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© Basler Zeitung; 14.02.2009; Seite bazab14
wirtschaft

Suisa senkt die MP3-Abgabe
Musikgeräte mit Flash-Speicher dürften deutlich günstiger werden

Michael Heim
Die vor zwei Jahren eingeführte Kopierabgabe auf MP3-Player und Videorekorder ergab 2008 rund 23 Millionen Franken Einnahmen. Nun wird sie massiv gesenkt.

Musik legal zu speichern, ist in kaum einem Land so teuer wie in der Schweiz. Seit eineinhalb Jahren erhebt die Suisa , die Gesellschaft für die Rechte der Urheber musikalischer Werke, auf jedem verkauften MP3-Player eine Gebühr. Zudem werden über den gleichen Tarif «4d» auch Videorekorder und TV-Boxen mit einer Festplatte besteuert.

Zwar wurde der noch junge Tarif bereits einmal korrigiert, weil er sich als zu teuer erwies. Doch auch so sind die Abgaben noch hoch: Wer etwa einen iPod nano von Apple kauft, bezahlt heute für 16 Gigabyte Speicher rund 31 Franken Abgabe. Und für einen gängigen Videorekorder mit 160 Gigabyte sind 60 Franken fällig (siehe Tabelle).

Das schenkt ein: Im vergangenen Jahr nahm die Suisa über den MP3-Tarif rund 23 Millionen Franken ein, wie Sprecher Martin Wüthrich erstmals bekannt gibt. Die Einnahmen entsprechen einem Vielfachen der einst wichtigen Kopiergebühren für Audio- und Videokassetten, und sie sind bei Weitem nicht die einzige Abgabe für das Kopieren geschützer Inhalte: Auf CD- und DVD-Rohlingen erhebt die Suisa weitere Kopiervergütungen in Millionenhöhe.

Nun liegt ein neuer MP3-Tarif den zuständigen Behörden in Bern zur Bewilligung vor. Er wurde zwischen den Urhebervertretern und den Nutzerverbänden im vergangenen Herbst einvernehmlich ausgehandelt, wie Wüthrich bestätigt. Voraussichtlich werde der Tarif auf den 1. Juli in Kraft gesetzt. Jürg W. Stutz, der für die Geräte-Importeure mitgefeilscht hat, nennt die neuen Ansätze: Für den erwähnten iPod fallen statt 31 nur noch 14 Franken an (minus 56 Prozent), der Videorekorder wird statt mit 60 noch mit 17 Franken belastet (minus 71 Prozent). Entsprechend müssten die Verkaufspreise im Sommer sinken.

diskrepanz. Andere Geräte werden hingegen teurer, denn mit dem neuen Tarif verschwindet die stark kritisierte Unterscheidung in Flash- und Festplattenspeicher. Heute ist die Abgabe für acht Gigabyte Flash sechsmal so hoch wie für gleich viel Festplattenspeicher – und das, obwohl gleich viel Musik darauf gespeichert werden kann.

Die Suisa begründete die Diskrepanz damit, dass der Flash-Speicher teurer sei und sich die Kopierabgabe auch am Umsatz der Geräte ausrichte. Künftig gilt jedoch für alle MP3-Player eine einheitliche Gebühr von 87 Rappen pro Gigabyte. Während damit die Flash-Geräte billiger werden, verteuert sich ein Gerät mit einer 120-GB-Festplatte wie der iPod classic um mehr als 70 Prozent: Statt 60 Franken erhält die Suisa künftig 104 Franken.

Unter dem Strich dürften die Einnahmen der Urheberrechtgesellschaften jedoch sinken, da die meisten Geräte mit Flash-Speicher ausgestattet sind. Betrachtet man die Gesamtheit aller verkauften Produkte, so sinke die durchschnittliche Abgabe pro Gigabyte auf einen Bruchteil, sagt Stutz. Was das für die Suisa finanziell bedeutet, will Pressesprecher Wüthrich nicht sagen.

Künftig werden die Einnahmen mit zunehmenden Speichergrössen auch nicht mehr automatisch zunehmen, so wie das heute der Fall ist. Eine neue Klausel im Tarif schreibt vor, dass bei neuen Geräten mit sehr viel Speicher die Suisa -Abgabe nicht mehr als einen Fünftel des Verkaufspreises ausmachen darf. Damit wird die von der technologischen Entwicklung ausgelöste «stille Progression» gedämpft, die für die zu hohen Gebühren verantwortlich war.