziger unbeschränkt haftender Teilhaber ist Jürgen Amann.

> 29.6.2000. Die SRE Swiss Real Estate and Facility Management Group AG wird gegründet. Sie mietet später leerstehende Flächen im «White Plaza», ohne diese weiter vermieten zu können. Sie wird von Amann kontrolliert.

> November 2000. Die Amann & Co. VI wird als Eigentümerin des «White Plaza» im Grundbuch eingetragen.

> 14.5.2002. Das Handelsgericht von St-Tropez verbietet Jürgen Amann, in Frankreich Geschäfte zu machen.

> 25.9.2002. Amann gibt die Auflösung des Vertrags mit der SRE bekannt. Mietforderungen werden «verrechnet».

> 2004. Im Jahr 2004 wird die Amann & Co. VI das erste Mal betrieben, weil sie über zu wenig Liquidität für die Begleichung aller Rechnungen verfügt.

> 13.7.2004. Erneutes Urteil des Gerichts in St-Tropez: Amann wird während 20 Jahren verboten, Gesellschaften zu kontrollieren. Ursache sei unter anderem Konkursverschleppung, sagt eine beteiligte Anwältin.

> 15.3.2005. Jürgen Amann publiziert eine «Leistungsbilanz» seiner Immobiliengesellschaften. Demnach wurde den Anlegern der Amann & Co. VI seit 2000 eine jährliche Rendite von 6,25% ausbezahlt. Für 2005 wird die gleiche Rendite in Aussicht gestellt.

> Juni 2005. Weil die Amann & Co. VI die Hypothekarzinsen nicht mehr bezahlt, wird sie von der Kreditgeberin Swiss Life betrieben. Die Mieteinnahmen gehen fortan ans Betreibungsamt und nicht mehr an die Amann & Co. VI.

> 30.6.2005. Der Anleger-Newsletter «Kapitalmarkt intern» (KMI) meldet, die Anlegervereinigung des «White Plaza» habe die Revisionsgesellschaft BDO mit einer Sonderprüfung beauftragt.

> 1.9.2005. KMI zitiert den «Fonds-Beirat»: Es gebe «gravierende» Fehler in den Bilanzen. «Würde das Gebäude heute oder in den nächsten zehn Jahren verkauft, würden alle Zeichner ihr gesamtes Kapital verlieren, da der Erlös heute gerade knapp reicht zur Schuldentilgung.»

> November 2005. Der Hypothekarkredit der Swiss Life läuft aus. Da niemand den Kredit ablöst, betreibt Swiss Life die Amann & Co. VI über 66 Mio. Franken.

> 13.2.2006. Die Modekette Tally Weijl gibt bekannt, sich ab April im «White Plaza» in grossem Stil einmieten zu wollen.

> 18.8.2006. Gesellschafterversammlung. Die Anleger beschliessen, den abwesenden Amann durch einen früheren Geschäftspartner zu ersetzen. Unklar ist, ob das möglich ist. Bis heute gilt Amann laut Handelsregister als einziger unbeschränkt haftender Teilhaber der Amann & Co. VI.

> 22.8.2006. Das Untersuchungsrichteramt Zug führt eine Hausdurchsuchung bei Jürgen Amann durch. Hintergrund sind Anzeigen von «White-Plaza»-Anlegern, unter anderem wegen Betrugs.

> 15.12.2006. Die Dr. Amann AG wird von Zug nach Zermatt verlegt. Sie führt die Geschäfte der Amann & Co. VI.

> 29.2.2007. Das Stillhalteabkommen zwischen der Amann & Co. IV und Swiss Life läuft aus. Ohne Aussicht auf Verkauf oder Refinanzierung leitet Swiss Life das Versteigerungsverfahren ein. hec


Die Überbauung White Plaza in Basel (Foto: M. Heim)

Michael Heim
«White Plaza» stand von Anfang an unter einem schlechten Stern. Kaum fertiggestellt, fusionierte Besitzerin Volksbank mit der SKA. Das Haus wurde verkauft. Seither gelang es kaum, zusätzliche Mieter zu finden.

