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Mein Senf dazu
18.12.2011

Früher war nicht alles besser

Am vergangenen Samstag demonstrierten etwa fünfhundert Personen auf dem Theaterplatz in Basel gegen den Einfluss der SVP auf die "Basler Zeitung". Aus dem Kreis der Organisatoren, zu dem der Verein "Rettet Basel" genau so gehört, wie die grüne und die sozialdemokratische Partei, sprach jemand auch darüber, wie sich das Medienangebot in Basel verschlechtert habe. Die Person schwärmte in den höchsten Tönen über die Zeit, irgendwann nach dem zweiten Weltkrieg, in der es in Basel noch vier Tageszeitungen gab: Basler Nachrichten, Nationalzeitung, Basler AZ und Volksblatt. Es ist eine Klage, die man derzeit öfters hört.

Doch es ist eine unberechtigte Klage.

Nicht nur gab es damals (natürlich) noch kein Internet. Es existierte auch noch kein Telebasel, kein Radio Basilisk, kein Radio Basel, kein Regionaljournal von Radio DRS (überhaupt gab es nur den Landessender Beromünster), keine Sonntagszeitungen und das Schweizer Fernsehen berichtete noch seltener über die Nordwestschweiz als heute. Auch waren die von der Rednerin so gelobten Zeitungen noch deutlich dünner.

Bei mir zu Hause lagert eine BaZ von meinem Geburtstag (18.8.1978), die ich von meiner Mutter geschenkt bekommen habe. Sie stammt aus einer Zeit, in der aus zwei Zeitungen eine neue entstanden war. Die BaZ dürfte im Branchenvergleich damals wohl eine recht gut ausgestattete Redaktion gehabt haben.

Ich verglich also diese BaZ aus den goldenen Zeiten mit einer aktuellen von 2011. Und weil mein Geburtstag ein Freitag war, nahm ich dazu die Freitags-BaZ von vergangener Woche.

  • Erstes Fazit: Die Zeitung von heute ist deutlich dicker: 1978 hatte die BaZ 40 Seiten, 2011 sind es 52 Seiten plus Stellenanzeiger. Netto (ohne Werbung) liegt das Verhältnis bei 20 zu 33 Seiten.
  • Zweites Fazit: Die Zeitung von heute besteht aus deutlich mehr Eigenleistung. Der Anteil Agenturmeldungen, die eins zu eins abgedruckt werden, ist stark gesunken. Und dies, obwohl die aktuelle BaZ in einer Zeit entstand, als die Redaktion aufgrund der Wirren um die Eignerschaft wohl eher etwas dezimiert unterwegs war...
  • 1978 gab es in der BaZ genau eine Ausland- und eine Inlandseite. Vergangene Woche war der Anteil etwa doppelt so gross.
  • 1978 gab es in der BaZ eine Seite Basel-Stadt, eine Seite Baselland und eine Seite Region mit Berichten aus Süddeutschland. Heute umfasst der Regionalteil acht Seiten. Die Themen sind zudem relevanter geworden, machte die BaZ 1978 den Landteil doch gerade mal mit einer Geschichte über ein Haus in Rothenfluh auf, das neu ins Denkmalverzeichnis aufgenommen wurde.  
  • Der Wirtschaftsteil ist - wenn man die damalige Konsumseite dazu zählt - etwa gleich dick geblieben. Allerdings hat sich der Charakter geändert. Reine Nachrichten werden heute kurz erzählt, den Hauptplatz nehmen Hintergrundtexte ein.
  • Der Sportteil ist von zwei auf viereinhalb Seiten angewachsen.
  • Aus einer Seite Feuilleton, einer Reiseseite und einer halben Seite Kinoprogramm wurde ein Kulturteil mit sechs Seiten.
  • Der Anteil an Kommentaren ist übrigens etwa gleich hoch geblieben.

Nichts gegen die durchaus angebrachte Kritik am intransparenten Vorgehen der BaZ-Investoren. Und nichts gegen ein kritisches Beobachten der seit Jahren stattfindenden Pressekonzentration. Aber so vielfältig, wie die oft verklärte Vergangenheit, ist die Gegenwart noch lange.