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Quelle: Basler Zeitung
13.07.2006; Seite 15

Big Business unter freiem Himmel
Die einen verdienen Geld mit Open-Air- Kino , die andern sind froh über wenig Verlust

Michael Heim
Bleibt das Wetter schön, dürften die Basler Freiluftkinos diesen Sommer 40 000 Karten absetzen. Für einige Anbieter sind Open Airs ein gutes Geschäft.

Es gibt eine einfache Regel: Filme werden in Kinos gezeigt, und bei schönem Wetter geht da keiner hin. Entsprechend schlecht ist die Situation. Denn es ist heiss. Sehr heiss.

Die Alternative zum Kinosaal heisst Open Air. Überall werden Leinwände aufgezogen und Filme eingespannt. Dabei haben die Open-Air-Kinos längst die Nische verlassen, in der sie in den 80er Jahren gestartet sind. Bleibt das Wetter stabil, verkaufen sie in Basel 40 000 Billette, oder ein Drittel aller Kinokarten in dieser Zeit.

Alleine das OrangeCinema auf dem Münsterplatz hofft auf 32 000 Besucher. Daniel Höltschi von der Betreiberin Cinerent will nicht verraten, wie viel Umsatz er in Basel macht. Grob geschätzt dürften es etwa 2,5 Millionen Franken sein.

Nur ein Viertel der Einnahmen erzielt das OrangeCinema mit den Billette-Verkäufen - gleich viel wie mit den Verkäufen in den Restaurants. Die wichtigste Einnahmequelle, rund 35 Prozent, sind die Sponsoren. Die Beträge sind geheim. Klar ist nur: Orange trägt den Löwenanteil. Noch bis nächstes Jahr läuft der Sponsoring-Vertrag, doch beide Seiten betonen, wie zufrieden sie sind. «Wir blicken positiv in eine gemeinsame Zukunft», orakelt Orange-Sprecherin Marie-Claude Debons.

Auch über den Gewinn schweigt sich Cinerent aus. Allerdings bestätigt Höltschi, dass Cinerent schwarze Zahlen schreibe. «Die Gewinnschwelle hatten wir nach sieben bis acht Jahren erreicht.» Wenig rentabel ist das Kino für die Allmendverwaltung. Gerade mal 51 000 Franken bezahlt Cinerent für die dreiwöchige Benützung des Münsterplatzes.

Nicht während WM. Auch das Kino am Pool könne ohne Sponsoren nicht überleben, sagt Martin Kaiser vom Veranstalter Smell a Rat. Im Gegensatz zum OrangeCinema, das mit 1300 Zuschauern pro Abend rechnet, ist Kaiser schon zufrieden, wenn 300 Besucher der Weg ins Joggeli-Gartenbad finden. Auch für ihn geht die Rechnung auf; seine Firma lebt mehrheitlich von den Kinos im Sommer. Im Gegensatz zu früheren Jahren stellt das Kino am Pool seine Leinwand dieses Jahr nicht vor, sondern erst nach der orangen Konkurrenz auf. «Wir hätten sonst während der Fussball-WM starten müssen», sagt er. «Das wäre tödlich gewesen.»

Neben den grossen kommerziellen Veranstaltungen betreiben zunehmend auch Vereine und andere Organisationen Kino . Auf dem Bruderholz lädt der neutrale Quartierverein an zwei Abenden zum Open Air. Der Eintritt ist frei. «Vielleicht gibt es ja eine Kollekte», meint Hansjörg Wahl, dessen Firma Cinémobile die Infrastruktur stellt. Auch er wird nicht reich damit. «Wir können zwar immer in die Ausrüstung investieren», sagt Wahl. «Einen Lohn bezahlen wir uns aber nicht aus.»

Auch das Bürgerliche Waisenhaus verdient kein Geld mit seinem Freiluftkino, im Gegenteil. «Wir kamen noch nie aus den roten Zahlen», sagt Beate Gremmelsbacher. Wichtiger sei aber, dass die Kinder, die an der Planung beteiligt sind, ihren Spass hätten. Zudem diene das Kino auch der Öffentlichkeitsarbeit des Waisenhauses.

So unterschiedlich die Motivation, so verschieden ist auch das Publikum. Während Wahl an seinen Vorstellungen viele «melierte Häupter» beobachtet, strebt das Kino am Pool ein eher jugendliches Publikum an. Das OrangeCinema wiederum macht auf elegant und versucht, wie jedes Jahr, mit einer Arthur-Cohn-Gala Hollywood-Glamour nach Basel zu bringen.

Favoriten. Auf seinen Favoriten im Programm angesprochen, nennt Daniel Höltschi «The Wall» von Pink Floyd, der am 31. Juli auf dem Münsterplatz gezeigt wird. Der Film habe es nicht einfach, meint er, da das Publikum von heute zwar die Musik von Pink Floyd kenne, aber nicht wisse, dass es auch einen Film gebe.

Martin Kaiser vom Pool- Kino freut sich auf die Fortsetzung von «Pirates Of The Caribbean». «Schön ist auch der Film ‹Mrs. Henderson Presents›», meint er. Wer dagegen einen Schweizer Klassiker in der passendsten aller Umgebungen erleben will, muss dem Neuen Kino ins Sommer-Exil folgen. Auf einem Bauernhof in Reigoldswil zeigt es am 29. Juli «Ueli der Knecht».

>Eine gute Übersicht über alle Open-Air-Programme bietet Outnow