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© Basler Zeitung; 06.08.2009; Seite bazab13
wirtschaft
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Tageskommentar
In Spanien für Spanien
Michael Heim
Das Vorhaben von IWB und EBL in Spanien ist löblich: Mit dem Solarkraftwerk in Murcia wird eine neue Technologie vorangetrieben und getestet. Dort, wo die Sonne am stärksten scheint, wird sie verstromt. Die Logik stimmt.
Doch das Projekt muss relativiert werden. Einmal wegen seiner Grösse: Mit einem erhofften Output von 49 Gigawattstunden im Jahr würde das Kraftwerk gerade einmal drei Prozent dessen decken, was alleine die IWB verkaufen. Bei einem Wachstum von jährlich einem Prozent reicht das nicht lange aus.
Relativ ist auch der Bezug zur Schweiz. Wer denkt, Basler Konsumenten kämen nun in den Genuss von spanischem Solarstrom, der irrt. Zwar ist es nie so, dass genau jener Strom aus der Steckdose fliesst, der im Kraftwerk des Anbieters produziert wurde. Auch das, was die IWB als Wasserstrom aus den Alpen verkaufen, ist physikalisch betrachtet eher deutscher Atom- oder Kohlestrom. Doch immerhin muss für jedes Watt Leistung, das in Basel als Wasserstrom bezogen wird, in einem Kraftwerk irgendwo in der Schweiz ein Watt ins Netz eingespiesen werden. Die Rechnung geht auf.
Die Produktion in Spanien hingegen wird komplett unabhängig vom Konsum in Basel laufen. Weder nimmt im Strommix von IWB und EBL der Anteil des Solarstroms zu, noch steht die Produktion in Murcia in einem direkten Bezug zum Verbrauch in Basel oder Liestal. Der Nutzen ist rein finanziell.
Das Engagement in Spanien ist interessant und steht trotz allem im Dienste der Umwelt, denn es ersetzt tendenziell Energie aus dreckigeren Kraftwerken. So Geld zu verdienen, ist nicht die dümmste Idee.
michael.heim @baz.ch
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Das Stromgeschäft lockt im Ausland
Trotz Investition in spanischen Solarstrom bleibt der Schweizer Strommix unverändert
Michael Heim
IWB und EBL planen ein Solarkraftwerk im Süden Spaniens. Doch weder Ökozertifikate noch Strom fliessen in den Schweizer Heimmarkt.
Weil es in der Schweiz immer schwieriger wird, neue Kraftwerke zu bauen, suchen Schweizer Stromversorger zunehmend das Heil im Ausland. Die beiden regionalen Anbieter Industrielle Werke Basel ( IWB) und Elektra Baselland (EBL) planen nun quasi eine spanische Kleinversion des Wüstenkraftwerks «Desertec». In der Region Murcia bauen sie zusammen mit dem süddeutschen Lieferanten Novatec Biosol für rund 225 Millionen Franken ein Solarkraftwerk.
Das Kraftwerk arbeitet nicht mit Fotovoltaik-Kollektoren, sondern mit Dampfgeneratoren. Vereinfacht gesagt wird Sonnenlicht mithilfe von Spiegeln gebündelt und auf Wasserleitungen gelenkt. Das erhitzte Wasser betreibt dann die beiden Dampfturbinen mit einer Leistung von je 15 Megawatt. Pro Jahr rechnen die Investoren mit einer Produktion von 49 Gigawattstunden.
Ohne Wasser. Bereits heute steht am Standort des geplanten Kraftwerks eine Pilotanlage mit 1,5 Megawatt Leistung. Das neue Kraftwerk unterscheide sich von diesem dadurch, dass es ohne Wasserkühlung auskomme, erklärt Martin Selig von Novatec Biosol – in Spanien ein klarer Vorteil.
Baubeginn soll noch diesen Herbst sein, sagt Beat Andrist, Bereichsleiter Strom von EBL. Die Inbetriebnahme des Kraftwerks soll 2011 stattfinden.
Bedingung für das Projekt ist die Teilnahme am spanischen System der Einspeisevergütung für Solarstrom. Der Antrag dazu sei eingereicht, jedoch noch nicht bewilligt, sagt Andrist. Es sei aber «so gut wie sicher», dass man die Zulassung erhalte.
Das gewählte Modell garantiert eine Subvention von 26 Cent (40 Rappen) pro Kilowattstunde. Hinzu komme der am Markt erzielte Verkaufspreis, sodass mit einem Ertrag von 33 Cent (50 Rappen) gerechnet werden könne, rechnet Andrist vor. Die Produktionskosten nach Abschreibungen schätzt er auf etwa 30 Cent.
Kein Strom für Basel. Mit der Einspeisung des Stroms in das spanische Netz wird das Engagement der Nordwestschweizer Stromversorger jedoch zu einem primär finanziellen Engagement. Sowohl Andrist als auch IWB-Sprecher Erik Rummer bestätigen, dass das Solarkraftwerk den Strommix der Schweizer Kunden nicht verändere. Mit der Inanspruchnahme der Einspeisevergütung gehen die Ökozertifikate des Solarstroms an die Spanier über.
Im Prinzip fliesst nur Geld aus Spanien in die Schweiz. Damit kaufen IWB und EBL Strom für ihre Kunden ein. Ob das Solar-, Wind- oder Atomstrom ist, entscheidet die jeweilige Nachfrage. Oder in Basel die Eigentümerstrategie der IWB, die das Stadtwerk auf erneuerbare Energie beschränkt. Immerhin dürften die IWB den in Spanien produzierten Strom an die Eigenproduktion anrechnen, sagt Pressesprecher Rummer. Die IWB sind verpflichtet, 80 Prozent des verkauften Stroms aus eigenen Kraftwerken zu beziehen.
Ein Solarkraftwerk in Spanien zu bauen, habe nicht nur den entscheidenden Vorteil, dass dort die Sonne intensiver scheine, sagt Beat Andrist. «Anders als in der Schweiz ist der Stromverbrauch in Spanien dann am höchsten, wenn die Sonne am stärksten scheint», erklärt er. Der Grund liegt in den Klimaanlagen, die zu den ganz grossen Stromfressern gehören.
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