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© ProLitteris / Heim Michael / Basler Zeitung; 04.02.2005; Seite 3

bazillus
Schau mir in die Augen, Banknote

Michael Heim
Dumm gelaufen. Auf 15 Jahre waren die Banknoten der aktuellen Serie angelegt, und die Hälfte dieser Zeit ist um. Viele dachten, es seien die letzten Frankenscheine - der Euro würde dereinst für Ersatz sorgen. Nichts da. Die Eidgenossen bleiben wie das kleine Gallische Dorf eine Bastion im vom Euro besetzten Europa und brauchen ihr eigenes Geld. Neues Geld.

«Wenn scho, denn scho» haben sich die Berner Bänkler gedacht und rufen auf zu Radikalem: «Weg mit den Köpfen!» Auf den Banknoten sollen uns keine Promis mehr begegnen, sondern Motive, die für die «weltoffene Schweiz» stehen. Darunter versteht die Nationalbank so ziemlich alles - von Wirtschaft bis Sport.

Ganz neu ist die Idee der kopflosen Banknoten nicht. Die EU hat es vor drei Jahren vorgemacht. Daneben sind es vor allem Länder in Afrika und Asien, die auf Gesichter verzichten. Früher waren es Herrscher, die das Geld zierten. In Monarchien und Diktaturen ist das auch heute noch so. Die Schweiz aber sieht sich gerne als eine elitefreie Zone und demonstriert das mit dem, was ihr am wichtigsten ist: mit Geld. Nationalen Führern hat sie nie gehuldigt, kein einziger Bundesrat fand den Weg auf eine Note. Noch nicht einmal General Guisan.

Ein erstes Mal abgewertet wurden die Porträts bei der Serie, die heute in Umlauf ist. Da wurden die Köpfe kurzerhand flachgelegt. Keiner hält Banknoten wohl je aufrecht in der Hand. Dennoch müsste man sie so betrachten, um den Taeuber-Arps und Giacomettis in die Augen schauen zu können. Das gibt es sonst nur noch in Israel, deren Noten den schweizerischen sehr ähnlich sehen. Die Folge des neuen Designs: Keiner weiss mehr, wie man die Scheine halten muss. Was ist oben? Das rechte oder das linke Ohr?

Und nun befreit sich die Schweiz ganz von ihren Vorbildern. Das könnte man so stehen lassen, wäre da nicht dieser eine Punkt. Die Nationalbank gibt als Grund für die neue Notenserie gesteigerte Anforderungen an die Fälschungssicherheit an. Doch so erstaunlich es klingt, auch die Köpfe haben dazu beigetragen. Nicht wenige Blüten wurden nämlich durch einen gezielten Blick in die «Augen» der Note entlarvt. Den Blick einer Person zu fälschen, ist nämlich gar nicht so einfach.