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© Basler Zeitung; 02.07.2009; Seite bazab12
wirtschaft
Allreal schnappt sich «White Plaza»
Anleger von Jürgen Amanns Immobilienreich dürften die Hälfte ihrer Investition verlieren
Michael Heim
Seit Jahren stand das Bürogebäude beim Bahnhof SBB unter Zwangsverwaltung. Nun kauft es die Allreal-Gruppe – die nebenan die Markthalle umbaut – für rund 100 Millionen Franken.
Die Immobiliengesellschaft Allreal hat Richard Meiers Gebäude «White Plaza» beim Bahnhof SBB erworben. Die Transaktion sei zum Monatswechsel abgewickelt worden, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Allreal dürfte für das Haus, das die Unternehmen Panalpina und Tally Weijl beheimatet, knapp hundert Millionen Franken bezahlt haben, wie Allreal-Sprecher Matthias Meier andeutet. Derzeit es «nahezu» voll vermietet. Nur ein «kleiner» Mieter habe vor wenigen Tagen gekündigt.
Der Kauf sei infolge einer bewussten Ausweitung der Tätigkeit in der Region Basel erfolgt. Dass der Zukauf gleich neben dem Basler Allreal-Projekt Markthalle liege, sei aber ein Zufall, betont Meier.
Dem Verkauf ging eine längere Leidensgeschichte voraus, denn bisherige Inhaberin war die festgefahrene Dr. Amann & Co VI Sachwert-Beteiligung Kommanditgesellschaft (kurz: KG 6) aus dem Firmengeflecht von Jürgen Amann.
Anleger ohne macht. Amann hatte nach dem stets gleichen Muster Liegenschaften erworben: Als Basis diente jeweils eine Kommanditgesellschaft, in der er ohne Kapital alleine bestimmender Gesellschafter war und an der sich Kleinanleger als stimmlose Kommanditäre beteiligten. In der Regel taten sie das über zwischengeschaltete Treuhänder. Nicht wenige Anleger stammten aus Deutschland und viele suchten in der Schweiz auch Steuergewinne. Insgesamt lenkte Amann zwei Handvoll Firmen über seine Dr. Amann AG.
Über Kredite und Rechnungen schob Amann Geld frei zwischen den Firmen umher. Nicht selten fehlten testierte Jahresabschlüsse und so verschleierte sich die Vermögenslage der einzelnen Firmen zunehmend. Die Basler KG VI wurde daher während Jahren vom Betreibungsamt geführt.
Anfang 2008 setzte die damalige eidgenössische Bankenkommission (EBK) dem Treiben ein Ende. Sie beauftragte die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young als Untersuchungsbeauftragte. Inzwischen befinden sich die meisten Gesellschaften – bis auf die Zermatter KG 8 und KG 9 – in Liquidation. Aufgrund der verschiedenen Querverbindungen erweist sich diese jedoch als schwierig, wie Liquidator Daniel Aerni gegenüber der BaZ betont. Er und seine Kollegen seien noch immer daran, Unterlagen zu sichern und Jahresabschlüsse zu rekonstruieren.
Kredite abbezahlt. Mit dem Verkaufserlös von White Plaza wurden erste Gläubiger bedient. So sei der Hypothekarkredit der Versicherungsgesellschaft Swiss Life über 66 Millionen Franken aufgelöst worden, sagt Aerni. Zudem habe die KG 6 einen weiteren Kredit abbezahlt, von dem sie gar nie selber profitiert hatte. Jürgen Amann hatte einst ein Darlehen, das er selber von einer Investmentgesellschaft in Belize aufgenommen hatte, mit einem Grundpfand auf der KG 6 abgesichert. Dieses Pfand hat Ernst & Young nun ebenfalls abgelöst. Zwar besitzt die KG 6 nun eine Gegenforderung gegenüber Amann. Beteiligte zweifeln jedoch daran, dass diese je beglichen wird.
Gabriele Kubatzki, die Anleger verschiedener Amann-Gesellschaften vertritt, rechnet bei dem geschätzten Verkaufspreis von gegen hundert Millionen Franken mit einem Verlust von rund fünfzig Prozent für die Investoren der Basler KG 6. Sie wirft Ernst & Young und der damaligen EBK (heute Finma) vor, den Anlegern entstehe durch die Liquidation ein unnötig grosser Schaden.
Kubatzki hatte mehrmals gefordert, die KG 6 in eine neue, legale Form zu überführen und so gab es denn auch Bestrebungen über eine Neugründung. Das Projekt habe sich jedoch als «nicht realisierbar» herausgestellt, meint Liquidator Aerni. «Die Anleger haben sich da ziemlich falsche Vorstellungen gemacht.»
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