Hollywood vom Bosporus Die Basler Popcornkinos entdecken den türkischen Film
Michael Heim Gleich drei türkische Komödien laufen in der Steinenvorstadt. Sie erreichen ein ausschliesslich türkischsprachiges Publikum. Das ist Kalkül.
Wenn Arif im Film «A.R.O.G.» im steinzeitlichen Urwald Zwergsaurier wegkickt und Auge in Auge mit einem Tyrannosaurus Rex Zoten reisst, steht die Tricktechnik dem Vorbild «Jurassic Parc» in nichts nach. Der Saurier brüllt, der Mensch schwitzt. Doch Arif spricht Türkisch und der Film stammt nicht aus Hollywood.
«A.R.O.G.» ist einer von derzeit drei türkischen Filmen in den Basler Kinos. Es sind keine feinen Autorenfilme, die vor wenig Publikum gezeigt werden; die Filme laufen auf den grossen Leinwänden der Popcornkinos. Die Häufung sei Zufall, sagt Pathé-Manager Antonio Annecchiarico. Beabsichtigt sei aber die gezielte Ansprache der türkischen Kundschaft. Und so finden auch fast nur Türken den Weg in diese Filme.
Die Handlung von «A.R.O.G.» ist schnell erzählt: Teppichhändler Arif (Cem Yilmaz) wird vom ausseridischen Bösewicht Logar (ebenfalls Yilmaz) mit einer Zeitmaschine eine Million Jahre in die Vergangenheit geschickt. Während sich Logar im Jetzt an Arifs Freundin ranmacht, sucht dieser in der Steinzeit einen Weg zurück in die Gegenwart. «A.R.O.G.» ist gut gemachter Klamauk, irgendwo zwischen «Bill und Teds verrückte Reise durch die Zeit» und «Back to the Future». Technisch makellos umgesetzt, könnte der Film auch aus Kaliformien stammen, wäre da nicht Arifs Schnäuzchen und der in der Türkei allgegenwärtige Raki-Schnaps.
Für «A.R.O.G.» braucht der Zuschauer kein Vorwissen, bei «Osmanli Cumhuriyeti» («Die Osmanische Republik») sollte er sich hingegen etwas mit der Türkei auskennen. Der Film von Gani Müjde geht von einem Gedankenspiel aus: Was, wenn Reformator Atatürk als Bub verunglückt wäre und 2008 am Bosporus noch die Sultane herrschen würden?
Protektorat amerikas. Der Film zeigt eine Türkei zwischen Tradition und Bananenrepublik und scheut sich nicht vor politischen Anspielungen. So steht das Osmanenreich unter dem Protektorat der USA und gleichzeitig versucht die Regierung, das Land hinter dem Rücken des Sultans (Ata Demirer) an die EU zu verschachern. Trotz satirischer Elemente bleibt der Film in erster Linie aber eine brave Komödie, in der auch die Liebe nicht zu kurz kommt.
Gespannt erwartet wurde der Film « Muro » von Zübeyr Sasmaz, wird er doch als Fortsetzung von «Das Tal der Wölfe» vermarktet. Dieser polemisierte so bissig über die amerikanische Präsenz im Nahen Osten, dass ihn einige deutsche Kinos lieber wieder absetzten als sich den lustvoll empörten Kritikern stellen zu müssen.
Rebellen auf abwegen. « Muro » ist anders. Erzählt wird die Geschichte der beiden Möchtegern-Revolutionäre Muro (Mustafa Üstundag) und Çeto (Sefik Onatoglu), die aus dem Gefängnis kommen und feststellen, dass man sie während ihrer Haft gegen Geld mit zwei russischen Prostituierten verheiratet hat. Die beiden Landeier machen sich auf nach Istanbul, wo sie die Frauen suchen und zur Scheidung bewegen wollen. Dabei geraten sie in allerlei Schlamassel und in die Arme zweier anderer Russinnen.
« Muro » lebt von den Szenen. Wenn der hitzige Revolutionär und sein pragmatischer Gehilfe aneinandergeraten, wenn Revolution und Liebe gegeneinander abgewogen werden müssen, kann man herzlich lachen. Mit «Tal der Wölfe» hat der Film jedoch wenig zu tun. War jener eine politische Polemik, so ist « Muro » eine solide Komödie, die so auch in Frankreich oder Italien spielen könnte. Gutes Popcornkino halt.