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Quelle: www.gezetera.ch
Gezetera online, studentisches Portal der Universität Basel.
Kolumne: Adam Smith spricht zur Welt (Wirtschaftler-Kolumne)
Diese Kolumne eröffnete die Serie "Adam
Smith spricht zur Welt", in welcher Wirtschaftsstudenten über
Wirtschaft, Wirtschaftler, Nichtwirtschaftler und ganz speziell
die gespaltene Beziehung zur intellektuellen Menschheit beschrieben.
Expedition in die Welt der schwarzen Brillen
Diese Intellektuellen sind schon komische Leut'. Als ich zum ersten
Mal eine Vorlesung zusammen mit Studenten der Philosophisch-Historischen
Fakultät besuchte, - ich glaube es war Soziologie - dachte ich mir,
so müsse es gewesen sein, als Kolumbus am Strand den Indianern gegenüber
stand. Zwei verschiedene Arten von Studenten trafen aufeinander.
Auch heute habe ich wieder Vorlesungen ausserhalb meiner eigenen
Fakultät (rer. pol.), diesmal freiwillig. Die medienwissenschaftlichen
Vorlesungen sind immer gut besucht und auch diesmal erkenne ich
den Hörsaal immer, ohne auf die Zimmernummer zu achten. Denn, auch
wenn das jetzt beinahe schon rassistisch tönen mag, den Unterschied
zwischen Ökonomen und Philosophen sieht man! Vor ein paar Jahren
war ja das Wirtschaftliche Institut selbst noch "phil eins", heute
scheint es eine autonome Welt. Aber wie sieht ein Besucher die philosophische
Studentenschaft? Ist es das Gefühl, den letzten 68ern gegenüber
zu stehen? Ist es dieser spezielle Modestil (gepflegt aber nicht
elegant, farbig aber nicht grell, altmodisch aber nicht veraltet,
schwarze Hornbrille)? Oder ist es dieser ruhige überlegte Eindruck
- die Vermutung, das Gegenüber würde vor lauter Introvertiertheit
in sich selbst versinken? Die Angst davor, der "Phileinser" könnte
jeden Moment etwas sagen, bei dem ich als Ökonom intellektuell nicht
mithalten kann? Wirtschaft ist ein ausgesprochen realitätsnahes
Studienfach, wogegen man das Gefühl hat, die Sprach- und Geschichtswisenschaftler
lebten vor allem in der Vergangenheit (die bekanntlich besser war)
oder in wunderschönen Welten (die nicht hier sind). Sind Historiker
wirklich so introvertiert wie sie aussehen? Studieren Psychologen
nur Psychologie, weil sie da kostenlos mit Psychologen reden können?
Leben Studenten der Religionswissenschaften im Zölibat? Und beherrschen
Germanisten 500 alternative Begriffe für ‚Glückseligkeit', von denen
wir nur 20 verstehen?
Trotz all dieser Fremdartigkeiten, ein Stück weit bewundere ich
diese Kollegen, die es schaffen, Bücher zu lesen, die aus Sätzen
bestehen, die fünfmal so viele Nebensätze wie Aussagen beinhalten
(das waren soeben drei Nebensätze in einem Satz). Wenn einer Adorno
oder Weber zitiert, erkennen sie das sofort, und werfen mit grosser
Genugtuung ein anderes Zitat zurück. Und wir fragen uns derweil,
ob mit Weber dieser Aargauer Komiker gemeint war, der zum Vornamen
‚Pfirsich' heisst...
Es sind zwei verschiedene Welten. Aber dazwischen klafft kein all
zu grosser Graben (höchsten des der Bürokratie). Ich finde es lohnt
sich allemal, einmal über diese Grenze zu schreiten, und Vorlesungen
anderer Fakultäten zu besuchen. Irgendwann, wenn das Studium zu
Ende ist, arbeitet die Ökonomin nämlich plötzlich Hand in Hand mit
dem Soziologen, der Marketing Director zusammen mit der Psychologin.
Und sie werden plötzlich mehr gemeinsam haben als je zuvor.
Nachwort. Oder Nachtrag?
Nachwort: Bevor ihr mich mit Leserbriefen überhäuft und meine Bücher
verbrennt (die ich zum Glück noch nicht geschrieben habe) noch eine
Anmerkung. Natürlich definieren sich Studenten nicht über ihre Kleidung.
Ich trage an der Uni Jeans, beim Arbeiten einen Anzug und in der
Freizeit Bermudas. Bin ich deswegen schizophren? Erste Eindrücke
entstehen aus dem Äusseren und erste Eindrücke sind es, wovon dieser
Text handelt. Ich bin gespannt auf die äusseren Eindrücke, die Wirtschaftler
aussenden. Also vergesst obiges und überhäuft mich mit euren Meinungen
(mit dem Verbrennen meiner Bücher müsst ihr halt noch warten). War
der Aufbau dieses nun Nachworts schizophren? Gibt es das Wort ‚obiges'?
Egal, ich bin ja nur ein Wirtschaftler und brauche das nicht zu
wissen. Oder doch?
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