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Quelle: Basler Zeitung
30.01.2007; Seite 3
Ohne Halt bis Abspann
Das Kino Pathé Küchlin verzichtet auf die Pause
Michael Heim
Im Kino Pathé Küchlin werden die Filme neu ohne Pause gezeigt. Weil man dem Film keinen Bruch zumuten wolle, sagen die Kinobetreiber. Weil das Kino für eine Pause falsch gebaut ist, sagt ein Konkurrent.
Als sie nach Jahren im Ausland wieder einmal ein Basler Kino besuchte, stellte Kiomi Lötscher erstaunt fest: «Die Filme werden bei euch ja durch eine Pause unterbrochen.» Zwar freute sich die angehende Regisseurin darüber, die Filme hier unsynchronisiert sehen zu können. Doch die Pause störte sie. «Das macht den Film kaputt», lautete ihr Verdikt.
Vielleicht ist die Pause schon bald Vergangenheit. Während die Basler Studiokinos schon lange darauf verzichten, zeigt nun auch das neue Multiplex Pathé-Küchlin in der Steinenvorstadt seine Filme ohne Unterbruch. Ein kleines Schild am Eingang weist die Zuschauer darauf hin.
Geld vom Kiosk. Pathé-Manager Grégoire Schnegg erklärt den Verzicht auf die Pause ebenfalls mit der Liebe zum Film. Bei Pathé sei es Tradition, Filme integral zu zeigen. Sobald die Kinos Eldorado und Plaza in den Besitz der Pathé übergegangen sind › momentan befinde man sich in der Endphase der Verhandlungen › werde vermutlich auch dort die Pause abgeschafft, sagt Schnegg.
Philippe Täschler, Direktor der konkurrierenden Kitag-Kinos, hält das für einen Vorwand. Aufgrund der Infrastruktur sei das Pathé- Kino gar nicht in der Lage, eine Pause zu machen. Die Gänge seien zu eng für zirkulierende Kundschaft, die Wege zum Kiosk zu weit. Der Verzicht auf Unterbrechungen dürfte es dem Kino zudem erlauben, seine Säle besser auszulasten, vermutet ein anderer Konkurrent. Ein Blick ins Programm stützt diese These; die Säle sind im Vergleich mit anderen Kinos stark genutzt.
Verzicht auf Umsatz. Mit der Pause fällt für das Kino auch eine lukrative Verdienstmöglichkeit weg. Auf dem Weg zur Toilette holen sich Kinobesucher gerne Nachschub an der Bar. Vor allem in den grossen Mainstram-Kinos generiert diese einen grossen Teil der Einnahmen. Einnahmen, die im Gegensatz zu den Billetterträgen zudem nicht mit den Verleihern geteilt werden müssen. Die Höhe der Kiosk-Umsätze hänge dabei stark vom Programm ab, sagt Kitag-Direktor Täschler. Bei anspruchsvollen Filmen verdiene man wenig. «Bei ‹Ice Age› dagegen hatten wir Wahnsinnsvolumen.»
Pathé-Manager Schnegg will von einem freiwilligen Verzicht auf Einnahmen nichts wissen. Sicher büsse man am Kiosk an Umsatz ein, bis sich die Zuschauer daran gewöhnt hätten, sagt er. «Doch irgendwann holen sie ihr Popcorn vor Filmbeginn.» In Holland hätten vor ein paar Jahren alle Pathé-Kinos auf den pausenlosen Betrieb umgestellt, erklärt er. «Es dauerte ein halbes Jahr, bis sich die Leute angepasst hatten. Heute sagen über drei Viertel, sie fänden es besser so.»
Früher war die Pause im Kino technisch bedingt. Spielfilme liessen sich nicht am Stück abspielen. Wer keinen zweiten Projektor für einen fliegenden Wechsel hatte, musste daher eine Pause einlegen, um die Rollen zu wechseln. Heutige Projektoren haben mit zweistündigen Filmen aber kein Problem mehr. Sie können gar von der Kasse aus ferngesteuert werden. Dennoch ist die Schweiz eines der letzten Länder Europas, in denen die Kinos ihre Filme noch unterbrechen.
geläuf im saal. Im Gegensatz zu Pathé will die Kitag klar an der Pause festhalten. «In Zürich haben wir einmal in einem Kino den Betrieb umgestellt», erzählt Täschler. «Wir machten in der Folge massiv weniger Umsatz am Kiosk.» Doch das sei nicht der alleinige Grund für das Scheitern des Versuchs gewesen. «Ohne Pause standen die Leute während der Vorführung auf, um aufs WC oder rauchen zu gehen. Das gab ein Geläuf im Saal, sehr zum Ärger der anderen Zuschauer.»
Auch bei Kinderfilmen sei die Pause zwingend, denn spätestens in der Hälfte des Films würden Kinder unruhig. «Dann hält es sie nicht mehr auf dem Sitz.» Diese Erkenntnis hat man scheinbar auch bei Pathé gemacht. Überlange Filme und solche für Kinder würden allenfalls auch im Küchlin weiterhin unterbrochen, sagt Schnegg. |