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© Basler Zeitung; 19.09.2009; Seite bazab17
heute - Leitartikel

Das süsse Gift der Versicherung
Der Ausbau der Einlagensicherung hat nicht nur Vorteile

Michael Heim
Mehr Anlegerschutz, eine gute Idee?

Ja, ist man versucht zu sagen. Und so haben auch die Politiker in- folge der Finanzkrise einen besseren Schutz der Spargelder auf Schweizer Bankkonten propagiert. Das Ergebnis hat uns der Bundesrat diese Woche präsentiert: ein schönes Päckli aus einer höheren Obergrenze für die geschützten Spargelder (100 000 Franken statt 30 000 Franken), einen mit Kapital ausgestatteten Auffangfonds und eine über eine Versicherungsprämie abgegoltene Staatsgarantie für den Fall, dass der Fonds nicht ausreicht. Die Bankkunden sind glücklich und Politiker aller Couleur sind froh über ein Geschäft, mit dem sie bei den Wählern punkten können.

Doch ist es so einfach? Hanspeter Hess, Präsident des Verbandes der Kantonalbanken, die heute als einzige Banken mit einer Staatsgarantie werben können, spricht von einer «populistischen Vorlage» und hat damit wohl nicht ganz unrecht, denn der Ausbau der Einlagensicherung sendet unerwünschte Signale aus.

BEEINFLUSSBAR. Versicherungen haben nicht nur positive Effekte. Klar, sie sorgen dafür, dass im Schadensfall den Versicherten kein Verlust entsteht. Doch Wissenschaftler sind sich darüber einig, dass nur Schäden versichert werden sollten, deren Eintreten nicht beeinflusst werden kann. Gegen Einbrüche kann man sich versichern. Auch gegen schwere Krankheiten. Wenig sinnvoll aber sind Versicherungen gegen das Versagen im Sport oder gegen das Ausbleiben von Aufträgen im Beruf. Denn hier kann der Versicherte beeinflussen, wie wahrscheinlich das Ereignis ist, gegen das er versichert ist.

Was hat das mit Sparkonten zu tun? Mehr, als man denkt. Zwar trifft die Kunden meist keine Schuld, wenn ihre Bank den Konkurs anmelden muss. Und doch haben sie eine – begrenzte – Möglichkeit, einen Verlust ihrer Spargelder zu verhindern. Etwa, indem sie sich schlaumachen über die Bank, der sie ihr Geld anvertrauen. Oder indem sie hinterfragen, warum eine Bank mehr Zins bezahlt (bezahlen muss) als alle anderen.

Im Nachhinein wusste jeder, dass bei der Bank Kaupthing, die mit hohen Zinsen in der Schweiz um Kunden buhlte, etwas nicht stimmen musste. Oder bei Dieter Behring, der seinen Investoren zweistellige Renditen versprach. Oder beim European Kings Club.

Zinssätze entstehen nie zufällig. Banken, die dringend auf Geld angewiesen sind, bezahlen mehr Zins als andere, die eher zu viel Kundengeld in ihrer Bilanz stehen haben. Banken, die riskant spekulieren, sind eher bereit, hohe Zinsen zu bezahlen als andere, die das Geld konservativ in Form von Hypotheken ausleihen.

Die Einlagensicherung entbindet den Bankkunden jedoch davon, sich genau diese Überlegungen zu machen, und die Vergangenheit gibt ihm recht. Mussten die Kleinanleger der Spar- und Leihkasse Thun noch um ihren Sparbatzen zittern, wurden die Kaupthing-Kunden schon kurz nach der Schliessung der Bank durch Geld aus der Einlagensicherung ausbezahlt. Zumindest im Falle der ersten 30 000 Franken.

Je besser der Einlagenschutz ist, desto schlechter funktioniert die Auslese unter den Banken. Warum soll ich mich als Kunde um die Seriosität kümmern, wenn am Ende der Staat für die Schulden geradesteht? Oder ein Auffangfonds?

UBS. Der UBS sind in den vergangenen Monaten riesige Summen abgezogen worden. Sie flossen zu Kantonalbanken, zu Regionalbanken und sogar zu anderen grossen Instituten wie der Credit Suisse. Die Kunden taten das nicht nur, weil ihnen das Verhalten der Grossbanken unsympathisch war, sondern auch, weil sie so ihr Vermögen schützen wollten. Selbstverständlich ist es ein nobles Ziel, Kleinsparer im Notfall zu schützen. Von der Verantwortung, sich genau zu überlegen, wo man sein Geld investiert, sollte jedoch niemanden entbunden werden. Sonst ist die nächste Krise vorprogrammiert..

michael.heim @baz.ch