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© Basler Zeitung; 01.03.2003; Seite 2
Zweite
übrigens
Des Lesers feine Nase
Michael Heim
Jedes Druckerzeugnis riecht anders. Als die «NZZ am Sonntag» erstmals erschien, beklagten sich abgewanderte Leser der «Sonntagszeitung» über den «Gestank» des neuen Blatts. Sie rieche «wie ein Kohlenkeller», hiess es damals.
Auch Bücher haben einen spezifischen Geruch. Wenn ich ein Buch meines ehemaligen Professors öffne, fühle ich mich ins Studium zurückversetzt. Der Grund liegt nicht darin, dass das Inhaltsverzeichnis gleich aussieht, wie in all seinen übrigen Büchern. Es ist der typische Geruch.
Oft merkt man gar nicht, wie sehr man beim Lesen schnüffelt. Die Nase liest mit. Dies müsste von den Verlagen eigentlich berücksichtigt werden, sei es, dass Bücher mit passenden Düften versetzen werden - Heidi mit Tannenaroma beispielsweise -, sei es, dass Lektüre grundsätzlich mit angenehmen Gerüchen angereichert wird, um den Absatz zu steigern.
Doch auch das Gegenteil ist möglich und leider schon heute der Fall: Ich erinnere mich an ein Buch, das stank. Nicht, weil es bei mir zu Hause wochenlang zwischen zwei verdorbenen Pizzas gelegen hatte - nein, es stank «ab Werk». Das Buch hatte einen leicht säuerlichen Geruch, der beim Leser in etwa das auslöste, wonach er stank: Vom Lesen bekam ich Brechreize. Und wie es das Schicksal so wollte, war ich gezwungen, gute acht Wochen mit dem Buch zu arbeiten. Nach tagelangem nutzlosem Lüften fand ich die Lösung bei Giorgio Armani.
Ich war wohl der erste Besucher der Universitätsbibliothek, der ein parfümiertes Buch mit sich herumtrug.
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