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Quelle: Basler Zeitung
24.01.2008; Seite bazab27, wirtschaft
«White Plaza» unter Vormundschaft
Die Bankenkommission entmachtet den Immobilienspekulanten Jürgen Amann
Michael Heim
Mit seinen Anlegern hat er sich verstritten, und die Staatsanwaltschaft Zug ermittelt gegen ihn wegen Betrugs: Jürgen Amann. Jetzt ist der Drahtzieher mehrerer Immobiliengesellschaften abgetaucht.
Seit gestern nimmt bei der Dr. Amann AG in Zug niemand mehr das Telefon ab. Die Website ist abgeschaltet. Der Hintergrund: Die Eidgenössische Bankenkommission (EBK) hat den Immobilienspekulanten in seinen eigenen Gesellschaften entmachtet. Per superprovisorische Verfügung hat sie die zahlreichen Amann-Gesellschaften am 11. Januar unter die Aufsicht des Revisionsunternehmens Ernst & Young in Basel gestellt, wie EBK-Sprecher Alain Bichsel gegenüber der baz bestätigt. Nun bestimmen die Wirtschaftsprüfer, was mit dem Basler «White-Plaza-Komplex» bei der Markthalle geschieht. Und mit zahlreichen anderen Immobilien.
Für Amann ist es nicht das erste Ungemach, an Hausdurchsuchungen hat er sich gewöhnt. Mehrmals standen Beamte bei ihm auf der Matte, um Dokumente zu beschlagnahmen. In Zug ermittelt die Staatsanwaltschaft. Doch mit dem Eingreifen der EBK nimmt die Affäre ein neues Ausmass an.
Die Bankenkommission wirft Amann das «Ausüben einer unterstellungspflichtigen Tätigkeit ohne Bewilligung» vor. Amann warb mit seinen Kommanditgesellschaften während Jahren um Anleger, vor allem in Deutschland. Er vermarktete sie dort unter der in der Schweiz unzulässigen Bezeichnung «Fonds». Er versprach den Investoren nicht nur sichere Gewinne und Steuervorteile, sondern auch die Aussicht auf eine AHV-Rente. Er begründete Letzteres damit, dass die Investoren Gesellschafter einer Personengesellschaft würden. Das Rentenversprechen musste er zurücknehmen – unzufriedene Anleger forderten darauf viel Geld zurück.
Amann wählte die Kommanditgesellschaft als Rechtsform, weil diese nur dürftig reguliert war. Als haftender Teilhaber war er seinen Gesellschaftern wenig Rechenschaft schuldig. Anleger bemängeln denn auch, dass die Geschäftsberichte der Amann-Gesellschaften meist dünn und nicht über alle Zweifel erhaben waren. Wenn sie geprüft wurden, dann oft von befreundeten Treuhändern. Der baz liegen mehrere solcher Geschäftsberichte vor.
Das neue Gesetz. Der Gegenwind verschärfte sich, als das Bundesparlament im Juni 2006 das Kollektivanlage-Gesetz (KAG) verabschiedete. Zum Jahresbeginn 2008 trat es definitiv in Kraft. Neu müssen Gesellschaften wie jene von Amann von der EBK zugelassen sein. Die Bedingungen dazu erfüllte er aber offenbar nicht. Bereits im Sommer 2006 habe die EBK erste Abklärungen über Amann getroffen, sagt EBK-Sprecher Bichsel. Doch erst das Gesetz gab ihr die Macht, gegen Amann vorzugehen. Im schlimmsten Fall – aus Sicht von Amann – enden die Ermittlungen der EBK in der Liquidierung aller Firmen. Viele der Anleger dürften dies wohl begrüssen.
Seit Jahren streitet Amann mit Anlegern und Treuhändern über Zuständigkeiten und über die Rechtskraft getroffener Entscheide. So wurde er in Sachen «White Plaza» an einer Gesellschafterversammlung abgewählt, worauf er eine neue Abstimmung durchführen liess, die wiederum von einem Teil der Anleger boykottiert wurde. In einzelnen Fällen endeten die Streitigkeiten vor Gericht. Faktisch sind zahlreiche Amann-Gesellschaften daher schon seit Langem handlungsunfähig.
Anzeigen. Auch im Falle der Basler Amann & Co VI, der das «White Plaza» gehört, waren Amann die Hände gebunden. Seit er eine Hypothek der Swiss Life über 66 Mio. Fr. nicht ablösen konnte und von dieser betrieben wurde, fliessen die Mieteinnahmen aus der Liegenschaft direkt via Betreibungsamt an die Lebensversicherung. Deutsche Anleger haben Amann zudem am Firmensitz in Zug angezeigt. Sie werfen ihm vor, Geld in andere Gesellschaften umgeleitet zu haben. Die Ermittlungen seien mehrheitlich abgeschlossen, sagt der zuständige Staatsanwalt, der nicht namentlich genannt werden will. Er rechnet damit, dass in «zwei bis drei Monaten» klar sei, ob es zu einer Anklage gegen Jürgen Amann komme.
Amann, der früher noch gerne öffentlich auftrat, ist inzwischen nicht mehr zu erreichen. Weder über seinen früheren PR-Berater, noch über seinen damaligen Anwalt, der von der baz als Erstes wissen will, ob denn schon ein Konkursverfahren laufe.
Die «geschlossenen Fonds» des Jürgen Amann
Übersicht. Jürgen Amann ging bei jedem Geschäft ähnlich vor. Er gründete eine Kommanditgesellschaft, an der sich die Investoren als Kommanditäre beteiligen können. Er selbst ist als Komplementär alleine verfügungsberechtigt. Die meisten Amann-Gesellschaften sind noch immer aktiv.
> Dr. Amann AG. Sitz in Zermatt. Gehört Amann und dient als zentrale Verwaltungsgesellschaft aller Kommanditgesellschaften.
> Amann & Co IV. Sitz in Zug, steht unter Aufsicht der EBK. Beinhaltet eine Liegenschaft an der Stauffacherstrasse in Zürich.
> Amann & Co VI. Sitz in Zug, steht unter Aufsicht der EBK. Beinhaltet die Liegenschaft «White Plaza» bei der Markthalle in Basel. Die Staatsanwaltschaft Zug ermittelt wegen einer Strafanzeige im Zusammenhang mit White Plaza.
> Amann & Co VIII. Sitz in Zermatt. Beinhaltet die Liegenschaft Hotel Schweizerhof in Zermatt.
> Amann & Co IX. Sitz in Zug, steht unter Aufsicht der EBK. Beinhaltet die Immobilie «Nevada», Zermatt.
> Amann & Co X. Sitz in Zug. Befindet sich in Liquidation und gleichzeitig unter Aufsicht der EBK. Beinhaltet die Liegenschaft «Herostrasse» in Zürich.
> Amann & Co XI. Sitz in Zug, steht unter Aufsicht der EBK. Beinhaltet Immobilien «Le Roc» in Roquebrune, Frankreich.
> Amann & Co XII. Sitz in Zug, steht unter Aufsicht der EBK. Beinhaltet die Liegenschaft «Badenerstrasse», Zürich.
> Amann & Co XIV. Sitz in Zug, steht unter Aufsicht der EBK. Beinhaltet Immobilien «Le Roc». Zweiter Teil der Firma XI. hec |
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