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© Basler Zeitung; 20.06.2008; Seite bazab32
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bazillus
Denial of Coffee

Michael Heim
Am Dienstag stellte Craig W. aus Australien einen Text mit dem Titel «Hacking Coffee Makers» ins Internet. Er beschrieb, wie man via Internet Kaffeemaschinen des Typs Jura F90 manipulieren könne. Der Vollautomat verfüge über ein «Connectivity Kit», mit dem der Besitzer am PC Einstellungen konfigurieren könne. Stolz bewirbt auch der Schweizer Hersteller das Gerät als «erste internetfähige Espressomaschine für den Haushalt».

Am Mittwoch landete die Meldung auf heise.de, dem Zentralorgan der deutschen Informatiker. «Hackerangriff auf Kaffeemaschine möglich» generierte innert Stunden Hunderte Kommentare.

Die Leser hatten ihren Spass: Die Abkürzung DRM (Digital Rights Management) stehe neu für «Digital Röst Management», spottet einer. «Wer seine Kaffeemaschine ans Netz hängt, hats nicht besser verdient», ein anderer. «Am Schluss lädt die Kiste sich noch ein mp3-File herunter!» Und ein dritter tauft den Hack spontan «Denial of Coffee Attack».

Die Sicherheitslücke schafft interessante Möglichkeiten: Ärgern Sie sich über Ihren hyperaktiven Nachbarn? Dann drosseln Sie einfach die Pulverzufuhr seiner Maschine. Leistet Ihr Bürokollege zu wenig? Wecken Sie ihn schon zu Hause mit einem extra starken Zmorge-Kaffi. Und geht Ihnen jemand so richtig auf den Wecker, so ärgern Sie ihn mit Kaffee-Spam: Stellen Sie die Wassermenge auf MAX und das Pulver auf MIN. Das Ergebnis wird untrinkbar sein. Und ihr Freund wird sich nach der Zeit zurücksehnen, als er den Kaffee noch von Hand ins Espresso-Dampfmaschinchen abgefüllt hat.

Eine baz-Anfrage bei Jura in Niederbuchsiten lässt die schöne neue Welt in Dampf aufgehen. Ein überzeugender Firmenvertreter beteuert, ein solcher Hack sei technisch gar nicht möglich, da die Kaffeemaschine nicht am PC angeschlossen und damit gar nicht online sei. Fazit: Mit «internetfähig» zu werben, hat seine Tücken. Die Kunden könnten es glauben...

Meldung und Kommentare bei heise.de: > www.baz.ch/go/kaffeeattacke