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© Basler Zeitung; 08.06.2009; Seite bazab13
wirtschaft

Der Wettbewerb drückt auf die Preise der Kinos
Seit der Eröffnung des Pathé-Multiplex vor zwei Jahren sinken in Basel die durchschnittlichen Erträge

Michael Heim
Das Pathé-Multiplex hat den Kinoplatz Basel in Bewegung gebracht. Rabatte drücken auf die Preise, die Eintrittszahlen aber sind höher als noch vor der Eröffnung.

Das Angebot macht die Nachfrage. Diese Regel scheint auch in der Unterhaltungsindustrie zu stimmen, denn seit ein paar Jahren ist Basel wieder etwas mehr Kinostadt als auch schon. Zwar gingen auch hier – wie in der restlichen Schweiz – die Eintritte in den letzten zwei Jahren leicht zurück; um vier Prozent im Jahr 2007 und um zwei Prozent im 2008. Doch diese Einbussen waren weit geringer als der Schweizer Durchschnitt. Auch fanden sie auf einem hohen Niveau statt, denn die Eröffnung des Pathé-Multiplex-Kinos in der Steinenvorstadt hat zu einem deutlichen Ansteigen der Eintritte geführt, wie Zahlen des Bundesamts für Statistik für die Kinos in Basel-Stadt und Baselland zeigen. Nur gerade das Spitzenjahr 2002 erzielte in den letzten zwölf Jahren einen ähnlich hohen Wert.

Allerdings konnte die Auslastung der Kinos nicht mit dem Wachstum mithalten. Besuchten vor Eröffnung des neuen Grosskinos im Schnitt noch etwa 44 Menschen eine Vorführung, so liegt dieser Wert wegen des grösseren Angebots nun bei rund 30 Zuschauern.

Pathé hat mit seinem Grosskino einen anständigen Teil der Basler Kundschaft für sich gewinnen können und weist nun einen Marktanteil von rund 45 Prozent auf. «Die Studiokinos haben ihren Marktanteil halten können», wie Mitarbeiter Tobias Faust sagt, und so dürfte die Kitag-Gruppe die Verliererin des Pathé-Markteintritts sein.

Noch etwas hat sich mit der Eröffnung des «Pathé Küchlin» im November 2006 geändert: Erstmals seit Langem sinken die Eintrittspreise in Basel. Zwar kostet ein Billett laut Preisliste noch immer bis zu 18 Franken (siehe Tabelle). Doch die Kinobetreiber haben zahlreiche Rabatte eingeführt, die den tatsächlich bezahlten Preis drücken. Und so gaben die Basler 2008 im Durchschnitt 15 Franken für den Kinobesuch aus. Seit 2003 lag dieser Wert immer über 15 Franken.


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Ein kleiner Teil der Preissenkung dürfte auf eine Verlagerung der Einnahmen zurückzuführen sein. So bezahlen etwa Inhaber einer Kundenkarte der Pathé-Gruppe eine Jahresgebühr von 20 Franken, die in den Kassenstatistiken nicht erfasst sind. Zudem verlangen alle drei grossen Kino-betreiber eine Gebühr für das Ausstellen der Kundenkarte – bei der Kitag sind das stolze 60 Franken. Wenig Freude an dieser Verlagerung dürften die Filmverleiher haben, sind sie doch an den Billettpreisen mit 30 bis 50 Prozent beteiligt, nicht aber an sonstigen Erträgen der Kinos.

Rabatte. Der grössere Teil der Preiseinbusse dürfte jedoch auf Rabatte und Aktionen zurückzuführen sein. Pathé verteilt in Basel immer mal wieder Gutscheine – bis vor Kurzem etwa in Zusammenarbeit mit dem Detailhändler Fnac – und fast alle Kinos bieten inzwischen Rabatte für Rentner oder Jugendliche an. Noch vor ein paar Jahren, zur Zeit des Preiskartells, gab es solche Vergünstigungen weit seltener. Es sei denn auch eher schwierig geworden, die Preise zu vergleichen, sagt Suzanne Schweizer von der Kultkino AG.

Für angefressene Filmfans gibt es inzwischen sogar Generalabonnements. Vorreiter war in dieser Hinsicht das Stadtkino mit seinem Passepartout. Nun sind auch die Premierenkinos nachgezogen: Zunächst hat Pathé Anfang Jahr seinen «Ciné Pass» eingeführt, vor einem Monat ist die Kultkino-Gruppe mit «Cineviel» nachgezogen.

Für cinephile. Die beiden Abonnements kosten 420 Franken pro Jahr und unterscheiden sich lediglich dadurch, dass sich das Pathé-Abo nach einem Jahr automatisch im Monatsrhythmus verlängert, während das Kultkino-Pendant keinen Automatismus kennt. Grob gesagt, lohnt sich ein solches GA ab einem jährlichen Kinobesuch von rund dreissig Vorstellungen.

Dass die beiden Angebote praktisch identisch sind, ist kein Zufall. Offenbar lag das Konzept bei den Kultkinos seit Längerem fertig in der Schublade, geriet dann aber über eine Indiskretion an die Konkurrenz, welche diese kurz darauf am Markt einführte.

Für die Kinos ist das Abo ein Spekulationsgeschäft mit einem nicht unerheblichen Risiko. Während der Kunde eine Pauschale entrichtet, müssen die Kinos die Verleiher für jeden besuchten Film entschädigen. Geht ein Aboinhaber mehrmals pro Woche ins Kino, wird das Generalabonnement für das Kino irgendwann zum Verlustgeschäft.