Noch läuft kein Konkursverfahren, und Geschäftsführer Jürgen Amann gilt › in der Schweiz › als unbescholtener Bürger. Doch um die Immobilienfirma «Dr. Amann & Co. VI Sachwert-Beteiligung Kommanditgesellschaft» mit Sitz in Zug steht es nicht gut. Ihr gehört das Gebäude «White Plaza» auf dem Areal der früheren Schlotterbeck-Garage. Amann ist ihr einziger unbeschränkt haftender Teilhaber, und bis Ende Monat muss er seinen Gläubigern eine glaubwürdige Lösung präsentieren.

Seit mehr als einem Jahr fordert die Versicherung Swiss Life 66 Millionen Franken. Sie hatte es Amann im Jahr 2000 mit einer Hypothek ermöglicht, das Gebäude der Credit Suisse abzukaufen. Im November 2005 lief der Hypothekarvertrag aus. Die Versicherung wollte ihn nicht verlängern, einen neuen Geldgeber fand Amann auch nicht. Im Dezember 2005 leitete die Swiss Life die Betreibung ein.

Strafanzeige. Es war nicht die erste Betreibung. Schon im Jahr 2004 war die Amann & Co. VI knapp bei Kasse. Amann hatte Millionenbeträge an deutsche Anleger zurückbezahlen müssen, denen er versprochen hatte, sie kämen als Gesellschafter dereinst in den Genuss einer AHV-Rente. Das hatte sich als Irrtum herausgestellt. Gleichzeitig forderte die Credit Suisse die letzte Rate für das Gebäude. Und der Swiss Life schuldete die Amann & Co. VI die Hypozinsen. Das Geld reichte nicht für alles. Seit Januar 2003 bezahlen die Mieter des «White Plaza» ihre Mieten nicht mehr an die Immobilienfirma, sondern ans Basler Betreibungsamt.

Während die Swiss Life ihr Geld bei der Amann & Co. VI einfordert, zielen die Investoren auf Jürgen Amann selber. Sie haben in Zug, wo Amann und dessen Gesellschaften gemeldet sind, gegen ihn im vergangenen August Strafanzeige eingereicht. Der Vorwurf der Anleger: Über einen Trick habe Amann ihnen vorgemacht, alle Flächen im «White Plaza» seien vermietet, obwohl viele damals leer standen.

Und so funktionierte der «Trick»: Zusammen mit einem Immobilienmakler gründete Amann die SRE Group, die von der Amann & Co. VI die leer stehenden Flächen mietete. Man sei damals davon überzeugt gewesen, es würden schnell Mieter gefunden, sagt Amann heute. Doch das war ein Irrtum. Die SRE fand nur gerade einen Mieter, so dass nach rund zwei Jahren der Vertrag zwischen SRE und Amann & Co. VI › mit einem Abschreiber bei den Mieten › aufgelöst wurde. Amann verhandelte für beide Seiten, denn bei der Amann & Co. war er Geschäftsführer und bei der SRE alleiniger Aktionär. Er machte die entstandenen Verluste seinen Anlegern schmackhaft, indem er darlegte, wie sie diese für ihre private Steuerrechnung geltend machen könnten.

Rätselhafter Leerstand. Stets war unklar, wie voll «White Plaza» wirklich vermietet war. Im Internet wird noch immer ein Drittel der Gesamtfläche zur Miete angeboten. Doch Amann sagt, die Website sei «nicht auf dem aktuellsten Stand». Im Jahresbericht 2005 der Dr. Amann AG heisst es, das Gebäude sei zu 100 Prozent vermietet. Ein «Fehler», wie Amann auf Nachfrage betont. In einem Prospekt für die Anleger heisst es, Ende Oktober 2005 habe die Auslastung 96 Prozent betragen. Wer sich im Gebäude selber umschaut, bekommt den Eindruck, es ständen noch viele Flächen frei. Doch Amann beschwichtigt: Die Verträge über die noch unbenutzten Flächen seien unterschrieben, einige der Mieter allerdings noch nicht eingezogen. Wer diese Mieter sind, sagt er nicht.

Amann ist kein unbeschriebenes Blatt. Nach eigener Auskunft hat er seit Jahrzehnten Erfahrung im Immobiliengeschäft. Vor allem an der Côte d'Azur trat (und tritt) er als Financier von Feriensiedlungen auf. Manche wurden nie erstellt. Inzwischen habe Amann in Frankreich ein Berufsverbot wegen Konkursverschleppung, sagt die Münchner Anleger-Anwältin Tanja Celler.

