|
Fotomagazin zum Jugenkulturfestival
2000
Editorial
Unzensierte (eingereichte) Version
Basel ist die Schweizer Jugendkulturstadt.
"Ficken, Ficken, Ficken" tönt es von der grossen Bühne am Theaterplatz
herunter. Daneben fordert einer auf einer kleinen Bühne ein autonomes
Jugendzentrum und die Kollegen von Telebasel ("Mash") sind wie ich
auf der Suche nach spannenden Statements. Es ist Samstag und das
Festival ist auf seinem Höhepunkt. Die Früchte werden geerntet.
Als im Herbst die erste Mitteilung von "Wake up" kam, es gäbe ein
zweites Festival, meldete ich mich sofort. Da ich weder Singen,
noch Tanzen oder Feuerschlucken konnte, meldete ich mich bei der
Mediengruppe. Während der Vorbereitungszeit besuchten wir die verschiedenen
Projektgruppen und berichteten darüber in einer grossen Basler Zeitung.
Die teilweise etwas chaotische Arbeit gab einen schönen Einblick
auf das, was die Region Basel erwarten sollte. Ich war davon überzeugt,
dass der Erfolg von 1997 wiederholt werden konnte.
Eigentlich war unsere Arbeit am 19. Mai zu Ende. Die BaZ-Artikel
waren gedruckt. Ich wollte das Festival als "Zivilist" über mich
ergehen lassen. Einfach geniessen. Aber erstens kommt es anders
und zweitens als man denkt...
Natürlich brauchte es auch am Festival ein paar Rasende Reporter,
die das Geschehen auf Film und Tonband festhielten. Und spätestens
am Freitag Abend war es für mich klar: Auch wollte mit einem Presse-Schildchen
an der Tasche und mit meinem Fotoapparat in der Hand auf Bühnen
herum klettern und mich vor schlagende Basslautsprecher legen, nur
um das beste Bild zu schiessen. Eigentlich hiess mein Auftrag ja:
Sammle Zitate. Aber irgendwie waren schon so viele Radio- und Fernsehteams
unterwegs, dass keine originellen Sätze mehr übrig waren. Auf irgendeine
Weise sammelten sich auf meinem Diktaphon dann doch noch ein paar
an.
Am Samstag Abend war die Stadt dann randvoll. Rund um den Barfi
hatte es so viele Leute wie seit drei Jahren nicht mehr. Meine finnische
Kollegin fragte mich, ob das hier immer so sei. "Nicht ganz," antwortete
ich ihr. Tausende feierten die jugendlichen Models auf dem Laufsteg
und sahen die Artisten der verschiedenen Tanzgruppen. Und die Bands
brachten das Publikum zum "ab shaken". Nur für Niggi vom Radio X
waren auch diese noch zu leise: "Die sind ja gut, aber wir spielten
damals mindestens dreimal so laut". Zum Glück kann ich am Radio
die Lautstärke selber bestimmen. Und zwischen den Bühnen immer wieder
diese kleinen Szenen, die das JKF zu einer eigenen Welt lassen werden.
Legale Sprayer verschönern weisse Wände, Kinder und Jugendliche
gestalten gemeinsam eine Skulptur aus Gips, auf der Nebenbühne findet
eine Diskussion über die Zukunft statt und eine jugoslawische Folkloregruppe
tanzt in einer Festbeiz. Und überall feiernde Menschen und fröhliche
Gesichter. Könnte Basel nicht immer so sein?
Man traf sich am JKF. Ein Schulfreund von mir stellte seine ersten
Werke als Goldschmied aus und ein Bekannter vom 97er-Festival zeigte
in der Elisabethenkirche seine Filme. Und immer wieder bekannte
Gesichter, die man von irgendwo her kennt, aber irgendwie nicht
mehr zuordnen kann. Schliesslich jene Bekannten, die neu dazu kamen.
Das JKF als grosse Familie.
Jetzt ist das Festival vorbei. Alles was bleibt sind eine CD, die
bei jeder Gelegenheit in meinem Player surrt, dieses Fotomagazin
mit den besten Schnappschüssen aus 80 vollgeknipsten Filmen und
viele gute Erinnerungen. Und Bekanntschaften, die man ohne dem Festival
wohl kaum gemacht hätte.
Ich bin schon gespannt auf das nächste JKF. Wird die "nächste Generation"
auch so gut sein wie diese? Basel hat einmal mehr bewiesen, dass
es die Schweizer Kulturstadt ist. Es ist die Jugendkulturstadt.
Und so wurde es gedruckt.
|