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Quelle: Basler Zeitung
08.11.2007; Seite 3

Warten auf die Festtage
Die Kinoeintritte bleiben hinter dem Vorjahr zurück

Michael Heim
Bisher liegen die Eintrittszahlen in der Deutschschweiz laut baz-Hochrechnung rund neun Prozent unter dem Vorjahr. Nur Basel dürfte dank dem neuen Multiplexkino deutlich zulegen.

Nun beginnt wieder das Rechnen. Das Jahresende naht und damit gleichsam der branchenweite Abspann und die finanzielle Schlussbilanz über das Kinojahr 2007. Einen Anfang gemacht hat kürzlich die «NZZ am Sonntag». Unter dem Titel «Flaute an der Kinokasse» sagte sie einen Rückgang der Eintritte von elf Prozent voraus und nannte auch auch schon die Schuldigen: zu schöne Sommerwochenenden, zu schlechte Filme.

Doch ganz so einfach ist die Rechnung nicht. Die Prognose der NZZ basiert auf den Quartalszahlen der Branchenvereinigung Pro Cinema. Demnach wurden bis Ende September 9,6 Millionen Eintritte verzeichnet › 11 Prozent weniger als im Vorjahr. Pro-Cinema-Direktor René Gerber bestätigt diese Zahlen gegenüber der baz. Doch er sagt auch: Die NZZ habe es unterlassen zu sagen, dass in diesen Umsätzen noch Meldungen zahlreicher Landkinos sowie die Verkaufszahlen der Open-Air-Kinos fehlen. «Und das kann noch fünf bis zehn Prozent ausmachen», meint Gerber.

Minus acht Prozent. Die baz hat selber gerechnet. Aufgrund der wöchentlichen Eintrittszahlen der zwanzig erfolgreichsten Filme*, die rund 60 Prozent des Gesamtumsatzes machen, haben wir das 2007 mit dem Vorjahr verglichen. Demnach lockten die Spitzenfilme bis Ende Oktober knapp neun Prozent weniger Zuschauer ins Kino . Diese Differenz zu verkleinern ist zudem schwer, denn im 2006 gingen in den letzten Wochen des Jahres überdurchschnittlich viele Leute ins Kino . Es bräuchte veritable Blockbuster, um da mithalten zu können.

Im Moment sind es vor allem der Trickfilm «Ratatouille» und der Thriller «The Bourne Ultimatum», die hohe Eintrittszahlen generieren. In den kommenden Wochen kommen zudem vielversprechende Streifen ins Kino (siehe Kasten). So ist «Michael Clayton», der bei uns Mitte November startet, in den USA gut gelaufen. Mit «American Gangster» und der Jesse-James-Neuauflage stehen zwei grosse Hollywood-Epen an, mit «Lions for Lambs» ein Politthriller. Die deutschen Komödien «Lissy und der wilde Kaiser» und «Leroy» könnten Jugendliche ansprechen und mit «Atonement» und «Evening» sind Frauenfilme angesetzt. Auch der Historienfilm «Elizabeth» hat Potenzial, läuft aber erst Ende Dezember und kann das Jahresergebnis nur noch schwach beeinflussen.

Trendbrecher Basel. Während es auf Schweizer Ebene eher unwahrscheinlich ist, dass das Kinojahr die Vorjahreswerte erreichen kann, ist das Fazit für Basel bereits jetzt klar. Und es ist positiv. Es gebe für die Region sicher einen Zuwachs zu vermelden, meint René Gerber. Basel werde aus dem Schweizer Trend «herausbrechen».

Dafür gibt es zwei einleuchtende Gründe: Erstens waren im Jahr 2006 viele Kinosäle geschlossen (das Küchlin wurde umgebaut und das Duplex- Kino Hollywood war im Herbst 2005 geschlossen worden). Zweitens gingen dann aber just zum Jahresbeginn 2007 mit dem neuen Pathé Küchlin zahlreiche zusätzliche Säle auf. Gerber geht daher davon aus, dass das Basler Kinojahr 2007 mit dem sehr guten 2004 zu vergleichen sein wird.

* So genanntes Box Office der Deutschschweizer Stadtkinos (Quelle: outnow.ch).