Wenig Mitspracherecht. Amann geht immer gleich vor: Zu jeder Liegenschaft gründet er eine Kommanditgesellschaft. Dabei tritt er als unbeschränkt haftender Geschäftsführer auf, während er Anleger als beschränkt haftende «Kommanditäre» teilhaben lässt. Die Gesellschaftsform ist ungewöhnlich, hat für Amann aber den Vorteil, dass er die Geschäftsberichte nicht extern prüfen lassen muss und dass die Anleger wenig Mitspracherecht haben. In der Regel beteiligen sie sich zudem nicht direkt, sondern über Treuhänder. Sonst müssten sie ihre Namen im Handelsregister offenlegen.

Doch der Handelsregisterauszug widerspiegelt nicht die Wahrheit. Während in Wirklichkeit angeblich 40 Millionen Franken als Kommanditsumme investiert worden sind, werden auf dem Auszug nur gerade 300 000 Franken deklariert. Die entsprechenden Eintragungen seien vom zuständigen Treuhänder «seit Jahren nicht mehr gemacht worden», sagt Amann im Gespräch mit der baz, an dem auch PR-Berater Andreas Bantel und Anwalt Dieter Jann teilnehmen. Ein Problem sieht er darin nicht, denn die Geschäftsführung der Amann & Co. VI sei gar nicht dazu ermächtigt gewesen, diese Einträge vorzunehmen.

Unklar ist, wer derzeit bei der Amann & Co. das Sagen hat. Amann spricht von einer «Blockade», denn die Mehrheit der Anleger › oder deren Treuhänder › steht nicht mehr hinter Amann. Letztes Jahr beschlossen sie, Amann in der Amann & Co. VI durch einen früheren Geschäftspartner zu ersetzen. Amann akzeptiert diesen Beschluss nicht und argumentiert, ein Teil der Stimmen seien ungültig gewesen, da der entsprechende Treuhänder nicht mehr über das Mandat seiner Kunden verfügt habe. Nach Aussage von Amanns Anwalt ist dieser Streit vor einem Zuger Gericht hängig. Nach dem selben Muster lief auch der Versuch ab, das «White Plaza» zu verkaufen. Amann wollte den Verkauf und liess darüber abstimmen. Jede Seite behauptete darauf, sie habe die Abstimmung gewonnen.

Wann es wegen «White Plaza» zu einer Strafanklage gegen Amann kommt, ist ungewiss. Das Untersuchungsrichteramt Zug hat Anfang Februar ein externes Gutachten in Auftrag gegeben. Mit etwas Glück liege der Bericht Ende März vor, sagt der zuständige Untersuchungsrichter zur baz. Dann werde entschieden, ob es zu einer Anklage komme.

Galgenfrist. Vielleicht ist die Amann & Co. VI bis dann aber bereits liquidiert. Denn ein Stillhalte-Abkommen, das nach Auskunft Amanns derzeit mit der Swiss Life besteht, endet am 28. Februar. Dann will die Versicherung entweder ihr Geld oder die Gewissheit, in absehbarer Zeit die 66 Millionen zu bekommen. Ansonsten leitet sie die Zwangsversteigerung ein. De facto muss die Amann & Co. bis Ende Monat den Verkauf der Liegenschaft beschliessen, auch wenn Amann das so nicht sagt. Er stehe in Kontakt mit drei möglichen Käufern, betont Amann. Doch dem Verkauf müssen die Anleger zustimmen, und zum Zeitpunkt des Gesprächs mit Amann am 14. Februar stand weder ein Termin für die Gesellschafterversammlung fest, noch waren Einladungen dafür verschickt.

Die Swiss Life nimmts gelassen. Swiss Life trage aufgrund des ausstehenden Hypothekarkredits in Höhe von 66 Millionen Franken kein finanzielles Risiko, sagt Sprecherin Schack, denn die «qualitativ hochstehende Liegenschaft» dient ihr als Pfand. Wäre dies nicht der Fall, könnte die Swiss Life als Gläubiger zudem auf Jürgen Amann privat zugreifen. Denn als Komplementär haftet er mit seinem Privatvermögen.