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© Basler Zeitung; 23.10.2009; Seite bazab19
wirtschaft
Wie saugt man einen Staubsauger?
Michael Heim
Vor Kurzem hat mein Staubsauger, ein altes Erbstück, den Geist aufgegeben. Und da sich gerade keine neue Occasion abzeichnete, machte ich mich auf, mir zum ersten Mal einen Staubsauger zu kaufen.
Ich beschloss, die schnelle Variante einschlagen. Ja kein zu grosses Interesse zeigen, einfach mit männlich-nüchterner Distanz zur Hausarbeit irgendein Gerät kaufen. Nach nur drei Minuten Beraterkontakt im Warenhaus hatte mir die Verkäuferin ein passendes Modell empfohlen. Ich entschied aber, noch einmal darüber zu schlafen.
Am nächsten Tag ging ich nicht direkt zurück ins Warenhaus, sondern schaute noch «kurz» beim Discounter vorbei. Das war ein Fehler.
Plötzlich stand ich vor einer Staubsaugerparade, die sich über einen gefühlten Kilometer erstreckte. Sauber parkiert, einer neben dem anderen. Da gab es welche mit Staubbeutel und solche mit ohne. Solche mit Pollenfilter und solche mit einfachen Filtern (überhaupt scheinen diese Geräte an allen Ecken Filter eingebaut zu haben). Und natürlich gab es Einwegfilter, waschbare Filter und selbstreinigende Filter. Leistungsstarke Motoren und Leichtgewichte. Wattzahlen für die Leistung der Maschine und Wattzahlen an der Düse. Düsen für Teppich oder Parkett und solche für beides. Und Aktionsradien in allen Vorstellungsbereichen. Ich liess mir alles erklären.
Kurz vor der Vertagung meines Kaufentscheids sagte ich Ja zu einem beutellosen kleinen Allzweckwerkzeug mit Mehrweg-Abgas-Filter. Ich fuhr nach Hause und freute mich zum ersten Mal aufs Staubsaugen.
Nach dem ersten Zimmer machte ich mich an die Erfolgskontrolle. Das schöne an beutellosen Saugern ist, dass einem der ganze Staub, der zuvor unter dem Bett und hinter dem Schreibtisch lag, in einem transparenten Gefäss vorgeführt wird. Ich blickte auf mein Werk. Erstaunlich, wie verdreckt die Wohnung plötzlich gewesen ist.
Dann passierte es. Als ich die Staubkassette wieder einsetzen wollte, berührte ich versehentlich die Taste, die den Boden – zwecks Entleerung – entriegelt. Klack! Als ich mir der Bedeutung dieser Handlung bewusst wurde, hatte sich der ganze Staub auch schon leise, aber ultimativ in die Eingeweide des Staubsaugers niedergelassen. Milben, Haare und Fusel breiteten sich in meiner Powermaschine aus. Super!
Doch wie saugt man Staub im Innern eines Staubsaugers wieder aus diesem heraus? Dieser Fall war im Handbuch nicht vorgesehen.
Und so stand ich eine halbe Stunde nach Beginn der neuen High-Tech-Ära wieder da, wo ich herkam: In der Küche vor dem Regal mit Besen, Plastikschaufel und den antistatischen Papiertüchern aus der Fernsehwerbung. Und meine Begeisterung fürs Putzen war so fern wie nie.
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