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© ProLitteris / Heim Michael / Basler Zeitung; 25.03.2006; Seite 4
schweiz

bazillus
Frühlingsausbruch im Parlament

Michael Heim
Im Nationalrat war gestern die schon mehrfach vertagte Beratung über den Frühling traktandiert. Alle grossen Parteien nahmen Stellung zum Übergang in die neue Jahreszeit.

Zu Beginn betonte die SVP ihre Opposition gegenüber dem Frühling. Dieser sei nichts anderes als der erste Schritt zum von der «linken Mehrheit im Bundesrat» angestrebten Herbst, sagte Nationalrat Urs Brülisauer. Die SVP drohte bereits, das Referendum zu ergreifen.

Die SP forderte, den Frühling zu überspringen und sogleich Verhandlungen mit dem Sommer aufzunehmen. «Seien wir so mutig und tun wir das einzig Richtige», apellierte Parteipräsidentin Vreni Amseldinger-Sonnenschein. «Wir können nicht ewig im Winter verharren. Im Sommer liegt die Zukunft.»

Klaus Ricardo schlug seitens der FDP vor, den Frühling zu privatisieren und die direkte Konkurrenz der vier Jahreszeiten zuzulassen. «So kann jeder Schweizer selbst entscheiden, wem er beitreten möchte.» Ohne diese Reform gerate die Schweiz zudem in Gefahr, vom globalen Markt ausgeschlossen zu werden, mahnte Ricardo. Die Liberalen folgten grundsätzlich dieser Argumentation. Die Baslerin Theodora Burckhardt betonte aber, dass man mit Blick auf den Föderalismus den Kantonen den endgültigen Entscheid überlassen sollte.

Als einzige der Bundesratsparteien sprach sich die CVP für den Übertritt zum Frühling aus. Ein Parteimitglied, das nicht namentlich genannt sein will, liess gegenüber der baz jedoch durchblicken, dass dieser Entscheid ein Kompromiss zwischen den beiden Flügeln der Partei sei, die entweder am Winter festhalten wollten oder den Sommerbeitritt befürworteten.

Zum Ende der rund zweistündigen Debatte wies Pius Würmli von der Grünen Partei darauf hin, dass die Diskussion grundsätzlich unsinnig sei. Als keine der anderen Parteien auf sein Votum eingehen wollte, verliess er kopfschüttelnd den Saal. Man sagt, er sei am Nachmittag beim Schwimmen in der Aare gesichtet worden.