Sitemap kontakt


Besuchen Sie auch den "Sonntag"

 

txt@michaelheim

Navigation

Schwerpunkte
Glossen
Kommentare
IWB
Film
Suisa
Dr. Amann AG

Archiv

 

© Basler Zeitung; 28.05.2009; Seite bazab13
wirtschaft

 

Kommentar

Aus den Augen, aus dem Sinn

Michael Heim

Vorderhand haben die Buchhändler mit dem Entscheid des Nationalrats erreicht, was bisher praktisch allen Branchen verwehrt blieb; den Segen für ein Kartell, das den beteiligten Firmen Bruttomargen zwischen 30 und 50 Prozent garantiert. Das ist stossend. Hohe Rabatte, von denen die Kunden in den vergangenen zwei Jahren profitieren konnten, werden mit dem Gesetz amtlich verboten.

Gleichzeitig verkennen die Parlamentarier aber auch die Realität des Marktes. Denn keiner kann Händler im Ausland daran hindern, die vorgeschriebenen Preise zu umgehen – ob das nun erlaubt oder verboten ist. Das Gesetz verlagert das Geschäft mit sparsamen oder wenig betuchten Lesern lediglich ins Ausland. Und mit ihm wohl auch den einen und anderen Billiganbieter.

Die roten und gelben Rabatttafeln dürften damit beseitigt sein, nicht aber die Konkurrenz. Doch den Politikern scheint das zu reichen, ganz nach dem Motto: Wenn wir die Discounter nicht mehr sehen, dann stören sie uns auch nicht mehr.

michael.heim @baz.ch

Zurück ins Buchpreis-Kartell
Der Nationalrat will Rabatte von mehr als fünf Prozent bei Büchern verbieten

Michael Heim
Der Nationalrat will die Zeit der Buchrabatte beenden. Schon bald sollen wieder alle Läden mehr oder weniger die gleichen Preise verlangen müssen. Einzige Ausnahme: Internethändler wie Amazon.


Die Überraschung war perfekt, als gestern der Nationalrat nicht nur beschloss, die Buchpreisbindung in der Schweiz wieder einzuführen, sondern gleich auch noch die Vorlage im Sinne der Buchhändler abänderte. «Ich hätte nicht gedacht, dass wir so gut durchkommen», sagte Dani Landolf, Geschäftsführer des Buchhändlerverbandes SBVV zur BaZ, während er die Champagnerflaschen entkorkte. «Das ist ein Sieg für den Buchhandel. Wir freuen uns, dass wir so weit sind.»

Eher gedämpft war die Stimmung aufseiten der Gegner regulierter Preise. Er befinde sich in der «Trauerphase», meinte Ex-Libris-Sprecher Roger Huber. Dass er mit seinen Argumenten für freie Preise bei den Parlamentariern derart abprallen würde, hätte er nicht gedacht. Noch gibt Ex Libris seine Discountstrategie jedoch nicht auf. Wie bereits im Vorfeld geplant, verlängert die Migros-Tochter ihre Rabattaktion um einen weiteren Monat.

Im Parlament hatte die Buchpreisbindung einen starken Rückhalt. In der Eintretensdebatte sprachen sich nur gerade 78 Parlamentarier gegen das Preisbindungsgesetz aus; 106 waren dafür. Am Ende stimmten dem vorliegenden Gesetz dann 103 Nationalräte bei 74 Nein-Stimmen und 5 Enthaltungen zu.

Kein Preisüberwacher. Das Gesetz wurde während der vierstündigen Beratung noch einmal stark geändert. Ursprünglich war vorgesehen, dass der Preisüberwacher einschreiten muss, wenn Preise von importierten Büchern in der Schweiz deutlich über denen im Ursprungsland liegen. Gestern aber übernahmen die Parlamentarier mit einem hohen Mehr von 149 zu 25 Stimmen das sogenannte «Bandbreiten-Modell». Dieses sieht vor, dass die Verlage in der Schweiz für die gleichen Bücher bis zu 20 Prozent mehr verlangen können als im Ausland. Immerhin wird die Preisdifferenz unter Ausklammerung der im Ausland meist höheren Mehrwertsteuer berechnet, wie es SVP-Nationalrat Hans Kaufmann verlangt hatte. Auf die vom Verlag festgelegten Richtpreise dürfen die Buchhändler privaten Kunden dann noch maximal fünf Prozent Rabatt geben.

Nische Internet. Gewinner des neuen Gesetzes sind auch die Internetbuchhändler im Ausland, denn sie werden – aus Gründen der Machbarkeit – explizit von der Preisbindung ausgenommen. Ex-Libris-Sprecher Huber bezeichnet das Gesetz denn auch als «Konjunkturförderung für Amazon». Ex Libris spielt derweil mit dem Gedanken, seinen eigenen Internetshop ins Ausland zu verlegen. Bereits sprach Huber gestern von der Möglichkeit, im süddeutschen Thayngen eine neue Ex-Libris-Filiale zu gründen. Schon heute wird jedes zehnte Buch über einen Internethändler bezogen. Neben Amazon hat auch Ex Libris dieses Geschäft stark ausgebaut.

Noch ist die Preisbindung nicht definitiv eingeführt. Voraussichtlich im Herbst dürfte der Ständerat darüber entscheiden, worauf die Vorlage – wird sie nicht ganz gekippt – erneut dem Nationalrat vorgelegt würde.