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© Basler Zeitung; 07.12.2002; Seite 2
Zweite

übrigens
Die Schweiz - ein Entwicklungsland

Michael Heim
«Auch hier im Ausland mit Orange telefonieren ...» - diese Nachricht erhalte ich jeweils auf mein Natel geschickt, wenn ich im Aargau unterwegs bin.

Nun war ich vergangene Woche in einer Ecke Europas unterwegs, wo man eigentlich alles andere als eine perfekte technische Infrastruktur erwarten würde, im Norden Rumäniens. Dort bestellen die Bauern ihre Felder noch immer mit Pferden, denn Traktoren können sie sich nicht leisten. Leisten können sie sich aber eines der besten Mobilfunk-Netze. Noch im hintersten Winkel des Landes zeigen vier kleine Striche auf dem Display an, dass das Netz perfekte Gesprächsqualität bietet. Ich bin jederzeit erreichbar. Und ich könnte sogar UMTS nutzen. Könnte, denn da wir in der Schweiz noch nicht einmal an UMTS denken, habe ich auch kein entsprechendes Gerät. Aber ich könnte.

Klar, was die Schweizer Telefonkonzerne als Erklärung bieten: Die Schweiz sei halt kein Land wie jedes andere. Hier wollen die Menschen zwar telefonieren. Immer und überall. Gleichzeitig aber verhindern sie mit Einsprachen, dass neben ihrem Einfamilienhaus eine Antenne gebaut wird. Dort brauchen sie ja auch keine, denn zu Hause haben Sie den guten alten Festnetzanschluss. Auch die besondere Topografie der Schweiz muss oft als Begründung für so manches Funkloch herhalten, zum Beispiel in Riehen. Die Berge würden es verunmöglichen, das Land lückenlos abzudecken. Aber erstens haben wir in Basel keine Berge und zweitens macht just meine Telefongesellschaft damit Werbung, dass man sogar auf dem Albulapass telefonieren kann.

Und in Rumänien. Denn das Netz dort hat auch sie eingerichtet.