|
Gehören Sie auch zu den Leuten, die am Ende des Monats ihre
Einzahlungsscheine nehmen, alles aufaddieren und dann mit
einem kleinen Fresszettel, auf dem die Summe steht, an den
Bankschalter spazieren, um genau (!) 1'437 Franken 75 abzuheben?
Ich hasse ja solche Menschen.
Nicht nur, weil ich früher mal an genau so einem Bankschalter
gearbeitet habe und am Monatsende jeweils zu wenig Münz in
der Kasse hatte. Und am Abend eine Kassendifferenz.
Nicht nur, weil ich natürlich immer am Monatsende einen eingeschrieben
Brief bekomme, den ich bei uns auf der (schon bald geschlossenen?)
Quartierpoststelle abholen muss. Dort warten dann jeweils
schon hundert Leuten auf mich, die alle ein gelbes Büchlein
in der einen Hand und ein dickes (klimperndes) Couvert in
der anderen Hand halten.
Nicht nur, weil ich es mühsam finde, wenn mir bei einer Einzahlung
mehr Spesen verrechnet werden, als Geld eingezahlt wurde,
nur weil ein lieber Freund mit dem Einzahlungsschein, den
ich ihm - nichts böses ahnend - gegeben habe, an den Postschalter
spaziert ist.
Nein, eigentlich ist es mehr die Lebenseinstellung dahinter,
die mich stört. Heute haben wir doch eigentlich die bequemsten
Möglichkeiten, Rechnungen einfach zu begleichen. Quick-Zahlungsaufträge,
Internetbanking, Daueraufträge, LSV und... und... und... All
dies haben freundliche Bank- und Postbeamte erfunden, um uns
von ihren Schaltern fern zu halten. Und trotzdem gehen immer
noch viele Leute - und ich kenne sogar Bankangestellte, die
das machen - persönlich mit Bargeld auf die Post. Wieso machen
sie das? Ist es eine Kontrollsucht? Vertrauensmangel? Nostalgie?
Ich habe keine Ahnung!
Langsam beschleicht mich das dumme Gefühl, Poststellen-Schliessungen
seien wirklich das einzige Mittel, diesem Treiben ein Ende
zu setzen. Nur dass ich dann meinen eingeschrieben Brief in
Bern abholen muss.
|